HESO-Frauenanlass

Dank Mikrokredit: Frauen investieren in Nähmaschinen oder Kokosnüsse

Maria Dolores Lamas, Referentin des HESO-Frauenanlasses

Maria Dolores Lamas, Referentin des HESO-Frauenanlasses

Eine alte Idee hat sich endlich durchgesetzt. Zum ersten Mal wurde an der Herbstmesse Solothurn ein Frauenanlass durchgeführt. Thema: Mikrokredite für Frauen, die in Schwellenländern leben.

Was noch gefehlt hat, ist Wirklichkeit geworden. In einer Mittagsveranstaltung liessen sich rund 100 Frauen im Nightstyle-Zelt darüber orientieren, wie Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern Kredite zu wirtschaftlich tragbaren Konditionen aufnehmen und ihre Lebenssituation verbessern können.

«Ein Frauenanlass an der HESO stand immer wieder zur Diskussion», sagt Marlies Saudan, die sich mit ihrer Idee endlich Gehör verschaffen konnte. «Die neue Geschäftsleitung ist offen für ungewohnte Ideen.»
Gerichtet war der Anlass an Berufsfrauen und Frauen, die die Möglichkeit hatten, ihre Kinder über Mittag betreuen zu lassen. Organisiert wurde er von der Bank Coop in Solothurn in Zusammenarbeit mit den beiden Wirtschaftsverbänden «KMU Frauen Solothurn» und den «Business and Professional Women (BPW) Solothurn.»

Mit einer Nähmaschine fängts an

Mikrokredite sind Kleinstkredite von einem bis zu einigen tausend Franken, die überwiegend in Entwicklungsländern zur Förderung des Kleingewerbes vergeben werden. Finanzschwache und in Armut lebende Kleingewerbetreibende haben in der Regel keinen Zugang zu üblichen Bankkrediten, weil sie keine Sicherheit bieten können, und deshalb keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben. Von der Armut sind, wie auch in der Schweiz, viele Frauen betroffen. «Ist die Armut weiblich?», fragte sich deshalb Maria Dolores Lamas von der «responsAbility Investment AG» mit Sitz in Zürich. Diese hat sich auf die Bevölkerung am unteren Ende der Einkommensskala ausgerichtet und unterstützt Projekte in der Landwirtschaft, Energie, Gesundheit und Bildung.

«Viele Frauen, die in den Genuss eines Mikrokredits kommen, kaufen eine Nähmaschine und fangen an, Kleider zu nähen», nannte Lamas ein Beispiel, das zur Folge habe, dass die Frauen ein Gewerbe betreiben und ihre Kinder in die Schule schicken könnten. «Oder sie investieren in Kokosnüsse, die sie am Strassenrand verkaufen.» Damit tragen sie laut den beteiligten Finanzinstituten nicht nur zum wirtschaftlichen, sondern auch zum gesellschaftlichen Fortschritt von Ländern bei, die häufig von Frauen getragen werden.

Auch auf die Frage, weshalb Frauen bei der Kreditvergabe gegenüber den Männern bevorzugt werden, hatte Maria Dolores Lamas eine Antwort: «Sie werden als verlässlicher empfunden und haben eine bessere Zahlungsmoral als ihre Männer.»

Anhand von Zahlen, versuchte Lamas zu belegen, dass die hohen Zinsen von teilweise über 20 Prozent, die immer wieder zu Kritik Anlass geben, die Frauen nicht in eine neue Armut trieben, sondern das was bleibe durchaus reiche, um den Lebensstandard zu erhöhen. Zudem sei es auch möglich, eine Gruppe von fünf bis sechs Kreditnehmerinnen zu bilden, die dann abwechslungsweise einen Kredit erhielten und füreinander bürgen könnten. Ein Pluspunkt sei auch, dass die Frauen ihre Talente und Möglichkeiten ausschöpfen könnten, meinte die Bankfrau.

Gebündelte Frauenpower

«Nachhaltigkeit» und «Fair Trading» haben einen hohen Stellenwert», äusserte sich auch Geschäftsstellenleiter Daniel Wälti von der Bank Coop, die den Anlass mitgestaltet hat. Warum der Anlass ausgerechnet in die HESO eingebettet wurde, wusste Karin Heimann von der «karin heimann gmbh»: «Die HESO ist der Anlass schlechthin, wo man innert kurzer Zeit viele Leute trifft, mit denen man irgendetwas auf die Beine stellen kann.»

Rundum zufrieden war auch die Präsidentin der «Business and Professional Women», Astrid Späti. «Es war sehr eindrücklich zu hören, wie man der Armut von Frauen entgegenwirken kann und dass es nicht um finanzielle, sondern um soziale Rendite geht. «Mit diesem Anlass konnte man viele Frauen erreichen, die in Entscheidungsgremien sitzen und entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Je mehr Frauen sich zusammenschliessen desto mehr wird ihre Position gestärkt.»

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