Biberist

Reicht Erdogans Arm bis in die Biberena?

Recep Erdogan. Reicht sein Arm bis in den Kanton Solothurn?

Recep Erdogan. Reicht sein Arm bis in den Kanton Solothurn?

Wurden Kinder für nationalistische, aus der Türkei gesteuerte Propaganda missbraucht? Der Solothurner Verein Anadolu Helvetia weist solche Vorwürfe in aller Form von sich.

Der Anlass fand bereits Ende März statt, seit der «SonntagsBlick» am Wochenende unter dem Titel «Erdogan lässt Schweizer Schüler Krieg spielen» darüber berichtete, ist aber Feuer im Dach: Auch in der Biberena in Biberist wurde aus Anlass des Gedenkens an die Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg ein Theater aufgeführt. Die Entente-Mächte wollten die Halbinsel Gallipoli besetzen und sie als Ausgangsbasis für die Eroberung der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel nutzen, scheiterten aber an den Verteidigern.

Auf der Bühne der Biberena mimten die Darsteller Soldaten, auf eine Leinwand wurden Originalaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg projiziert. Die Fäden soll dabei die türkisch-islamische Stiftung für die Schweiz gezogen haben, ein Ableger des Religionsministeriums in Ankara. Ähnliche Veranstaltungen fanden auch in der Ostschweiz und im Aargau statt, ein Türkei-Experte nannte sie im «SonntagsBlick» «hochproblematisch». Da würden Kinder gezielt für nationalistische Propaganda instrumentalisiert.

Polizei kontaktiert

Biberists Gemeindepräsident Stefan Hug wusste von dem Anlass in der Biberena nichts. «Das ist ein Gastwirtschaftsbetrieb, deswegen müssen wir die Anlässe nicht bewilligen», erklärte er gestern auf Anfrage. Als er den Besitzer der Biberena auf die Sache angesprochen habe, sei dieser aber aus allen Wolken gefallen. Und er glaube ihm auch, dass er nicht gewusst hat, an wen er die Räume da vermietete, so Hug.

Der Gemeindepräsident will jetzt aber Konsequenzen ziehen. Er habe Kontakt mit der Polizei aufgenommen, erklärt Stefan Hug. In einem Gespräch zwischen Gemeinde, Besitzern der Biberena und der Polizei wolle man abklären, wie man «problematische Anfragen» für eine Saalmiete erkennen könnte, denn das sei nicht immer ganz einfach.

Keine Direktiven aus Ankara

Die Biberena wurde über ein Mitglied des Vereins Anadolu Helvetia in Solothurn gemietet. Der Mann ist ein langjähriger Kunde und organisiert dort schon seit 20 Jahren türkische Hochzeiten oder Feiern von Fussballvereinen. Und beim Verein Anadolu Helvetia ist man nun etwas verwundert, weil über einen Gedenkanlass zur Schlacht von Gallipoli eine solche Aufregung herrscht. In Biberist sollen gar keine Kinder auf der Bühne gestanden sein, der jüngste Teilnehmer sei mindestens 16 Jahre alt gewesen. Die Schlacht von Gallipoli habe in der Tat eine wichtige Bedeutung für die türkische Geschichte. Bei den Gedenkfeiern gehe es aber um die Unabhängigkeit des Landes und keinesfalls um Kriegsverherrlichung, sagt Vereinssprecher Mustafa Dikbas.

Bei der besagten Theateraufführung sei aber überhaupt nicht die Schlacht nachgespielt worden. Vielmehr habe es sich um ein Stück gehandelt, das ein Mitglied des Vereins eigens für diesen Anlass verfasste und in dem es um Konflikte geht, mit denen Menschen in Extremsituationen konfrontiert werden. Dikbas erzählt aus dem Inhalt: Zum Beispiel komme in dem Stück ein Militärarzt vor, der seinen eigenen Sohn schwer verwundet vor sich hat. Er muss erkennen, dass der Sohn nicht mehr zu retten ist, darum behandelt der Arzt zuerst einen Engländer, der überlebt. Kurzum: Von nationalistischer Aufhetzung oder Kriegsverherrlichung könne sicher keine Rede sein.

Dementi von Dikbas

Dikbas dementiert auch, dass die türkische-islamische Stiftung hinter dem Anlass stand. Die türkische Moschee Solothurn sei zwar wie viele andere auch dieser Stiftung angeschlossen. Dabei gehe es aber ausschliesslich darum, dass die Stiftung die Imame für die Moscheen stellt. Der Anlass in Biberist habe keinen religiösen Hintergrund gehabt und sei einzig und allein vom Verein Anadolu Helvetia organisiert worden. Während solche Anlässe andernorts eine lange Tradition hätten, habe man in der Region zum ersten Mal so eine Aufführung inszeniert. Dabei habe es aber in keiner Art und Weise Direktiven aus der Türkei gegeben.

Wie auch immer, es scheint einiges an Geschirr zerschlagen zu sein. Seitens der Biberena hiess es gestern, man habe alle Anlässe mit dem langjährigen Kunden storniert, der den Saal für die Aufführung gebucht hatte.

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