Openair Etziken
«Können flächenmässig nicht wachsen, also müssen wir Qualität erhöhen»

Für Florian Müller, Bauchef am Openair Etziken, ist sein Beruf gleichzeitig sein Hobby. Er koordiniert den Aufbau des Geländes für das 19. Festival. Seine Aufgaben werden mit den Jahren immer wie anspruchsvoller.

Bastian Heiniger
Merken
Drucken
Teilen
Hier steht Florian Müller, Bauchef, am liebsten. Vor der Bühne habe man die beste Übersicht des Aufbaus.

Hier steht Florian Müller, Bauchef, am liebsten. Vor der Bühne habe man die beste Übersicht des Aufbaus.

Bastian Heiniger

In Etziken läuft der Endspurt: Bagger bringen Kisten zur Hauptbühne, überall auf dem Gelände arbeiten freiwillige Helfer. Sie schleppen Material herum, kontrollieren, bohren, schrauben, befestigen. Aus den Boxen der Zeltbühne dröhnt AC/DC. Und von Bern her zieht eine Gewitterfront heran.

Florian Müller steht neben dem Backstagezelt und telefoniert. Der 30-jährige Solothurner ist Bauchef des Openairs Etziken und derzeit ein gefragter Mann. Er koordiniert den Aufbau des Festivalgeländes. Die Arbeiten sollten fertig werden, damit das Kinder-Openair am nächsten Tag stattfinden kann. «Spätestens dann muss alles funktionieren», sagt er nun an einem Stehtisch beim VIP-Bereich.

Das Festival ist für ihn ein Hobby

Genau hier befindet sich Müllers Lieblingsplatz. Nicht wegen der VIPs, sondern weil man von hier aus den besten Überblick über das Gelände hat. Auch der schönste Moment am Festival spiele sich hier ab: die Eröffnung. Der harte Kern des Bauteams kommt dann zusammen. Gemeinsam schauen sie, wie die Gäste das Gelände betreten. «Dann können wir auf das Geleistete anstossen.»

Für die Organisatoren ist das Festival ein Hobby. «Wir bezahlen sogar Jahresbeiträge, damit wir hier arbeiten dürfen», sagt Müller und lacht. Das Openair Etziken besteht aus einem Verein von 30 Personen. Aufgeteilt sind sie in eine Betriebs- und eine Baugruppe. Für den Aufbau stossen zusätzlich 20 freiwillige Helfer dazu. Und an den intensivsten Tagen seien rund 60 Leute am Bau beteiligt. Während gut dreier Wochen errichten sie am Feierabend Absperrungen, Zelte und Bühnen. Nur: «In den letzten Jahren waren wir am Openair jeweils so müde, wir konnten es kaum noch geniessen.»

Neu hilft der Zivilschutz

Etwas musste sich ändern. Also stellten sie einen Antrag beim Zivilschutz. Und dieser wurde gestattet. Dieses Jahr halfen deshalb während einer Woche tagsüber 15 Zivilschützer. «Eine grosse Hilfe», sagt Müller. Am morgen gab er ihnen Instruktionen, dann fuhr er zur Arbeit und kam am Mittag wieder kurz aufs Gelände. So auch am Feierabend.

«Zum Glück habe ich einen flexiblen Arbeitgeber.» Müller ist Bauführer bei der Implenia Bau AG in Solothurn. Das Unternehmen tritt denn auch als CO-Sponsor auf und stellt Baumaschinen zur Verfügung. Dass der Solothurner heute am Openair Etziken mitwirkt, hängt mit seinem Beruf zusammen. 2004 befand er sich im letzten Lehrjahr als Bauzeichner. Der damalige Bauchef des Festivals, ein Arbeitskollege, fragte Müller, ob er die Pläne für das Gelände zeichnen möchte. Müller willigte ein und kam so als einziger Nicht-Etziker zum Verein. Die ersten zwei Jahre zeichnete er Pläne, dann half er beim Aufbau, später übernahm er die Bauleitung. Doch ohne sein berufliches Know-how wäre diese Aufgabe schwierig zu meistern.

Über die Jahre sind die Anforderungen gestiegen. Das Festival wird nun zum 19. Mal durchgeführt. Doch im Vergleich zu vor zehn Jahren sei das Baubudget um das Doppelte gestiegen. Heute beträgt dieses gut 350 000 Franken.

Jedes Jahr kleine Verbesserungen

Unterdessen hat sich der Himmel verdunkelt, es beginnt zu regnen. Wind schlägt gegen die Wände des VIP-Zelts, doch im Innern bleibt man trocken. Von hier aus werden Sponsoren und Gönner die Bands auf der Hauptbühne verfolgen können. Und mehr Platz erhalten sie auch: Neu wurde die VIP-Tribüne vergrössert.

Überhaupt versucht der Verein, die Infrastruktur stets zu verbessern. Müller erklärt das so: «Wir können flächenmässig nicht wachsen. Also müssen wir die Qualität erhöhen, um besser zu werden.» Oft seien es kleine Veränderungen. Kürzlich haben sie bei den mobilen Toiletten die Lüftungsschlitze so präpariert, dass man von oben nicht hineinsieht. Es sind Verbesserungen, die der Besucher nicht mitbekommt. Und das soll er auch nicht. «Die Leute können sich hier heimisch fühlen.»

Müller nimmt nun sein Handy hervor und studiert kurz den Wetterbericht. Dies mache er häufig in den letzten Tagen. Und: Die Vorhersagen würden immer besser. Wahrscheinlich bleibe es sogar trocken. Inzwischen hat auch der Regen gestoppt, das Gewitter ist vorbeigezogen.