Auf einen Kaffee mit

Pascale von Roll wacht über die Stimmen der Bürger

Pascale von Roll bei einer kleinen Pause in ihrem Büro.

Pascale von Roll bei einer kleinen Pause in ihrem Büro.

Pascale von Roll: Die 33-Jährige aus Balm bei Günsberg ist seit Anfang 2015 Staatsschreiber-Stellvertreterin. Aber das ist nicht das einzige öffentliche Ämtli, das die zweifache Mutter innehat.

Auf den ersten Blick will sie so gar nicht recht ins Bild passen. Unter einer Staatsschreiberin, auch wenn sie «nur» Staatsschreiber-Stellvertreterin ist, stellt man sich gemeinhin eine gesetzte, etablierte Person mittleren Alters vor. Der Staatsschreiber leitet die Staatskanzlei, unterstützt das kantonale Parlament und hat als Stabschef des Regierungsrates eine beratende Funktion des Landammanns und der gesamten Regierung. Pascale von Roll lächelt fein, spricht man sie auf dieses breit gefächerte Aufgabenfeld an. Sie ist 33 Jahre jung und seit Anfang Jahr als Staatsschreiber-Stellvertreterin im Amt. Neckisch sitzt ein kaum sichtbares Piercing auf dem linken Nasenflügel.

«Bis jetzt ist es noch nicht vorgekommen, dass ich Staatsschreiber Andreas Eng an einer Sitzung oder in der Öffentlichkeit vertreten musste», sagt sie. Und ja, ein wenig Respekt habe sie schon vor dem Tag, an dem sie erstmals in die Rolle des Staatsschreibers schlüpfen wird.

Sonder-Effort in der Staatskanzlei

Wer mit der jungen Juristin näher ins Gespräch kommt, der spürt sehr bald, da sitzt jemand, der weiss, wovon er spricht. Pascale von Roll redet ruhig und überlegt, ihre Worte sorgfältig abwägend. Schnell einmal wird auch klar, dass die eigentliche Stellvertreter-Funktion nur einen Bereich ihrer Tätigkeit als Staatsschreiber-Stellvertreterin abdeckt, einen wichtigen und ehrenvollen zwar, aber längst nicht den vorherrschenden. Als Chefin der Abteilung Regierungsdienste und Politische Rechte innerhalb der Staatskanzlei ist sie unter anderem dafür besorgt, dass bei Wahlen und Abstimmungen alles mit rechten Dingen zu und her geht. Eine Aufgabe, die ein hohes Mass an Zuverlässigkeit und Sorgfalt erfordert. Gleiches trifft auch auf das Nachführen der Gesetzessammlungen und die Publikation kantonaler Erlasse zu, was ebenfalls zu ihrem Portefeuille gehört. «Ich bin ein ordnungsliebender Mensch», meint sie und blickt sinnierend in die Ferne. Die innere Ordnung spiegelt sich in ihrem Büro, wo alles an seinem Platz zu liegen scheint. «Es ist für mich wichtig, dass ich, ohne lange suchen zu müssen, auf meine Dokumente zugreifen kann.»

Gerne erzählt sie von der «spannenden Herausforderung», in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und den Parteien den reibungslosen Verlauf von Abstimmungen und Wahlen sicherzustellen. Und nein, sie scheue sich auch nicht vor der Hektik, die dann jeweils am Sonntag in der Staatskanzlei aufkommt, dem Ort, wohin aus dem ganzen Kanton die Stimmen der Bürgerinnen und Bürger fliessen. «Es ist für mich immer wieder etwas sehr Spezielles, mit dem ganzen Team diesen Sonder-Effort zu leisten», sagt sie stolz. «Und bis auf kleinere Fehler hat bis jetzt immer alles gut funktioniert.»

Dicht gedrängtes Programm

Die neue Verantwortung stellt ihr Organisationstalent ganz schön auf die Probe. War Pascale von Roll bis Ende Jahr in einem 60-Prozent-Pensum angestellt, sind es seit Anfang Jahr 80 Prozent. So weit, so gut. Auf die Mutter von zwei kleinen Kindern warten aber nach Büroschluss zu Hause in Balm bei Günsberg noch weitere Aufgaben. Neben der Familienarbeit ist Pascale von Roll seit 2013 zudem Gemeindepräsidentin des kleinen Leberberger 200-Seelen-Dorfes. Ein beachtliches Tagespensum also, das sie einfach so alleine auf sich gestellt nicht bewältigen könnte.

Auf dem «Balmweidli»

Tatkräftige Unterstützung erhält sie bei der Kinderbetreuung von ihrem Ehemann, Urs von Roll, der das Familiengut der von Roll-Dynastie, das «Balmweidli», bewirtschaftet. Aber auch er, der Teilzeit als Sportlehrer arbeitet, ist nicht immer zu Hause – und da springen dann Eltern und Schwiegereltern ein. Fürs Kochen ist Pascale von Roll aber selbst zuständig. Zu ihrem Reich auf dem «Balmweidli» gehört mit der Hilfe ihrer Angehörigen auch die Pflege des Gemüsegartens. Das Leben in der ländlichen Abgeschiedenheit auf 800 Meter Höhe sei schon «sehr speziell» sagt sie, «und einmalig». Und wenn sie das sagt, dann beginnen ihre Augen zu leuchten.

Das «Balmweidli» und Balm bei Günsberg ist ihre Heimat geworden. Eine Heimat, für die sie sich mitverantwortlich fühlt. Deshalb hat sie vor zwei Jahren auch spontan zugesagt, als die Kleinstgemeinde dringend jemanden suchte, der das Gemeindepräsidium übernehmen könnte. Ob sie ein politischer Mensch sei? «Ich bin sicher politisch interessiert», sagt sie, selbst Mitglied der SP. Gerade die Arbeit auf der Staatskanzlei habe ihr politisches Interesse weiter gefördert. «Das Gemeindepräsidium und meine Tätigkeit auf der Staatskanzlei ergänzen sich.» Parteipolitik spielt auf Gemeindeebene dabei kaum eine Rolle. Hier geht es vielmehr um sachpolitische Knochenarbeit, um Strassen etwa, oder die Wasser- und Abwasserversorgung.

Und wie steht es um die politischen Ambitionen der SP-Frau? «Das ist schon ein Thema, aber sicher nicht in der nächsten Zeit», sagt sie in ihrer sympathischen, nachdenklichen Art.

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