Sommer-Ausstellung

Nach Absage wegen Budget-Problemen: «Der Imageschaden fürs Kunstmuseum Olten ist gross»

Dorothee Messmer (Bildmitte), Katja Herlach (beide Kuratorinnen) und Markus Dietler (Stadtschreiber) erklären, warum die geplante Sommerausstellung im Kunstmuseum Olten nicht stattfinden kann.

Dorothee Messmer (Bildmitte), Katja Herlach (beide Kuratorinnen) und Markus Dietler (Stadtschreiber) erklären, warum die geplante Sommerausstellung im Kunstmuseum Olten nicht stattfinden kann.

Fehlendes Budget und eine Beschwerde verunmöglichen die geplante Sommer-Ausstellung im Kunstmuseum Olten.

«Man kann sich vorstellen, dass das Absagen oder das Verschieben einer Ausstellung aufgrund fehlender Mittel das Schlimmste ist, was einer Kuratorin in einem Kunstmuseum widerfahren kann». Das sagt Dorothee Messmer, Direktorin des Kunstmuseums Olten, und ihre Stellvertreterin Katja Herlach fügt an: «Es entsteht eine Unsicherheit bei Publikum, den Kunstschaffenden, Sponsoren und Mitarbeitern und damit erhalten wir ein Image, welches unserem Haus und der Stadt Olten nicht gut bekommt.»

Doch was ist passiert, dass die geplante Sommerausstellung «Rendezvous» – eine Kooperation zwischen der «Stiftung des 19. Jahrhunderts» und des «Disteli-Dialog V» des Innerschweizer Künstlers Hans Peter Lischer – nicht wie geplant durchgeführt werden kann?

Dazu holt Markus Dietler, Stadtschreiber und direkter Vorgesetzter der Museumsleiterinnen etwas aus (s. Chronologie). «Der Stadtrat nutzt in dieser ‹budgetlosen› Zeit das Instrument des dringlichen Nachtragskredits bei dringenden nicht gebundenen Ausgaben. Doch als dann die Beschwerde Sommer gegen die Handhabung dieses Instruments ergriffen wurde, die automatisch aufschiebende Wirkung hat, mussten wir die bereits fast fertig geplante Sommerausstellung stoppen».

«Wir waren mit unserer Planung an einem Punkt, an dem wir keine Alternative mehr hatten», präzisiert Messmer. Herlach sagt: «Grafiker, Drucker, Sponsoren warteten auf grünes Licht, das wir nicht geben konnten.»

Demokratisches Recht, aber...

Dietler betont: «Wir sind natürlich froh, dass der Regierungsrat nicht auf die Beschwerde eingetreten ist, dennoch: dies ist ein demokratisches Recht.» Allerdings meint er, sollte man, wenn man eine solche Aktion startet, sich bewusst sein, was damit alles auf dem Spiel steht. Ohne Beschwerde hätte man die nun auf das nächste Jahr verschobene Sommer-Ausstellung wie geplant durchführen können, sagen alle.

Das Stadt-Parlament habe jetzt zwar das neue Budget einstimmig genehmigt, allerdings könne auch dazu wieder ein Referendum ergriffen werden. Dietler macht auf ein grundsätzliches Problem im Budgetprozess aufmerksam: «Gerade bei den saisonal organisierten Kulturbetrieben geht die Programm-Planung über das Kalenderjahr hinaus. Solche Institutionen müssen langfristige Abmachungen, zum Beispiel mit Künstlern treffen, die dann mit dem normalen Budgetprozess schlecht vereinbar sind. Im Fall unseres Stadttheaters hat man dieses Problem vor einigen Jahren mit der Verselbstständigung zu einer AG gelöst.»

Um welche Kosten geht es?

Die budgetierten Kosten für die beiden Ausstellungen inklusive Vermittlung beliefen sich auf rund 98'000 Franken. Grundsätzlich trage die Stadt Olten rund die Hälfte der Kosten des Kunstmuseums. Die andere Hälfte kommt von externen Geldgebern wie Stiftungen, dem Lotteriefonds sowie von Gönnern und Sponsoren, zählt Herlach auf. «Allerdings sind diese Leistungen immer subsidiär. Sie kommen also nur, wenn die Stadt auch zahlt», sagt Messmer.

Es sei ja schon 2014 passiert, dass aufgrund von Budgetproblemen eine Ausstellung nicht habe stattfinden können. «Wir laufen so Gefahr, zu einem unzuverlässigen Partner zu werden, was einen grossen Imageverlust für die Stadt und unser Haus bedeutet. Auch wer uns Schenkungen machen will, überlegt es sich vielleicht einmal mehr. Wir spüren, dass man unter Kollegen und Künstlern Olten kritisch betrachtet», so Messmer.

Keine Trotzreaktionen

Wäre es dann nicht konsequenter, das Haus für ein paar Wochen zu schliessen? Messmer: «Ich bin keine Freundin von Trotzreaktionen.» Und Herlach ergänzt: «Wir möchten den Schatz, der in diesem Haus gehütet wird, der Bevölkerung zeigen; das ist unsere Hauptaufgabe. Glücklicherweise können wir mit der Verlängerung der laufenden Ausstellung ‹Linck.Reloaded› eine interessante Alternative bieten.»

Und Dietler ergänzt: «Die gesamte Planung zur Sanierung der stadteigenen Häuser, zu denen das Natur-, das Kunstmuseum und die Stadtbibliothek gehören, musste für das erste Halbjahr zurückgestellt werden. Doch wir müssen hier infrastrukturelle, organisatorische und finanzielle Lösungen in nächster Zukunft finden». Ob es weiter in Richtung Verselbstständigung gehe, müsse grundlegend analysiert werden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1