Spezialprogramm

Heidi Specogna ist Ehrengast der «Rencontre» an den Solothurner Filmtagen 2020

Die Dokumentarfilmregisseurin Heidi Specogna. (Archivbild)

Die Dokumentarfilmregisseurin Heidi Specogna. (Archivbild)

Die 55. Solothurner Filmtage widmen das Spezialprogramm «Rencontre» der Regisseurin, Autorin und Produzentin Heidi Specogna. Die preisgekrönte Bielerin gehört seit mehr als 25 Jahren zu den wichtigsten Autorinnen und Autoren des europäischen Kinodokumentarfilms.

«Heidi Specogna steht für den politischen Dokumentarfilm und damit für ein klassisches Filmgenre, das heute wichtiger ist denn je». Ebenso präzise wie sensibel zeigt sie geopolitische Zusammenhänge auf und wirft einen zweiten, filmischen Blick auf die Realität. Sie beobachtet, recherchiert, lässt sich Zeit, bleibt dran, fragt nach und bringt schliesslich gesicherte Fakten ans Licht. Es ist eine grosse Freude, die 25. Rencontre der Solothurner Filmtage dieser ebenso mutigen wie prägenden Filmemacherin zu widmen», freut sich Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage.

Heidi Specogna wird 1959 in Biel geboren und wächst am Jurasüdfuss auf. Nach der Ringier Journalistenschule arbeitet sie für verschiedene Deutschschweizer Medien, ist Mitglied des Journalistenkollektivs «Presseladen» und entdeckt die Fotografie für sich. Anfang der 1980er-Jahre zieht es Specogna nach Deutschland: sie gehört zu den ersten Schweizerinnen, die an einer ausländischen Filmschule studieren. An der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin (dffb) entstehen verschiedene Kurz- und Experimentalfilme. Ihren ersten mittellangen Dokumentarfilm «Fährten» (1985) dreht sie in Schwarzweiss und befragt dafür die Menschen und Landschaften, die sie für ihr Studium zurückgelassen hat: ihre Schwester in Biel, das Berner Seeland, den Jura, die Schweiz. Für diese atmosphärische, persönlich-essayistische Bestandesaufnahme der Schweiz gewinnt Specogna 1985 aus dem Stand den Berner Filmpreis.

Es folgen Lehraufträge, die Gründung einer eigenen Produktionsfirma und mit «Tania La Guerrillera» (1991) und «Deckname: Rosa» (1993) ihre ersten beiden langen Dokumentarfilme über couragierte, kämpferische Frauen. Mit «Z-Man’s Kinder» macht die Regisseurin ihren einzigen Ausflug in den Spielfilm und stellt auch hier eine eigenwillige Frau ins Zentrum. Doch von nun an steht Specognas Werk ganz in der Tradition des politischen Dokumentarfilms. Sie erzählt die Geschichte einer PKK-Aktivistin («Eine Familienangelegenheit», 2004)), eines guatemaltekischen Soldaten («Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez», 2006)) und einer 90-jährigen Revolutionärin («Zeit der roten Nelken», 2004). Zweimal beobachtet sie den uruguayischen Politiker Pepe Mujica («Tupamaros», 1997, und «Pepe Mujica – Der Präsident», 2014).

Pepe Mujica - Lektionen eines Erdklumpens - Trailer

Nach Lateinamerika wendet sich Heidi Specogna Afrika zu und blickt noch stärker hinter die politische Aktualität – sei es auf einem Kindersklavenschiff in Gabun («Das Schiff des Torjägers», 2010) oder bei Ermittlungen über Kriegsverbrechen («Carte Blanche», 2011) und bei Vergewaltigungsopfern in der Zentralafrikanischen Republik («Cahier africain», 2016). Dabei akzentuiert sich auch die dokumentarische Haltung der Regisseurin: Recherchieren, Beobachten, Fragen stellen – und so mit entschiedener Neugier einen Blick auf die grösseren Zusammenhänge freimachen.

Trailer zu Cahier Africain, Regie: Heidi Specogna

Heidi Specognas bedeutendes Oeuvre ist vielfach preisgekrönt. So erhielt «Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez» sowohl den Schweizer Filmpreis in der Kategorie Dokumentarfilm auch den deutschen Grimme-Preis.

Trailer «Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez» von Heidi Specogna (in englisch)

«Cahier africain» brachte der Autorin neben dem Schweizer Filmpreis und dem Grimme-Preis auch den Deutschen Filmpreis und den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis – den sie bereits für «Esther und die Geister» erhalten hatte – ein. Die Deutsche Akademie der Künste ehrte Heidi Specogna kürzlich mit dem renommierten Konrad-Wolf-Preis.

Neben ihrer Tätigkeit als Filmemacherin unterrichtet Heidi Specogna an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Zu ihren Studenten und Studentinnen gehörten u.a. Nicolas Steiner, Nicole Vögele oder Nora Fingscheidt. Der Vermittlung des filmischen Handwerks wird sie sich auch in Solothurn widmen: In einer Masterclass gibt die Regisseurin gemeinsam mit ihrem Cutter Kaya Inan Einblick in den Schnittprozess ihres aktuellen Filmprojekts «Wachs und Gold», das derzeit in Äthiopien gedreht wird.

Die «Rencontre» ehrt seit 1996 jährlich eine Persönlichkeit des Schweizer Films, zeigt Schlüsselwerke ihres Schaffens und ermöglicht die persönliche Begegnung. Zu den bisherigen Ehrengästen der Solothurner Filmtage gehören u.a. die Regisseurinnen und Regisseure Christoph Schaub, Peter Liechti, Silvio Soldini, Léa Pool, Paul Riniker, Jacqueline Veuve, Alexander J. Seiler, Claude Goretta, Reni Mertens und Walter Marti sowie Alain Tanner oder die Schauspielerinnen und Schauspieler Bruno Todeschini, Ursina Lardi, Marthe Keller, Walo Lüönd, Maximillian Schell, Bruno Ganz und Jean-Luc Bideau.

Die «Rencontre» wird von der Ernst Göhner Stiftung unterstützt.

Die 55. Solothurner Filmtage finden vom 22. bis 29. Januar 2020 statt. (mgt)

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