Der Stromausfall im Niederamt vom vergangenen Mittwochabend ist schuld an der Trinkwasserverschmutzung. Edi Baumgartner, Präsident des zuständigen Zweckverbandes Abwasserregion Olten (ZAO), bestätigt gegenüber dieser Zeitung: «Seither floss dank Regenfällen stark verdünntes Abwasser von der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Winznau in die Alte Aare und vermischte sich dort mit dem Aarewasser.»

Niederamt: Fäkalbakterien im Trinkwasser

Niederamt: Fäkalbakterien im Trinkwasser

In Dulliken, Lostorf und Obergösgen ist das Trinkwasser verschmutzt. Das Wasser muss abgekocht werden.

Möglich sei, dass das verschmutzte Aarewasser in den Untergrund exfiltriert und in das Grundwasser und somit in die Trinkwasserfassung gelangte. Normalerweise ist man bei der ARA für solch ein Szenario gewappnet, so Baumgartner: «Innerhalb von 15 Minuten wäre der Pikettdienst vor Ort gewesen und hätte die Pumpen wieder in Betrieb gesetzt.» Es wäre nichts passiert, versichert Baumgartner. Doch am Mittwochabend lag wegen des Stromausfalls auch die gesamte Informatikanlage darnieder.

Folglich gab es gar keinen Alarm. «Das kann mit der Umstellung auf das digitale Telefoniesystem zusammen hängen», vermutet Baumgartner. Dies dürfe keinesfalls passieren, es sei «ein grosser Mangel«, fährt er fort. Man sei nun daran, das Alarmsystem zu überarbeiten, damit dies nicht mehr passiere. Bei der Swisscom wollte man sich am Dienstag zum aktuellen Fall nicht äussern, da dies «zu kurzfristig» sei. Jedenfalls rät Esther Hüsler vom Swisscom-Mediendienst: «Wir empfehlen, die Telefonie erst umzustellen, wenn alle spezifischen Alarmsysteme umgestellt und überprüft sind.» Generell würden sie den Kunden immer eine sogenannte Zweiweg-Lösung empfehlen, wie dies für Pflichtanlagen vorgeschrieben sei.

Information «zu spät»?

In der Bevölkerung herrscht teilweise Verunsicherung. So äusserte sich eine Bewohnerin von Obergösgen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte: «Es ist schon ein unappetitliches Gefühl, wenn man bedenkt, kein sauberes Wasser im Haus zu haben. Man fühlt sich irgendwie schmutzig. Aber wir hoffen jetzt auf baldige Besserung.» Wütend äusserte sich indes Kantonsrat Walter Gurtner (SVP, Däniken) bei den Kommentaren zum Artikel auf der Homepage dieser Zeitung. «Es braucht jetzt eine Untersuchung», relativiert er inzwischen, und ergänzt: «Für mich ist es absolut unbegreiflich, wie so etwas passieren kann.» Er komme gerade vom Coiffeur in Däniken.

Dieser habe ihm aufgrund des Debakels nicht einmal Kaffee anbieten können: «Weil er sich trotz Wasser Abkochen Sorgen macht.» Gurtner bezeichnet die Gewässerverschmutzung genervt als «Riesensache, die einfach nicht passieren darf». Ein Leser, der sich als «Roger» vernehmen lässt, zeigt sich ebenfalls empört: «Wir erfahren erst jetzt, dass das Trinkwasser verschmutzt ist? Es gibt auch Aareschwimmer und Aarebesucher die es schön finden würden, wenn sie diese Info vorher erhalten hätten.» Aber so einfach ist es nicht, wie der Solothurner Kantonschemiker Martin Kohler vom Amt für Umwelt erklärt.

Er weist darauf hin, dass ein Wassertest mehrere Tage in Anspruch nimmt, bevor ein Resultat vorliegt: «Es gibt kein schnelleres Verfahren.» So seien die schlechten Werte bei von den Gemeinden im Rahmen der Selbstkontrolle vorgenommenen Laboruntersuchungen aufgefallen. Wegen der gesetzlichen Nulltoleranz bei Fäkalbakterien, müsse man bei einem entsprechenden Resultat unverzüglich handeln. Für den Kantonschemiker ist klar: «Die betroffenen Gemeinden haben rasch und professionell reagiert.»

Flugblatt per Feuerwehr

Sofort hatten die zuständigen Gemeindebehörden mithilfe des Kantons sowie der Feuerwehrkorps ein Flugblatt an die betroffene Bevölkerung verteilt. Versehen mit der Warnung: «Beobachten Sie sich, sollte innert 48 Stunden hohes Fieber, Durchfall und/oder Erbrechen auftreten, konsultieren Sie einen Arzt.»Eine kleine Umfrage bei Ärzten der Region brachte bis am Dienstag keinen akuten Fall zutage.

Walter Rhiner, Gemeindepräsident Dulliken, schrieb auch im Namen der Gemeinden Obergösgen und Lostorf in einem Communiqué: «Das Altersheim sowie Lebensmittelbetriebe wurden separat informiert», und: «Aufgrund der Massnahmen kann das Wasser leicht nach Chlor riechen. Wir werden die Bevölkerung auf den Websites der Gemeinde auf dem Laufenden halten.» In jeder der drei Gemeinden war sofort eine Hotline eingerichtet worden. In Lostorf ist Baukommissionspräsident Heinz Marti dafür zuständig und beantwortet die Fragen von besorgten Einwohnerinnen und Einwohnern. «Es werden eher allgemeine Fragen gestellt», so Marti.

Wie läuft es jetzt weiter?

Laut Kantonschemiker Kohler werden in jeder der drei Gemeinden laufend Proben genommen. Damit wird , wie er erklärt, die Wirksamkeit der getroffenen Massnahmen überprüft. Wichtig seien unter anderem die Notchlorierung und die Spülung der Leitungsnetze. Die Dosierung des Chlors wird laut Kohler so gewählt, dass es für die Konsumentinnen und Konsumenten keine Gefahr darstellt, jedoch die Fäkalbakterien abgetötet werden.

Die Reinigung der Leitungen und des Wassers werden laut Kohler noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Dem Solothurner Amt für Umwelt obliegt die Funktion der behördlichen Aufsicht. Es sind die Gemeinden, die zuständig sind für die Reinigung der Leitungen und die Verteilung des Wasserbezuges. Im Winter 2016 war es in Stüsslingen zu einer ähnlichen Verschmutzung gekommen. Nach der Notchlorierung waren die gefährlichen Bakterien beseitigt, und bei den zuständigen Verantwortlichen läpperten sich zahlreiche Überstunden zusammen. Die ARA hatte damals laut Leuenberger nichts mit dem Vorfall zu tun.