Olten
Aus Spaghetti-Resten wird im Altersheim Weingarten jetzt Energie gewonnen

Das Alters- und Pflegeheim Weingarten in Olten nimmt mit Bio-Spüler und Bio-Tank eine regionale Pionierrolle in der Resteverwertung ein. Der Schweinekübel gehört der Vergangenheit an.

Deborah Onnis
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Küchenchef Beat Rohr beim Einwerfen der Reste in den Bio-Spüler, welcher sie weiter zum Tank befördert.

Küchenchef Beat Rohr beim Einwerfen der Reste in den Bio-Spüler, welcher sie weiter zum Tank befördert.

Deborah Onnis

Rüstabfälle, Kaffeesatz und Speiseresten jeder Art (ausser Knochen) kann Beat Rohr, Küchenchef des Alter- und Pflegeheims Weingarten in Olten, dank der Resteverwertungsanlage der Firma Remas AG, in der Garage ökologisch abbauen. Wie das geht? Ganz einfach: Abfälle werden mit der Zufuhr einer kleinen Menge Wasser im Bio-Spüler zerkleinert und durch ein Rohr in den fünf Tonnen fassenden Bio-Tank befördert, wo es innert sechs Monaten zu wertvoller Biomasse (oder besser: «Gastro-Substrat») wird. Diese lässt Remas AG dann von einem Tankwagen absaugen und führt sie der nächsten Biogasanlage zu, die mit dem daraus entstandenen Gas Strom, Treibstoff, Wärme und Dünger erzeugt.

«Diese Art von Speiseverwertung ist für mich die Sinnvollste», sagt der Küchenchef, der vor zirka einem Jahr die Anlage installieren liess und seither einen nachhaltigen Kreislauf nährt. Da der Tank ein grosses Fassungsvermögen hat, sind auch weniger Abholfahrten nötig – was ökonomisch und ökologisch ist.

Nebst dem Aspekt der Umweltfreundlichkeit sieht der Küchenchef auch den praktischen Vorteil: «Die Reste werden sauber verwertet – ohne Geruchsemissionen.»

Gut sechs Monate nach der letzten Leerung ist der Bio-Tank des Alter- und Pflegeheims Weingarten langsam wieder voll. Von den fünf Tonnen Inhalt soll nach Küchenchef Rohr nur ein Viertel davon Speisereste sein. Der Rest bestehe nur noch aus Rüstabfällen. Sehr bewusst geht Rohr mit dem Thema Resteverwertung um: «Mein Ziel ist: so wenig Reste wie möglich zu produzieren.» Bedauerlich und beschämend findet er das Ausmass der Verschwendung der Essensreste, welcher heutzutage so gut wie überall noch gang und gäbe ist: «Die Wertschöpfung aus Speiseresten ist heute noch gleich null.»

Auch das Alters- und Pflegeheim Weingarten stand – wie viele Andere – nach dem Inkrafttreten des Schweinkübelverbots vor zwei Jahren vor einer Weggabelung. Ein Jahr lang hätten sie sich «ökologisch total daneben» verhalten und die Reste mit dem Haushaltkehricht entsorgt, erzählt Rohr und rechtfertigt sich: «Die Finanzen erlaubten es nicht anders.»

Schliesslich entschied sich die Verwaltung des Alters- und Pflegeheims aber doch dafür, in die moderne Verwertungsanlage zu investieren. Mit 4500 Franken im Jahr (Installation und Service inbegriffen) werden sie bis 2017 – wenn die Raten für die 27 000 Franken-Anlage bezahlt sein werden– nur noch 100 Franken im Monat beziehungsweise 1200 Franken jährlich für den Abholservice und den Unterhalt bezahlen müssen. Dies entspricht einem Tagesbetrag von rund drei Franken – «Peanuts für die Resteverwertung», so Rohr.

Nachdem das Oltner Alter- und Pflegeheim Weingarten als erster Betrieb der Region die Bio-Verwertungsanlage installiert hat, hofft er, dass bald viele Andere diesem Beispiel folgen werden. Einerseits um in der heutigen Wegwerf-Gesellschaft ein Zeichen zu setzen und die Speiseresteverwertung zu unterstützen und zu fördern. Andererseits: Je mehr Betriebe in der Region die Anlage installieren werden, desto grösser sei nach Rohr die Wahrscheinlichkeit, dass die Remag AG eventuell den Abholservice in Zukunft kostenlos anbieten oder zumindest den Servicebetrag senken wird.