Volleyball NLA
Schönenwerds verspäteter Wunschkandidat vom anderen Ende der Welt

In seinen knapp vier Wochen bei Volley Schönenwerd hat der Australier Liam Sketcher das Team zurück auf die Erfolgsspur geführt. Jetzt wartet der Cup-Viertelfinal gegen den Qualifikationssieger Amriswil. «Unser bestes Level reicht, um jedes Team der NLA zu schlagen», ist der neue Trainer überzeugt.

Raphael Wermelinger
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Nach dem 3:0 in Lausanne zum Einstand schlug Schönenwerd am vergangenen Samstag im zweiten Spiel unter Liam Sketcher auch Basel.

Nach dem 3:0 in Lausanne zum Einstand schlug Schönenwerd am vergangenen Samstag im zweiten Spiel unter Liam Sketcher auch Basel.

Jörg Oegerli

Liam Sketcher stand bei Volley Schönenwerd schon im vergangenen Sommer zuoberst auf der Liste. Als es darum ging, Trainer Bujar Dervisaj, der beim Klub neu als Sportchef tätig ist, zu ersetzen. Doch nachdem er Luzern in die Playoff-Halbfinals und in den Cup­final geführt hatte, verliess der Australier die Schweiz nach dem Abbruch der Saison 2019/20 in Richtung Holland.

Schönenwerd stieg stattdessen mit dem Slowenen Bogdan Kotnik in die neue Saison. Und war mit dieser Lösung ebenfalls zufrieden. Das Team startete erfolgreich mit drei Siegen. Doch nach der Niederlage gegen Amriswil Ende Oktober geriet der Motor ins Stocken. Von den folgenden sechs Spielen gewannen die Schönenwerder nur noch jenes gegen das Tabellenschlusslicht Traktor Basel.

Anfang Dezember gab der Verein Kotniks Abgang bekannt. Die sportliche Talfahrt war offiziell nicht ausschlaggebend für die Trennung. Kotnik kehrte aus familiären Gründen in seine Heimat zurück.

Als Nachfolger bekamen die Schönenwerder mit Verspätung nun doch noch ihren Wunschkandidaten. Dieser war während des Sommers als Assistent für das australische Frauen-Nationalteam tätig. In Holland, wohin es ihn der Liebe wegen zog, fand er danach aber nicht das passende Engagement. Sketcher schildert:

«Der Volleyballsport stoppte wegen Corona komplett. Da kam die Chance, zurück in die Schweiz zu gehen. Und zurück an die Arbeit.»

Ein paar Tage nach Weihnachten kam Liam Sketcher in Schönenwerd an. Es sei schön, wenn man als Trainer gefragt sei und sich ein Klub für einen interessiere, sagt der 37-jährige Australier. «Schönenwerd hat einen sehr guten Ruf und die richtigen Ziele.»

Sketchers Einstand ist vielversprechend. Gegen Lausanne und Basel resultierten jeweils deutliche 3:0-Erfolge. «Die Jungs haben es mir einfach gemacht», blickt er auf seinen ersten Monat bei Volley Schönenwerd zurück. Die Spieler hätten aufgrund der Niederlagenserie anfangs frustriert gewirkt. «Aber optimistisch. Ein Wechsel während der Saison ist nie einfach. Ich schätze ihren Einsatz sehr und bin froh, dass es wieder in die richtige Richtung geht», sagt Sketcher.

Er sei glücklich, wie sich das Team bis jetzt unter ihm präsentiert habe. «Es warten aber noch viel grössere Herausforderungen.» Auffallend war in beiden Spielen, dass er nahezu gänzlich auf Auswechslungen verzichtete. «Wir brauchen jetzt gute Resultate. In der Tabelle ist es sehr eng. Wir müssen im Moment Vollgas geben und dürfen keine Punkte, nicht einmal Sätze, verlieren», erklärt er. «Aber die anderen Spieler werden ihre Chance auf jeden Fall bekommen.»

Ein positiver Typ, der an das Gute in den Leuten glaubt

Nach seinen drei Saisons bei Luzern kennt Sketcher die Schweizer Liga mittlerweile gut genug. Und er formte aus Luzern einen Titelkandidaten. Beides machte ihn zum Wunschkandidaten von Volley Schönenwerd. Aber sicher auch seine Art, deretwegen man Sketcher in der Leuchtenstadt immer noch hinterhertrauert.

Sein ehemaliger Sportchef in Luzern beschreibt ihn als unaufgeregt und geduldig, als Trainer-Gentleman, der keine bösen Worte kennt. «Damit kann ich gut leben», sagt Sketcher. «Ich bin ein ziemlich positiver Typ, glaube an das Gute in den Leuten und schenke gerne mein Vertrauen.»

An der Seitenlinie wirkte er bei den bisherigen beiden Auftritten ebenfalls sehr gelassen. «Ich versuche, an der Seitenlinie nicht eine andere Person zu sein», sagt er, lacht und wird sogleich wieder ernst:

«Echt und authentisch zu sein, ist in meinen Augen eine wichtige Eigenschaft für einen Trainer. Es kommt immer am besten heraus, wenn du dich nicht verstellen musst.»

Im dritten Spiel unter Sketcher trifft Schönenwerd am Sonntag im Cup-Viertelfinal auf Amriswil. Die Thurgauer haben sich vergangene Woche vorzeitig den Qualifikationssieg gesichert. «Der Gameplan heisst gewinnen», sagt der Trainer trocken. «Unser bestes Level reicht, um jedes Team der NLA zu schlagen.»

Am Cup nehmen dieses Jahr wegen der Coronapandemie nur die Klubs der NLA teil. «Dadurch verliert der Cup natürlich schon etwas von seinem Charme», so Sketcher. Auf der anderen Seite ist es die grosse Chance, mit nur drei Siegen einen Titel zu gewinnen. Für Schönenwerd wäre es der erste.

Sketcher liebäugelt mit dem dritten Platz

Kommende Woche warten die letzten zwei Qualifikationsspiele gegen Lausanne und Chênois. Die Schönenwerder stehen auf Platz vier. Sketcher wagt keine Prognose. «Meistens kommt es ganz anders als ich denke. Der dritte Platz würde die Ausgangslage für die Playoffs ein wenig verbessern. Einen leichten Gegner gibt es aber sowieso nicht, wir können gegen jeden gewinnen, aber auch verlieren.»

Bis jetzt hat er nur gewonnen mit den Schönenwerdern. Auch neben dem Feld ist er zufrieden mit seinem neuen Job. Er habe keine Mühe bekundet, hier anzukommen: «Der Klub hat alles für mich erledigt, bevor ich ankam. Ich habe meinen Koffer, mehr brauche ich nicht.» Wann er diesen wieder packen wird, lässt Liam Sketcher offen: «Der aktuelle Plan sieht bis Ende Saison vor. Doch wer weiss, wie es sich entwickelt. Die Schweiz ist ein schöner Ort zum Leben.»