Zunge rausstrecken, Augen weit aufreissen, die Wangen aufpusten. Die Rede ist dabei keineswegs von einem Lausbubenstreich. Das Schneiden dieser Grimassen gehört zum Gesichtsyoga und soll so gegen Falten helfen. Das sagt auf jeden Fall Katharina Hersperger aus Hägendorf. Seit sechs Jahren führt die 49-Jährige ein Pilates-Studio und hält so ihren Körper in Schwung. Die Zornesfalten im Gesicht hätten sie jedoch schon länger gestört. «Ich habe so viel Temperament, ich rede immer mit der ganzen Mimik», sagt die Instruktorin und lacht. «An einem Kurs in Mallorca bin ich dann auf das Gesichtsyoga gestossen», erzählt Hersperger. Sofort wusste sie: «Das will ich weitergeben.»

Grimassen sind nicht nur was für Kinder

Grimassen sind nicht nur was für Kinder

Katharina Hersperger aus Hägendorf bietet eine besondere Art Yoga an: Asanas für das Gesicht sollen gegen Falten helfen.

Seit kurzem bietet Hersperger deshalb vierstündige Workshops an. Am vergangenen Samstag nahmen sechs Frauen teil. «Ich habe starke Lachfältli», begründet eine Frau ihre Anwesenheit am Kurs. «Ich möchte mir selbst etwas Gutes tun», sagt eine andere. Noch wissen die Teilnehmerinnen aber nicht, was sie genau erwartet. Herkömmliches Yoga findet auf Matten statt, wo verschiedene Posen, auch Asanas genannt, eingenommen werden. Doch statt Yogamatten steht ein Tisch in der Mitte des Studios. Darauf Blumen, Körperöle und an jedem Platz ein Handspiegelchen.

Mit Übungen wird die Muskulatur gestrafft

Der Kurs beginnt mit einer Atemübung. «Damit bringen wir Sauerstoff in unseren Kreislauf», erklärt Hersperger. Dann folgt eine Lymphmassage, um den Fluss in den Lymphknoten anzuregen. Sanft massieren die anwesenden Frauen ihren Hals, das Kinn, streichen über die Stirn und kontrollieren die Bewegungen dabei stehts im Spiegel. Dann folgt das eigentliche Yoga. Und ab dann wird es anstrengend. Denn so ausgeprägte Grimassen zu schneiden und diese auch noch eine halbe Minute lang zu halten, ist gar nicht so einfach. Immer wieder kichern die Frauen, die Stimmung ist locker und ungezwungen. Wie könnte sie auch anders sein, wenn man dem Gegenüber ständig die Zunge rausstreckt?

Zwischen den einzelnen Grimassen wird die Gesichtsmuskulatur gelockert. An mindestens sechs Tagen die Woche sollten die Übungen gemacht werden. Ganz weg bringt man die Falten trotzdem nicht. «Darum geht es auch nicht», sagt Hersperger. «In unserem Alter dürfen wir schliesslich Falten haben.» Die Frauen nicken zustimmend. Mit Gesichtsyoga helfe man einzig, tiefen Furchen vorzubeugen und die Muskulatur zu straffen, damit die Gesichtskonturen nicht erschlaffen. Man helfe von innen gegen aussen. «Eine Blume, die den Kopf hängen lässt, wässert man ja auch und zieht nicht einfach die Blüten an einem Faden wieder in die Höhe», erklärt Hersperger.

Ziel des Kurses: Sich etwas Gutes tun

Zum Zmittag serviert die Kursleiterin frisch gebackenes Buchweizenbrot, vegane Törtchen, Früchte, Gemüse und selbst gemachte Guetzli. Kein fettiges Fastfood, keine künstlichen Zusatzstoffe. «Früher litt ich unter starker Neurodermitis», erzählt Hersperger. «Ich habe mich in meinem eigenen Körper gefangen gefühlt.» Jetzt, mit einer gesunden Lebensweise, der richtigen Ernährung und viel Bewegung, fühle sie sich rundum gut. Das habe auch Auswirkungen auf ihr Gemüt: «Ich bin viel positiver und aufgestellter als früher», sagt Hersperger. Und dieses Gefühl möchte sie weitergeben.

Nach dem Mittagessen steht Schröpfen auf dem Programm. Auch das helfe, die erschlafften Konturen wieder zu erwecken. Mit der Dien- Cham-Massage, einer vietnamesischen Gesichtsmassage, wird anschliessend die Durchblutung gefördert. Und tatsächlich: Nach der Massage fühlt sich das Gesicht angenehm warm an. «Ich fühle mich jetzt richtig wohl», sagt eine der Teilnehmerinnen und lehnt sich entspannt im Stuhl zurück. Hersperger lächelt zufrieden. Ziel des Kurses sei schliesslich, sich gut zu fühlen und sowohl dem Körper als auch der Seele etwas Gutes zu tun. Und nicht nur die Lachfältli wegzukriegen.