Der Landhaussaal gestern Morgen kurz vor 10 Uhr. Er füllt sich. Auf dem Programm steht die erste Lesung dieser Ausgabe der Solothurner Literaturtage. Martin R. Dean liest und erzählt aus seinem neuen Buch «Warum wir zusammen sind». Gabrielle Alioth sitzt dem Autor zur Seite. Sie ist ebenfalls Schriftstellerin und Mitglied der Auswahlkommission der Solothurner Literaturtage. Dean dankt zunächst für die Einladung, nach Solothurn zu kommen. «Ohne ‹Solothurn› kann ich mir ein Autorenleben nicht vorstellen», gesteht er. Das Publikum nimmt das wohlwollend zur Kenntnis.

Martin R. Dean erklärt, dass er sich in seinem Schreiben immer wieder dafür interessiert, was Menschen zusammenführt oder sie auseinandertreibt. In «Warum wir zusammen sind» beschreibt er eine fast schon chirurgische Analyse einer Ehe und fragt sich, was es ist, das langjährige Beziehungen zusammenhält: Ist es Liebe, Gewohnheit, Konkurrenz oder gar Feindschaft? Im Mittelpunkt seines in diesem Jahr erschienen Romans stehen Irma und Marc, deren Leben nach zwanzig Jahren Ehe in Schieflage gerät: Ihr Sohn hat ein Verhältnis mit Irmas bester Freundin Eveline, Marc liegt ein Seitensprung mit eben dieser Frau auf dem Magen, und im Berufsleben der beiden türmen sich Schwierigkeiten auf. Auch die Beziehungen einiger ihrer Freunde stehen auf Messers Schneide.

Martin R. Dean liest eine Anfangssequenz, einen Mittelteil und danach eine Schlussszene aus dem Roman. Dazwischen schildert er die Zusammenhänge und Gabrielle Alioth befragt ihn. «Wir wünschen uns doch alle eine Beziehung und die Ehe ist halt eine Form davon», meint er auf die Frage nach dem Sinn einer Ehe. Erstaunt stelle er fest, dass insbesondere bei jüngeren Menschen die Ehe wieder Konjunktur habe – wahrscheinlich auch mangels Alternativen. «Ich beschreibe, wie Paare funktionieren. Und ich schneide an ihren Problemflächen, reibe am Widerspruch», so Dean. Er stellt fest: «Liebe ist flüchtig, doch wir wollen eine Langzeitbeziehung.»

«Stehen wir denn vor dem Ende der romantischen Beziehung?», will Alioth wissen. «Das ist eine Frage für einen Paartherapeuten», meint der Autor. Sicher gebe es heute Verschiebungen in Beziehungen, da seien auch die neuen Medien mit schuld. Doch gerade dieses Hochzeiten-Revival beweise, dass es neue Formen von Romantik geben müsse. Seine Aufgabe als Schreibender sei es, neue Formen des Zusammenlebens zu beschreiben, die Selbstverbesserung der Gesellschaft im Blick zu halten. «Unsere Zukunft darf nicht länger im Silicon Valley oder in Wirtschaftsetagen gestaltet werden», rief er zum Schluss auf.
Mit dem heftigen Applaus der rund 400 Zuhörer werden Autor und Moderatorin verabschiedet; Dean setzt sich ans Signierpult, um jedes neu erstandene Buch mit seiner Unterschrift zu versehen.

Gespräch mit Beat Brechbühl

Im Künstlerhaus S11 wird das Lebenswerk von  Beat Brechbühl (80) gezeigt. Er ist einer der letzten, der seine Bücher aus seinem Verlag "Im Waldgut" noch im Buchdruckverfahren druckt.

Literaturtage

Im Künstlerhaus S11 wird das Lebenswerk von  Beat Brechbühl (80) gezeigt. Er ist einer der letzten, der seine Bücher aus seinem Verlag "Im Waldgut" noch im Buchdruckverfahren druckt.

Ein Rundgang durch die Etagen des Künstlerhauses S11 zeigt die ganze Arbeitspalette des Autors, Lyrikers, Verlegers und Schriftsetzers Beat Brechbühl. Zu seinem 80. Geburtstag sind auf allen Stockwerken seine Bücher, seine Drucke, fotografische Impressionen aus seiner verlegerischen Tätigkeit und im Parterre eine Druckerpresse zum selber Drucken zu sehen. Brechbühl spricht mit den Besuchern und ist bester Laune. «Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gar nichts für diese Ausstellung machen müssen.» Doch das Ergebnis begeistere ihn und auch die vielen Besucher, die bereits am Donnerstagnachmittag zur Vernissage erschienen. Es freue ihn, dass er diesmal etwas länger in Solothurn sein könne als andere Jahre. «Ich bin oft hierher gekommen, um zu lesen. Und dann reiste ich gleich wieder ab. Das ist jetzt anders.» Dann erzählt er Anekdoten aus seinem Leben und meint, dass es ein schönes Gefühl sei, das Lebenswerk so zu betrachten. «Da wäre natürlich noch vieles zu zeigen gewesen. Doch gerade hier bestätigt es sich: Weniger ist mehr.»