Schönenwerd
Zwergen-Skulptur gegen Littering: «Das bringt mehr als schimpfen» – doch wer hat die Skulptur überhaupt erschaffen?

Ein Schönenwerder begegnet auf Spaziergängen immer wieder einem Zwerg – dessen Botschaft gegen Littering findet er sinnvoll. Wer diese Aktion ins Lebens gerufen hat, ist allerdings nicht bekannt.

Noël Binetti
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Zwerge und Müll: Von Letzterem hat es leider immer wieder im Wald.

Zwerge und Müll: Von Letzterem hat es leider immer wieder im Wald.

Bild: Bruno Kissling

Arno Oppliger aus Schönenwerd kennt die Wälder rund um sein Dorf. Der pensionierte Schriftsetzer ist täglich zu Fuss unterwegs: einst mit seinen Hunden, mittlerweile allein. Auf seinen Exkursionen frequentiert er ab und zu die Entfelderstrasse. Sie verbindet Schönenwerd und Oberentfelden mitten durch den Wald.

Vor einiger Zeit entdeckte Oppliger hier eine auffällige Anti-Littering-Skulptur: Auf einem Baumstrunk ist ein hölzerner Zwerg befestigt. Neben ihm baumeln einige Getränkedosen aus Aluminium und Plastik, dazu ein Schild mit der Aufschrift «Stop».

«Der Zwerg mit dem traurigen Gesichtsausdruck ist wie ein Mahnmal»,

sagt Oppliger. «Vielleicht hat diese Form der Erinnerung an ein Fehlverhalten mehr Wirkung als eine gehässige Verurteilung der Abfallsünder», schrieb Oppliger zuvor in einem Hinweis auf die Skulptur. Auf Anfrage erklärt er am Telefon: «Mich dünkt zwar, der Hinweis wird kaum zur Kenntnis genommen.» Noch immer habe es an vielen Stellen Abfallreste, wo diese nicht hingehörten.

Wer hat die Skulptur an der Entfelderstrasse wohl erschaffen?

Wer hat die Skulptur an der Entfelderstrasse wohl erschaffen?

Bruno Kissling

Der Zwerg steht direkt an der Fahrstrasse. «Eigentlich müssten ihn alle sehen, die daran vorbeifahren», sagt Oppliger. Er findet das Werk, dessen Urheber er nicht kennt, trotzdem eine gute Sache: «Ich glaube, das nützt mehr als mit dem Finger auf jemanden zu zeigen», erklärt er. Früher habe man noch «sei kein Schwein»-Schilder aufgestellt. Solche Schimpfwörter bringen nichts, ist Oppliger überzeugt. «Der Zwerg vermittelt seine Botschaft mit Augenzwinkern».

Den Kindern ein gutes Vorbild sein

Wenn Schülerinnen und Schüler regelmässig helfen, auf dem Gemeindegebiet Abfall zu sammeln, findet Oppliger das nicht nur sinnvoll. «Klar hat das einen gewissen Effekt. Aber diese Wirkung lässt schnell nach.» Es gehe doch nicht, dass Jugendliche den Müll der Erwachsenen sammeln müssten.

«Ich bin davon überzeugt, dass sie es am besten lernen, wenn wir ihnen gute Vorbilder sind. Das ist besser als schimpfen.»

Auch mit seinen Kindern habe er das geübt: «Wenn sie ein Täfelipapierli auf den Boden schmissen, mussten sie es aufheben. Zusammen haben wir es dann zuhause im Abfall entsorgt. Dieses Vorgehen haben sie verinnerlicht.»

Oppliger sieht das Problem denn auch bei der Konsumgesellschaft: «Ich wuchs auf einem Bauernhof auf. Wir waren eine grosse Familie. Dennoch fiel fast kein Abfall an.» Viel Nahrung wurde selbst produziert. Wenn etwas gekauft wurde, war nicht jedes Produkt in Plastik eingeschweisst. Abfälle aus Holz wurden verbrannt, die Flaschen waren aus Glas und hatten ein Pfand.

Mittlerweile sammelt Oppliger Plastik separat: «Ich fülle einen Sack damit und staune immer, wie schnell er voll ist. Dann bringe ich ihn zur Sammelstelle.» Pro Sack bezahlt Oppliger drei Franken Gebühren. Zu Müll an Waldrändern, neben Grillstellen oder auf Wiesen sagt er: «Es hat doch überall Abfallkübel und Aschenbecher. Ich verstehe nicht, wie man die nicht benutzen kann.»