EHC Olten

Sportchef Marc Grieder: «Manchmal muss man ein Zeichen setzen»

EHCO-Sportchef Marc Grieder (l.) und Headcoach Fredrik Söderström. Bild: Bruno Kissling

EHCO-Sportchef Marc Grieder (l.) und Headcoach Fredrik Söderström. Bild: Bruno Kissling

EHCO-Olten-Sportchef Marc Grieder stellt sich nach dem Debakel gegen Ajoie den drängendsten Fragen rund um die Powermäuse und spricht über fehlenden Leadership, die neuen Ausländer und Verantwortung.

Wie haben Sie die 4:7-Niederlage gegen Ajoie erlebt?

Marc Grieder: Ich habe nach der Niederlage in Pruntrut am Samstag (3:4) eine Leistungssteigerung erwartet. Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl. Ich dachte: Wenn wir disziplinierter spielen, vor unserem Publikum Vollgas geben und auf ihre Ausländer aufpassen, dann können wir bestehen.

Und dann kassiert die Mannschaft schon nach 47 Sekunden ein Tor ...

Für mich gibt es keinen Grund für diesen missratenen Start. Wir haben keine Grippewelle, wir konnten normal trainieren. Wir hatten bis auf Rouiller, Schwarzenbach und Horansky alle Mann an Bord.

Wieso kann das Team die Vorgaben des Trainers nicht umsetzen?

Es geht vor allem darum, dass wir es nicht schaffen, die Energie, die Geradlinigkeit und das kämpferische Level aufs Eis zu bringen. Das war schon in der letzten Saison teilweise ein Problem. Diese Schwerfälligkeit, diese Zurückhaltung, ja fast schon Angst, aufs Eis zu gehen, ist mir ein Rätsel. Fakt ist: kein Spieler nahm das Zepter in die Hand, keiner führte eine Aktion mal mit Entschlossenheit zu Ende. Und es war auch keine Kommunikation da.

Womit wir beim Thema Leadership sind. Was ist mit den designierten Leadern des Teams los?

Ich habe die Mannschaft so zusammengestellt, dass sie von solchen Leadern, die erfahren sind und die Liga gut kennen, getragen wird. Sie sollen die Speerspitze bilden und die unerfahreneren Spieler mitnehmen. Es braucht in jedem Team Spieler, die die Ruhe bewahren und mit gutem Beispiel vorangehen. Man muss sich vielleicht auch einfach mal opfern und ein Zeichen setzen auf dem Eis. Manchmal braucht es das.

Die Hierarchie innerhalb der Mannschaft funktioniert offensichtlich noch nicht so wie gewünscht.

Nach der letzten Saison war das ein Punkt, auf den viele Spieler in den Gesprächen mit mir hingewiesen haben. Man sei hier in Olten, um Verantwortung zu übernehmen, aber es habe zu viele Leute, die wichtige Rollen spielen wollen. Jetzt haben wir den Wandel vollzogen. Einige arrivierte Spieler haben den EHCO verlassen. Aber im Moment können, die jetzt da sind, die vorher gewünschte Leaderrolle auch noch nicht übernehmen.

Womit wir beim Thema Ausländer angekommen sind. Wie beurteilen Sie die Leistungen der beiden Kanadier Dion Knelsen und Garry Nunn?

Ich kann Beiden keinen mangelnden Einsatz vorwerfen. Sie kämpfen, aber sie kämpfen extrem unglücklich. Dion weiss selber, dass von ihm mehr kommen muss. Ich habe selber gegen ihn gespielt und weiss, dass er viel mehr kann. Deshalb habe ich ihn auch nach Olten geholt. Ich bin aber überzeugt, dass er seine Rolle und seine Form finden wird. Garry hatte wegen seinen Verletzungen einen schwierigen Start bei uns. Jetzt kämpft er, wie die ganze Mannschaft, mehr mit sich selber. Auch er ist, wenn man das Spiel vom Dienstag als Massstab nimmt, weit weg von seinem Potenzial. Aber gleichzeitig will ich auch nicht an allem zweifeln und alles hinterfragen. Ich glaube an diese Mannschaft und bin überzeugt, dass wir Erfolg haben werden.

Was momentan noch nicht der Fall ist.

Natürlich. Es war für jeden EHCO-Fan schmerzhaft, diesen Auftritt gegen Ajoie zu sehen. Aber es ist definitiv zu früh für irgendwelche abschliessenden Urteile.

Zumal Ihre Arbeit ja auch daran gemessen wird.

Klar. Ich habe die neuen Ausländer geholt. Ich habe entschieden, mit Cason Hohmann trotz seiner 70 Skorerpunkte nicht zu verlängern. Dessen bin ich mir bewusst und übernehme gerne die Verantwortung.

Nicht einfach ist auch die Situation für den Trainer Fredrik Söderström. Er wirkte nach dem Ajoie-Spiel ziemlich erschüttert.

Das ist so. Aber er liefert sehr gute Arbeit ab. Und jetzt stehen die Spieler in der Verantwortung.

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