Mümliswil-Ramiswil

Er hat immer Notizmaterial dabei, damit keine Idee für Fasnachtszeitung hopsgeht

Ernst Frei, Mitherausgeber des «Infoblatts zwüsche Wohrheit und Wahnsinn».

Ernst Frei, Mitherausgeber des «Infoblatts zwüsche Wohrheit und Wahnsinn».

Am Mittwoch erscheint die 38. Ausgabe des «Goudetaler Infoblatts», herausgeben von Ernst Frei und dem Tambourenverein aus Mümliswil-Ramiswil.

Eine Gemeinde-Information der besonderen Art wird am Mittwoch in den Briefkästen von Mümliswil-Ramiswil liegen: das «Goudetaler Infoblatt», das «gheimnisvolle, ultimativ-satirische Infoblatt zwüsche Wohrheit und Wahnsinn». Die Fasnachtszeitung der Tambouren aus Mümliswil-Ramiswil nimmt darin jeweils die Geschichten aufs Korn, die im vergangenen Jahr für Gesprächsstoff im Dorf sorgten, so beispielsweise die Strassenlampenabschaltaktion aus Energiespargründen, die abgelehnte Steuererhöhung im Bezug auf das Hallenbad, die Farbenauswahl beim neuen Dress der FC-Frauen, das neue Gemeindefahrzeug, der Kunstrasen fürs FC-Trainingsfeld und die neuen Hausnummern.

Aus einer Idee vom Stammtisch

Vor 40 Jahren schufen die Tambouren Mümliswil-Ramiswil die erste Fasnachtszeitung. «Wir sind ja Baselbezogen», erklärt Ernst Frei. Er hatte drei Jahre zuvor den Tambourenverein gegründet und ist bis heute Aktivmitglied. In dieser Hochburg der Tambouren gaben diejenigen aus dem Guldental bei ihren Auftritten früher auch Schnitzelbänke zum Besten. Daraus entstand laut Frei «aus einer Stammtischbieridee heraus» die Fasnachtszeitung.

Die meist in leicht «frisiertem» Guldentaler Dialekt verfassten Texte stammen in erster Linie vom frisch pensionierten Informatiker. Ob in Versform, als Limericks, in Prosa oder als Märchen – «die Umsetzung kommt auf die Gegebenheit an», so Frei.

Auf zum «Promi-Wettbewärb»

In der 2013er-Ausgabe mit 1500 Stück Auflage erscheinen die Geschichten zur Wendelinkapellenrenovation und der Lehrerfreistellung an der Schule – da etwas heikel – sogar in Spiegelschrift. Dazu gibts einen Sagenreim über den «Lobisey-Tüüfu», einen dem Obernarren und dem Oberchessler gewidmeten Fasnachtsjodel sowie den Aufruf zum «Goudetaler Promi-Wettbewärb» mit 35 Kandidatinnen und Kandidaten.

Das «Goudetaler Infoblatt» kommt von Inhalt und Aufmachung her sehr abwechslungsreich daher. «Und es wäre auch alles ziemlich farbig, doch das können wir uns nicht leisten», bedauert Frei. Immerhin haben es die Tambouren geschafft, 33 kleine Inserate zu verkaufen und damit «einen gewissen Betrag» zu generieren. «Wir wollen einfach herauskommen; das ist unser Ziel».

«Wenn man jahrelang so etwas wie eine Fasnachtszeitung macht, hört man anders hin als sonst, wenn jemand etwas sagt.» Seit Ernst Frei Texte fürs «Goudetaler Infoblatt» schreibt, hat er immer Notizmaterial dabei, damit ja keine Idee verloren geht. «Inzwischen besitze ich eine riesige Kartei mit Themen.» Die Reaktionen aus der Bevölkerung seien mehrheitlich positiv, sagt Frei und fügt lächelnd an: «Ausser jemand ist selber in der Fasnachtszeitung vertreten. Manch einer wird dann recht mimosenhaft.» So weisen denn die Tambouren auf der Titelseite der Fasnachtszeitung darauf hin: «Humor ist die Fähigkeit, heiter zu bleiben, wenn es ernst wird.»

«Ansprechen ja, beleidigen nein»

Im Bezug auf die Inhalte sind Frei und seine Tambourenkollegen offen. «Wir wollen einfach Leben in die Bude bringen und die Leute unterhalten. Nur beleidigen wollen wir niemanden; das ist uns am Wichtigsten. Ansprechen ja, beleidigen nein.» Viele Verse müsse man mehrmals überdenken. «Es steckt viel Brisanz darin.» Die Fasnachtszeitung mache «schon ein bisschen Politik». Seit jeher erhält Ernst Frei auch immer wieder anonyme Artikel, in denen «mit jemandem abgerechnet wird. Die bringen wir aber nicht. Entweder man steht zu etwas mit Namen oder eben nicht.»

Mehr Infos www.tambouren-muemliswil-ramiswil.ch – ab März mit Monatsvers von Ehrenmitglied Sepp Scacchi.

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