HESO 2014

An der Sonderschau könnte den Besucher so manches Aha-Erlebnis erwarten

Die Herbstmesse-Sonderschau «No Handicap» zum 50-Jahr-Jubiläum der VEBO räumt auf mit Vorurteilen über die Eingliederungs- und Ausbildungsstätte.

Man erinnert sich heute nur ungern an die Zeiten, als die Hitzköpfe des Schulhofs diese vier Buchstaben als Schimpfwort riefen - und es vielleicht heute noch tun. Und selbst wenn man als Erwachsener von diesen beschämenden Zuschreibungen peinlich berührt ist: In der Öffentlichkeit ist ein verzerrtes Bild der VEBO hängengeblieben.

«Es gilt einige Vorurteile über die Institution abzubauen», betonen Walter Stocker und Beat Gerber mit Nachdruck. Beide zählen zum fünfköpfigen Vorstand des Organisationskomitees, das seit zweieinhalb Jahren auf das grosse Geburtstagsfest hinarbeitet. Die VEBO feiert heuer ein halbes Jahrhundert. Doch auch nach 50 Jahren wird in der breiten Bevölkerung häufig missverstanden, was die Eingliederungs- und Ausbildungsstätte für behinderte Menschen ganz genau tut.

Dies war der Grundantrieb, um als Jubiläumsanlass eine Sonderschau an der HESO zu lancieren. Zwar werden an den Standorten der VEBO in Oensingen, Breitenbach, Grenchen, Matzendorf, Olten, Langendorf und Zuchwil regelmässig Tage der offenen Tür veranstaltet: «Aber da besuchen uns oftmals Leute, die ohnehin schon eine Verbindung zur VEBO haben», so OK-Präsident Stocker. «An der HESO hingegen erwarten wir eine breite Öffentlichkeit, die mit unserer Institution noch kaum in Berührung gekommen ist.» Hier an der Herbstmesse könne man mit den Behinderten und den Chefs der Werkstätten in Kontakt treten.

HESO-Sonderausstellung der Vebo «No Handicap»

HESO-Sonderausstellung der Vebo «No Handicap»

Ein wichtiges Aha-Erlebnis, das den Besucher erwarten könnte: Dass die VEBO keine «Beschäftigungstherapie» bietet, dem vermeintlich der wirtschaftliche Output fehlt. «Wir sind mit rund 1600 Mitarbeitern einer der grössten Arbeitgeber des Kantons», betont Stocker. Und - die VEBO hat als industrieller Betrieb viele Kunden, denen sie Dienstleistungen erbringt - in den eigenen Werkstätten oder aber beim Kunden.

Um sich als Geschäftspartner zu positionieren, ist einiger Effort an Zertifizierungen im Bereich Umwelt, Qualität und Hygiene nötig. «So schaffen wir auch eine Sicherheit für unsere Geschäftskunden», betont Beat Gerber, Leiter der kaufmännischen Dienste bei der VEBO. Zu diesen Kunden gehören auch Pharmakonzerne oder Hightech-Unternehmen, die an den Dienstleister hohe Anforderungen stellen. Indem die ganze Verarbeitungskette eines Produkts auf kleinere, sich wiederholende Schritte aufgeteilt wird, wird die Arbeit auf die individuellen Möglichkeiten der Behinderten zugeschnitten.

Die Entwicklung zum spezialisierten Grossbetrieb geschah vor rund 15 Jahren: Zahlreiche wenig differenzierte Arbeiten wurden nach und nach ins Ausland ausgelagert, weshalb man sich über die angebotenen Dienstleistungen strategisch Gedanken machen musste.

Natürlich steht auch die Förderung der Klientel hin zu mehr Selbstständigkeit im Vordergrund - was bei der selbstbestimmten Annahme des Arbeitsvertrags beginnt und bei der selbst entschiedenen Kündigung endet. Oder in der Tatsache sichtbar wird, dass die rund 100 Werkstätten weitgehend autonom operieren. Wertschöpfung durch Wertschätzung, die Devise wird bei der VEBO gross geschrieben, und entsprechend trägt die Arbeit wesentlich zum Selbstwert der angestellten Behinderten bei.

Dies zeigt sich auch in den beruflichen Massnahmen, die zum Angebotsfächer der VEBO gehören. Dazu zählt die Betreuung von rund 100 Lehrlingen sowie nötigen Umschulungen oder aber Platzierungen im regulären Arbeitsmarkt. Ebenso wird in den verschiedenen Wohnstätten auch im ausserberuflichen Sinne die Selbstständigkeit gefördert, beispielsweise in Wohngruppen.

In ihren vielen Facetten zeigt sich die Institution VEBO nun plastisch und exemplarisch auch an der Herbstmesse: Die Besucher können an eingerichteten Arbeitsplätzen die Dienstleistungen der VEBO näher kennenlernen, oder sich spielerisch in Form von Wettbewerben oder Mitmachaktionen mit der Institution vertraut machen - so dass die vier Buchstaben dem Hitzkopf vom Pausenhof vielleicht nicht mehr so einfach über die Lippen gehen.

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