Medizinaltechnik

Ypsomed-Ausbau geht rasant weiter – 25 Millionen werden in Standort Solothurn investiert

Simon Michel, CEO von Ypsomed: «Dank hoher Automation können wir in Solothurn bei höherer Qualität zu vergleichbaren Kosten fertigen.» (Archiv)

Simon Michel, CEO von Ypsomed: «Dank hoher Automation können wir in Solothurn bei höherer Qualität zu vergleichbaren Kosten fertigen.» (Archiv)

Die Burgdorfer Medizinaltechnikfirma Ypsomed wächst stark und schafft im Werk Solothurn erneut Arbeitsplätze.

Das sind gute Nachrichten für den Werkplatz Solothurn: Das Medizinaltechnikunternehmen Ypsomed mit Hauptsitz in Burgdorf baut sein Werk in Solothurn weiter aus. Nach der Ende Januar eröffneten neuen Produktionsanlage für Injektionssysteme zur Abgabe von Flüssigmedikamenten, sogenannte Pens, folgt jetzt der zweite Schritt.

«Wir investieren im laufenden Geschäftsjahr nochmals rund 25 Millionen Franken in den Standort Solothurn», erklärte Ypsomed-CEO Simon Michel an der Bilanzmedienkonferenz. Die Burgdorfer bauen, wie früher angekündigt, eine fast identische zweite Produktionslinie für Einwegpens auf.

Darüber hinaus wird Ypsomed in Solothurn eine neue Fertigungslinie für Infusionssets installieren. Diese wird im Reinraum Platz finden, wo bereits seit langem Pen-
nadeln gefertigt werden. Die Sets werden bislang bei einem Lohnfertiger in Mexiko produziert und nun zu einem Teil nach Solothurn transferiert. Wie kann der Standort Schweiz mit Mexiko kostenmässig mithalten? Die Lösung liegt in der Produktionsmethode. «Dank hoher Automation können wir in Solothurn zu vergleichbaren Kosten fertigen und dies erst noch bei höherer Qualität», sagte Michel.

Weit über 300 Mitarbeitende

Mit den Erweiterungen – die neuen Produktionslinien werden im kommenden Herbst hochgefahren – ist auch ein Ausbau der Belegschaft verbunden. «Wir planen für deren Betrieb in Solothurn den Aufbau von rund 50 neuen Arbeitsplätzen», so der Unternehmer, der die Firma in zweiter Generation führt. Darin eingeschlossen seien auch Mitarbeitende aus ausgewählten IT-Bereichen und der Logistik, welche in Solothurn zentralisiert werden. Insgesamt wird Ypsomed über zwei Jahre rund 50 Millionen Franken in Solothurn investiert haben. Nach dem Ausbau werden die Burgdorfer rund 320 Angestellte in Solothurn beschäftigen. Zum Vergleich: Ende 2015 waren es noch 195 Mitarbeitende.

Nach dem Ausbau in Solothurn seien die räumlichen Kapazitäten ausgelastet, sagte Willy Michel, Firmengründer und Verwaltungsratspräsident. Um die stark steigende Nachfrage abdecken zu können, baut Ypsomed im norddeutschen Schwerin eine komplett neue Fabrik. «Die Produktionsanlage für Einwegpens wird eine Kopie unserer Anlage in Solothurn sein.» Das Werk soll im Frühling 2019 den Betrieb aufnehmen. Über drei bis vier Jahre investiere man dort rund 100 Millionen Franken und im Endausbau soll das Werk 200 Beschäftigte zählen.

Basis für die hohen Investitionen bildet der gute Geschäftsgang. So hat die Ypsomed-Gruppe im Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende März) sowohl Umsatz wie Gewinn markant gesteigert.

Grosses Wachstumspotenzial sieht Ypsomed im Insulinpumpengeschäft. Nach der Einführung von YpsoPump in einigen europäischen Märkten sollen zügig zusätzliche Märkte erschlossen werden. Ab 2019 sei auch der Markteintritt in den USA und in China vorgesehen, blickte Simon Michel voraus. Einzelne Mitbewerber hätten das Insulinpumpengeschäft aufgeben, was zusätzliches Wachstum für Ypsomed ermögliche.

Deshalb müsse man jetzt in innovative Produkte investieren. So etwa setzt man auf die Digitalisierung der Pumpen. «Unsere Produkte müssen funken.» Die intelligenten Pumpen (später auch die Injektionssysteme) werden mit einer App und Software ausgerüstet und sollen die Überwachung und Steuerung der Medikamenteneinnahme über das Smartphone ermöglichen.

Bei den Injektionssystemen «profitiere» Ypsomed von der Zunahme der Diabetiker. «Die Zahl der Menschen, die weltweit auf Insulin angewiesen sind, wird von heute 44 auf 72 Millionen im Jahr 2040 steigen», so Michel. Zudem können die Ypsomed-Produkte verstärkt für andere Medikamente eingesetzt werden. Heute würden 70 Prozent der neu auf den Markt kommenden Medikamente nicht mehr geschluckt, sondern gespritzt.

Heute und nicht morgen investieren

Über alles betrachtet gibt sich die Firmenführung zuversichtlich. Im laufenden Jahr wird mit einem Umsatzplus von 15 Prozent gerechnet. Dagegen soll das Betriebsergebnis insbesondere wegen den Ausbaukosten in etwa auf Vorjahreshöhe verharren. Wohl deshalb gab der Aktienkurs an der Börse deutlich nach. Simon Michel reagiert gelassen: «Die Investitionen in neue Märkte und neue Technologien müssen heute, nicht morgen, stattfinden.»

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