Trimbach
Dieser Roboter befreit Räume mittels UVC-Licht von Coronaviren

Stefan Meier entwickelte während der Coronakrise eine Idee für die «ROBO Meier GmbH» mit Sitz in Trimbach. Seine Roboter arbeiten mit UVC-Licht und können im Kampf gegen das Virus eingesetzt werden.

Noël Binetti
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Neues Unternehmen aus Trimbach: Stefan Meier verkauft und vermietet Roboter

Neues Unternehmen aus Trimbach: Stefan Meier verkauft und vermietet Roboter

Bruno Kissling

Rund 25 Jahre arbeitete Stefan Meier in der Veranstaltungstechnik. Die Eventbranche aber litt stark in den vergangenen Monaten und wurde durch Verbote und Beschränkungen praktisch zum Stillstand gebracht. Doch Meier entwickelte eine Idee für ein neues Einzelunternehmen, als er neben anderen Geräten auf die Desinfektionsroboter aufmerksam wurde. «Diese werden der Klasse von Servicerobotern zugeordnet», schreibt Meier in einer Medienmitteilung.

Daraus ist zu entnehmen, dass er mit der «ROBO Meier GmbH», in Neugründung und mit Sitz in Trimbach, die Schweizer Vertretung für die sogenannten «Cobots» der Firma Warrington aus England übernimmt. Das Prinzip des maschinellen Helfers: Programmiert und ferngesteuert bewegt sich die Maschine auf Rädern durch Raum und Zeit.

Auf allen Seiten mit starken UVC-Leuchtröhren ausgestattet, nimmt sie den Kampf auf gegen Viren, Bakterien und Mikroorganismen aller Art. Ab dem ersten Januar 2021 will Meier mit dem Verkauf von diesen Robotern loslegen.

Mit Licht gegen unterschiedlichste Viren

Das UVC-Licht ist ein kurzwelliges und energiereiches Licht. Es tötet Viren oder Bakterien auf Oberflächen, in der Luft oder im Wasser. «Seine Wirkung ist schon mehr als hundert Jahre bekannt», erklärt Meier. UV-Strahlung wird unter anderem zur Keimabtötung im Trinkwasser, zu therapeutischen Zwecken in der Wellnessbranche oder zum Aushärten von Leimen genutzt.

Für die menschliche Haut und vor allem für die Netzhaut der Augen, stellt die Strahlung aber eine Gefahr dar. Darum eignet sich der Roboter nicht für Haushalte und andere private Gemächer. Im Werbevideo der Firma Warrington steuert sich der mit Display und Android-Software ausgerüstete Apparat mithilfe von Sensoren durch Konferenzräume, Hotelflure, Gastroküchen und Grossraumbüros. Das Licht flutet Wände und Einrichtung. Danach sind laut Hersteller 99,9 Prozent der Viren und Bakterien eliminiert.

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Meier bestätigt auf Anfrage: «Da wo Gegenstände im Raum die Streuung des Lichts behindern, erzielt der Cobot keine Wirkung.» Eine weitere Schwachstelle des 140 Kilogramm schweren Roboters sind Treppen oder Türschwellen. Solche kann er nicht autonom überwinden. Je nach Ausstattung kann er aber einen Lift steuern und sich so selbstständig über mehrere Etagen bewegen. Ebenso kann er sich autonom zur Ladestelle manövrieren, wenn seine Akkus sich dem Ende neigen, so wie Staubsauger und Rasenmäher es schon länger tun. Meier sieht die Verwendung des Cobots indes bei der Industrie. Und eben in der Eventbranche.

Strahlend durch Kulturräume

Vor und nach der Show könnte geschultes Personal den Cobot durch das Museum oder über den Dancefloor schicken. Oder entlang der Messehalle. Dass das Gerät nichts fürs Kinderzimmer ist, lässt auch dessen Preis vermuten. Das von Meier angebotene Modell kostet rund 30'000 Franken. Es wird aber auch Einzelne Einsätze geben: Meier will die Maschine auch vermieten.

Für einen Tageseinsatz rechnet Meier mit Kosten ab 600 Franken. Auch für die Zeit nach Corona sieht Meier Verwendung für den Roboter: «Es ist nicht nur die aktuelle Pandemie, welche die Nachfrage antreiben wird. In Zukunft werden Hygienemassnahmen ein zentraler Bestandteil unserer stetig wachsenden Bevölkerung.»

Technik wissenschaftlich untersucht

Das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) hat kürzlich vor Geräten im Tiefpreissegment gewarnt. Doch bei den Geräten von Stefan Meier handelt es sich keineswegs um günstige Modelle. Auch die EU setzt in Spitälern auf die Desinfizierung durch solche Roboter: Vor Kurzem gab Ursula von der Leyen, Präsidentin der europäischen Union, auf ihrem Linkedin-Profil den Kauf von 200 ähnlichen Apparaten bekannt.

Auch Urs Baltensperger vom Paul Scherrer Institut (PSI) bestätigt: «Dass die Bestrahlung von Viren zu deren Inaktivierung führen kann, ist bereits seit Jahrzehnten bekannt», und verweist auf die entsprechende Literatur aus der Wissenschaft. Weiter schreibt er: «Entscheidend für eine effiziente Inaktivierung ist die Strahlungsdosis.»

UV-Strahlen führen bei direkter Bestrahlung zu einer Schädigung der menschlichen Haut. Darüber hinaus kann die UV-Bestrahlung zur Bildung von Ozon in der Raumluft führen. Entsprechend dürfen derartige Verfahren niemals angewendet werden, wenn sich Personen im Raum befinden, die gegenüber der UV-Strahlung oder dem Ozon exponiert werden könnten.