Derendingen
«Bei uns ist niemand alleine»: Wie Weihnachten im Pflegezentrum Tharad abläuft

In den Alters- und Pflegeheimen ist bei der Weihnachtsfeier dieses Jahr vieles nicht möglich. Das Pflegezentrum Tharad in Derendingen setzt alles daran, die Feiertage so festlich wie möglich zu gestalten.

Tanja Graziano
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Karl Zgraggen führt das Tharad mitten in Derendingen durch eine für Bewohner und Angestellte schwierige Zeit.

Karl Zgraggen führt das Tharad mitten in Derendingen durch eine für Bewohner und Angestellte schwierige Zeit.

Hanspeter Bärtschi

Normalerweise gibt es eine grosse Weihnachtsfeier im Zentrum für Pflege und Betreuung Tharad in Derendingen. «Diese hätte an drei Abenden mit jeweils zwei bis drei Wohngruppen stattgefunden», erklärt Geschäftsführer Karl Zgraggen. In den letzten Jahren durften die Bewohnerinnen und Bewohner immer zwei Angehörige mit dabeihaben. «So waren es jeweils um die 80 bis 90 Personen.»

Dieses Jahr sei die Stimmung in der Vorweihnachtszeit etwas ruhiger gewesen. «Wir machen das Beste daraus.» Während den Festtagsplanungen hiess es fortlaufend wegen der Coronakrise neue Regelungen abwarten und hoffen, dass Festlichkeiten stattfinden können.

Das Personal müsse sehr flexibel sein. «In der Geschäftsleitung führen wir täglich kurze Sitzungen durch.» Da bis zum 22. Dezember ein befristetes Ausgangs- und Besuchsverbot im Altersheim gilt, fand das grosse Weihnachtsessen des Tharad dieses Jahr am vierten Adventssonntag auf allen sieben Wohngruppen gleichzeitig und ohne Angehörige statt.

Das Weihnachtsessen ist ein Highlight im Betrieb

«Das Weihnachtsessen war schon immer ein Highlight für die Bewohnerinnen und Bewohner», so Zgraggen rückblickend. Deshalb setzte das Küchen- und Restaurantteam alles daran, das Essen besonders festlich zu gestalten. Obwohl das Festessen stattfinden konnte, sei die Weihnachtszeit nicht einfach für die Bewohnerinnen und Bewohner. «Das Leben findet momentan in den Wohngruppen statt», schildert Zgraggen. Davon gibt es sieben im Tharad. Innerhalb von diesen können sich die Bewohner begegnen. Ein Austausch mit anderen Wohngruppen ist nicht möglich.

Insgesamt verfügt das Pflegezentrum über 82 Einzelzimmer, Mehrbettzimmer gibt es keine. «Abend- und Mittagessen isst die gesamte Wohngruppe gemeinsam», erklärt Zgraggen. «Im November und im Frühling hatten wir mit einem Corona-Ausbruch zu kämpfen. Durch die rasche Trennung zwischen den Wohngruppen waren nur drei von sieben Wohngruppen betroffen», berichtet Zgraggen. «Momentan ist glücklicherweise alles gut.»

Lieder ab Lautsprecher statt selber singen

Im selben Rahmen fanden auch die Vorbereitungen auf die Weihnachtszeit statt. «Jede Wohngruppe entschied selbst, wie sie dekorieren wollten», so Zgraggen. Auch die festlichen Aktivitäten wurden von ihnen bestimmt. Dabei mussten einige Regeln, wie beispielsweise das Singverbot, beachtet werden.

«Anstelle vom Singen, spielen wir die Weihnachtslieder über die Lautsprecher ab.» Trotz solcher Einschränkungen gab es im Dezember einige Aktivitäten für die Bewohnerinnen und Bewohner. «Alles, was noch möglich ist, setzten wir zu ihrem Wohle um», so Zgraggen.

Anstelle des Eingangsbereiches haben die Weihnachtsbäume des Pflegeheimes dieses Jahr im Park ihren Platz gefunden. Den ganzen Dezember über hat jede Wohngruppe einmal pro Tag ein Zeitfenster von einer Stunde, um im Park spazieren zu gehen. «So können sie die, von der Gemeinde Derendingen gesponserten Tannenbäume, täglich bestaunen», meint Zgraggen. Diese wurden extra so aufgestellt, dass die meisten Bewohner sie abends beleuchtet von ihren Fenstern aus sehen können.

Isolation führt zu Bewegungsmangel

Die frische Luft und die Bewegung seien während dieser Zeit enorm wichtig. «Die Gefahr in der Isolation ist auch, dass der Körper an Energie verliert», betont Zgraggen. Die Einschränkung der Bewegung auf die Wohngruppen sei auf Dauer schlicht und einfach nicht gesund. Ein wenig Abwechslung bringen Beschäftigungen wie Haareschneiden oder Fusspflege in den Alltag. «Wir haben eine Podologin und eine Coiffeuse im Haus», so Zgraggen.

«Die Bewohnerinnen und Bewohner werden immer von denselben Mitarbeitenden betreut. Dies meist schon seit mehreren Jahren», berichtet der Geschäftsleiter. Da das Pflegepersonal im Moment der einzige direkte soziale Kontakt ist, sei dies umso wichtiger.

Um den Bewohnerinnen und Bewohnern trotz Besuchsverbot zu ermöglichen, ihre Angehörigen zu sehen, hat das Zentrum neben dem Eingang ein Besucherfenster eingerichtet. Getrennt durch eine dicke Glasscheibe können sie dort über eine Sprechanlage kommunizieren. «Das Besucherfenster ist ein wichtiges Fenster zur Aussenwelt für die Bewohner», so Zgraggen. Ansonsten können sie noch mit ihren Angehörigen über eine speziell eingerichtete Skype- Station telefonieren.

Neue Regelung für die Festtage

Ab dem 23. Dezember ermöglicht der Kanton Lockerungen in den Alters- und Pflegeheimen. «Einige Bewohnerinnen und Bewohner hätten sich gewünscht, Weihnachten bei ihren Angehörigen zu verbringen», schildert Zgraggen. Er rät jedoch davon ab. Die Bewohner müssten sonst für zehn Tage in die Quarantäne gehen. Daher bleibe es beim Besucherfenster, Briefen und Telefongesprächen. «Freunde und Familie dürfen auch jederzeit Geschenke vorbeibringen», erklärt Zgraggen.

Vonseiten der Angehörigen und der Bewohnerinnen und Bewohner bekäme sein Team grosses Vertrauen und Verständnis zu spüren. «Bei uns ist niemand alleine über die Festtage.» Dies sei für ihn das Wichtigste.