Lohn-Ammannsegg
Wenn das Vertrauen in den Himmel wächst

Am Sonntag fand ein stimmungsvoller Gottesdienst in besonderem Rahmen statt. Mit dabei waren Slam-Poet Jens Nielsen und Pfarrerin Dorothea Neubert.

Agnes Portmann-Leupi
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Dorothea Neubert mit Jens Nielsen und am Klavier Thomas Zürcher.

Dorothea Neubert mit Jens Nielsen und am Klavier Thomas Zürcher.

Agnes Portmann

«Den Himmel auf Erden schenke uns Gott, er mache uns fähig, diesen auf Erden zu schaffen.» So betete Pfarrerin Dorothea Neubert am Ende eines weiteren «Gottesdienstes in besonderem Rahmen» in der Lukaskirche. Unter dem Motto «Wie? – Himmel auf Erden?» beleuchtete sie in diesem «BibleSlamPoetry-Abend» zusammen mit Jens Nielsen biblische Themen – gewagt, schräg, verfremdet oder offensichtlich, erheiternd, fantasiereich, zum Nachdenken anregend.

Jens Nielsen strich sich über das kahle Haupt, zog die Stirn in Falten, die Mundwinkel zurück und begann. Dass er nicht nur Autor und Sprecher ist, sondern auch Schauspieler, liess er damit durchblicken. Er behandelte die Forschung über die Schwerkraft. «Heisst sie Schwerkraft, weil sie schwer zu verstehen ist oder weil sie es uns schwer macht?», fragte er. Die Interpretation eines Zuhörers war, dass sie uns auf die Erde ziehe und Gott eben nicht nur im Himmel wohne, sondern auch auf Erden.

Der in Aarau geborene Autor veranschaulichte eine Fliege auf der Frontscheibe seines Autos, die auch bei enormer Geschwindigkeit und Stress nicht loslassen konnte. Er beobachtete wo «Gott hockt» und «wie es im Himmel ist», in welchem man ohne Hirn handle sowie nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen sehe. Seine Geschichte des verlorenen Sohns endete in der Gasse mit «Hesch-mer-e-Stutz».

Der Verlorene wunderte sich, dass er trotzdem zu Hause wieder herzlich willkommen war. Schliesslich wurde der Slam-Poet in der Geschichte des Hirten mit dem verlorenen Schaf selber zu einem der 99 zurückgebliebenen Schafe.

Bereichert mit jazziger Musik

«Himmel auf Erden ist, wenn auf Erden Vertrauen in den Himmel wächst», sagte Dorothea Neubert. Dabei nimmt sie Bezug auf das Vertrauen Abrahams, dem Gott noch im Greisenalter von seiner jungen Frau Sara einen Sohn verheissen hatte. Die Pfarrerin illustrierte «Balkonkistchen und Mietwohnung versus Haus und Garten». Sie liess bedenken: «Was bringt es, Neid aufkommen zu lassen für den, der auf der Sonnenseite steht.»

Gott sage, dass jeder aus dem etwas machen soll, was er besitze. Thomas Zürcher bereicherte den Gottesdienst auf dem Flügel mit wunderbaren, gefühlvollen Improvisationen der Musikerin Pam Wedgwood.

Der abschliessende Apéro ermöglichte den 60 Besuchern eine angeregte Reflexion der Texte aus der nicht ganz gewohnten Perspektive.

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