Gemeindeparlament
«Wie habt ihr’s mit der Kultur?» Pro Kultur Olten fühlt Kandidierenden auf den Zahn

Pro Kultur Olten hat allen 147 Kandidierenden für das Gemeindeparlament fünf Fragen gestellt.

Urs Huber
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Eine Aufführung des Theater Orchester Biel Solothurn im Stadttheater Olten.

Eine Aufführung des Theater Orchester Biel Solothurn im Stadttheater Olten.

Franz Beidler / Stadtanzeiger Olten

«Stadtparteien, wie habt ihr’s mit der Kultur?» So erfragte Pro Kultur Olten, wer welche Haltung zu aktuellen Kulturfragen in Olten vertritt. Deren fünf waren zu beantworten. Die Reaktionen von 75 Kandidierenden sind ausgewertet. Bilanz: Antworten von allen neun Listen sind eingegangen. Die Beteiligung war sehr unterschiedlich, wie Kultur Olten in einer Medienmitteilung festhält.

Vollständig ausgefüllt wurde die Umfrage von der CVP, die Liste Olten Jetzt! brachte es auf 90 Prozent. Leicht über der Hälfte lagen die Junge SP, die Grünen/Jungen Grünen; genau auf 50-prozentige Beteiligung kam die SVP. Nicht ganz die Hälfte der Kandidierenden von SP, EVP und Grünliberalen machten mit, und bei der FDP wollten 19 von 20 die Umfrage nicht ausfüllen. Die Antworten der einzigen teilnehmenden Person aus der FDP werden nicht kommentiert.

Wann soll das neue Bühnenhaus kommen?

Eine erste Frage galt dem Bühnenhaus des Stadttheaters. Dieses ist in die Jahre gekommen und kann verschiedene Ansprüche an eine zeitgemässe Theaterbühne nicht erfüllen. Gemäss dem mehrjährigen Finanzplan der Stadt sollte die Planung für ein neues Bühnenhaus bis in drei Jahren abgeschlossen sein. Pro Kultur Olten wollte wissen, wann der Umbau beginnen soll: 2024, 2025–26, noch später oder gar nicht?

Die Antworten der Parteien: deutlich unterschiedlich. Alle Antwortenden der SVP wollen zum baldmöglichsten Zeitpunkt beginnen. Das gilt auch für eine deutliche Mehrheit von «Olten Jetzt!» sowie für eine knappe Mehrheit der SP und der Grünen/Jungen Grünen. Lieber später beginnen wollen die meisten der EVP und der Grünliberalen sowie alle sechs Kandidierenden der CVP. Niemand ist jedoch der Meinung, dass es das neue Bühnenhaus gar nicht bräuchte.

Eine zweite Frage galt der Unterstützung von Kulturschaffenden durch die Stadt. Jährlich stehen dafür 24'000 Franken zur Verfügung. Ist das zu wenig, eben richtig oder zu viel? Auch bei dieser Frage gewichten die Kandidierenden sehr unterschiedlich.

Gezielte Kulturvereinbarungen

Eine nächste Frage galt den Leistungsvereinbarungen, welche die Stadt Olten aktuell mit sieben Kulturorganisationen abschliesst. Das entsprechende Dossier und die Verhandlungen führt der Stadtschreiber. Pro Kultur Olten wollte wissen, ob das auch für die Zukunft ein guter Weg sei, oder ob es analog der städtischen Sport-Fachstelle eine Person bräuchte, die sich gezielt den Kulturvereinbarungen widmen könnte.

Die Resultate sind sehr homogen: Alle Kandidierenden der CVP wollen den Status quo. Und ausnahmslos alle Antwortenden von Olten Jetzt!, der Jungen SP, der Grünen/Jungen Grünen, der SVP, der SP, der EVP und der Grünliberalen wollen es ändern: Die Stadt soll für die Leistungsvereinbarungen im Kultursektor eine fachspezifische Ansprechstation haben.

Mehr Sorge tragen zu Kunstwerken in öffentlichen Raum

Bildende Kunst war Thema einer weiteren Frage. In Olten gibt es im öffentlichen Raum rund 50 Kunstwerke oder Wandgemälde. Jüngst wurde kritisiert, dass der Unterhalt vernachlässigt würde.

Pro Kultur Olten wollte wissen, ob diese Kritik berechtigt sei.

Vorerst fällt auf, dass einige unter den Antwortenden zu dieser Frage keine Stellung bezogen: Möglicherweise ist die Problematik in der Öffentlichkeit und der Politik kaum ein Thema. Unter jenen, die ein Urteil abgaben, fanden nur zwei die Kritik als unberechtigt. Alle anderen pflichten bei, dass die Stadt mehr Aufmerksamkeit für den Unterhalt ihrer Kunstwerke aufbringen müsste.

Eine Talentförderklasse, warum nicht

Die abschliessende Frage galt der Idee einer Talentförderklasse an der Sekundarschule, an welcher begabte Jugendliche ihre Talente in Bühnenkunst entwickeln könnten: Theater, Tanz, Musik, Spoken Word. Die Stiftung Kinder- und Jugendtheater erwägt ein solches Projekt, und darum ist es aufschlussreich zu erfahren, wie die städtischen Parteien eine solche Idee aufnehmen würden.

Das Ergebnis ist überaus deutlich: Diese Idee wird fast ausnahmslos begrüsst. Bloss vereinzelte Stimmen der Grünen und der EVP äussern sich skeptisch.