Ist der Atomausstieg machbar? Oder geht er einfach auf Kosten des Klimaschutzes? Unter der Leitung des auf Energiefragen spezialisierten Journalisten und Buchautors Hanspeter Guggenbühl wurde nicht nur an der Oberfläche des Themas gekratzt, wie das in Podiumsdiskussionen nur allzu oft der Fall ist: AEK-Direktor Walter Wirth, SVP-Nationalrat Hans Killer (AG), Michael Frank, Direktor des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE, Brigit Wyss, alt Nationalrätin und Gemeinderätin (Grüne) aus Solothurn und Kurt Schär, Co-Präsident GLP Bern und Geschäftsführer der Elektroveloproduzentin Biketec AG (Flyer), mussten Antworten liefern zu entscheidenden Fragen. Guggenbühl beharrte immer wieder darauf: «Wie ersetzen wir die 40 Prozent Atomstrom?»


Für Walter Wirth müssen die Antworten die Konsumentinnen und Konsumenten liefern. Seine Skepsis, ob der Ausstieg zu schaffen ist, liess er jedenfalls durchblicken. «Die Industrie müsste ihren Verbrauch um 15 Prozent drosseln, die Privathaushalte gar um 50 Prozent. Die AEK werde aber soweit es für sie betriebswirtschaftlich verantwortbar sei mitziehen.

Neuer Strommix ab 2013
So kündigte Wirth an, dass im neuen Tarifmodell ab 2013 die AEK im Grundangebot nur noch Strom aus erneuerbaren Energien liefern werde, was für die Haushalte Mehrkosten von etwa 100 Fr. im Jahr bedeute. «Natürlich kann man den Strommix auch downgraden oder upgraden.»
Am liebsten zur Atomtechnologie zurückkehren möchte Hans Killer. Denn der Zielkonflikt des Atomausstiegs mit dem Klimaschutz sei offensichtlich. Weil aber die Schweiz weniger als 1 Prozent der weltweiten CO2-Ausstoss verursache, sähe er auch im Bau von neuen Gaskraftwerken kein Problem.


Für Brigit Wyss kommt eine Rückkehr zur Atomtechnologie keineswegs in Frage. Sie rechne sich auch nicht. Vielmehr gelte es, durch kleine und zeitlich abgestimmte Schritte dem Ziel näher zu kommen. Stichworte sind Effizienzsteigerung, Sparen und dezentrale Produktion von erneuerbarer Energie.


Gaskraftwerke und Importe
«Die Abstimmung findet jeden Tag an der Steckdose statt», sagte VSE-Direktor Michael Frank. Wenn die Konsumenten mitmachen, seien die Energieperspektiven des Bundesrates nicht von vornherein unrealistisch. Aber es werde Gaskraftwerke brauchen und auch Importe. Auch Kurt Schär plädierte für eine Politik der kleinen Schritte. Er betonte, dass der Preis für Strom heute zu tief sei. Die Energiewende gelte es als Herausforderung für jeden Einzelnen zu sehen.

AEK Verwaltungsratspräsident Ulrich Bucher konnte rund 300 Teilnehmende Gäste im Solothurner Landhaus begrüssen.