Drei ihrer Beamten wechseln zur Kantonspolizei, wie Gaston Barth, Leiter des Rechts- und Personaldienstes, auf Anfrage bestätigt. Für das Korps umso bitterer, als der Gemeinderat in den letzten zwei Budgets je zwei Stellen zusätzlich bewilligt hatte – also eine nominale Verstärkung um zwei Polizisten und zwei Polizei-Assistenzstellen.

«Diese konnten wir besetzen, doch bei den Polizeistellen selbst haben wir Probleme. Letzten Herbst glaubten wir, eine der zwei Vakanzen gelöst zu haben, doch dann entschied sich die Beamtin, die vom Rettungsdienst gekommen war, wieder dorthin zurückzukehren.» Ohnehin hatte bereits wieder ein Polizist im Oktober das Stadtkorps Richtung Kantonspolizei verlassen. Doch noch schwieriger wird jetzt die Situation, wenn nicht nur die neuen Stellen nicht besetzt werden können, sondern der Personalbestand mit den drei Abgängen sogar unter den vorherigen von insgesamt 23 Stellen fällt.

Auch wenn die Kantonspolizei dies bestreite, Barth spricht klar von «Abwerbung», denn das kantonale Polizeikorps habe Rekrutierungsprobleme wie die Stadtpolizei. Vor allem: «Wenn uns die Stellen fehlen, können wir gewisse neue Aufgaben, wie im Zusammenarbeitsvertrag mit der Kantonspolizei festgehalten, gar nicht mehr übernehmen.»

Mit dem Kanton im Gespräch

Bedeckt zum Thema «Abwerbung» hält sich dagegen Stapo-Kommandant Peter Fedeli, im Moment offenbar um Schadensbegrenzung bemüht. «Wir sind mit der Kantonspolizei im Gespräch, an welchen Tagen wir allenfalls auf die Notfall-Intervention verzichten könnten.» Beschickt doch die Stadtpolizei täglich eine Nachmittags- und Abendschicht mit je einem Beamten, der zusammen mit einem Kantonspolizisten in einer gemischten Patrouille in der Region unterwegs ist.

Wenn die jetzigen Stadtpolizisten in den nächsten Monaten den Wechsel zur Kapo vollzogen haben, geht es für Peter Fedeli darum, dass «wir die lokale Sicherheit nicht vernachlässigen.» Dies gelte insbesondere auch für Wochenenden mit Grossanlässen wie etwa am Märet-Fescht Mitte Juni. Natürlich habe man die Stellen wieder ausgeschrieben. «Doch der Polizei-Stellenmarkt ist völlig ausgetrocknet», weiss Fedeli.

Und der gängigste Weg, Beamte selbst auszubilden, sei ein langer: Eineinhalb Jahre daure dies in der Regel von der Bewerbung über den Eignungstest bis nach dem Besuch der einjährigen Polizeischule. Dabei hätte Peter Fedeli Grund zum Durchatmen: Auch nächsten Herbst kann er gemäss Finanzplan mit der Bewilligung je einer weiteren, zusätzlichen Polizisten- und Assistenzstelle rechnen. Doch höchstwahrscheinlich fehlen ihm dann sieben Beamte zum geplanten Sollbestand ab 2013.

Am besten selber ausbilden

Der kleine Trost: Der Stadtpolizei droht in nächster Zeit nicht auch noch eine Pensionierungswelle. Denn es sind die jüngeren Korpsangehörigen, die manchmal schon nach kurzer Zeit der Stadt den Rücken kehren, weil sie sich in der Kantonspolizei offenbar bessere Entfaltungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen versprechen (vgl. Kasten). «Es ist schwierig, gute Leute zu bekommen. Am besten, man bildet sie selbst aus», meint Gaston Barth. Das Ausbildungsjahr verursacht aber nicht nur Ausbildungs-, sondern auch Lohnkosten. Und es ist auch kein Garant, dass die frisch ausgebildeten Stadtpolizisten dem Korps treu bleiben.

«Die Ausbildungskosten werden bei der Kündigung vom neuen Arbeitgeber übernommen», schildert Gaston Barth die Praxis der Kantonspolizei. Denn nach der Ausbildung diese dem Arbeitgeber, also der Stadt, geschuldet und während fünf Jahren Monat für Monat abgeschrieben. Verlässt also ein Stadtpolizist das Korps zwei Jahre nach der Ausbildung, entschädigt der Kanton die Stadt für den Anteil an den Ausbildungskosten der drei Restjahre. «An sich sollten aber auch die Lohnkosten für das Ausbildungsjahr übernommen werden», ist Barth überzeugt.

Eine Möglichkeit hat sich allerdings eröffnet: Da die Assistenzstellen wesentlich einfacher zu besetzen sind, konnte in einem Fall eine interne Weiterausbildung zum Polizisten realisiert werden. Die Assistenzstellen seien zwar «eine wertvolle Entlastung vor allem auch im Innendienst», so Barth, «doch sind die Leute unbewaffnet und können gewisse Einsätze nicht mitmachen.»