Solothurn
Musik der Industrialisierung in der Rythalle Solothurn

Das Berner Ensemble «Schicht-Werk» gastiert am Montag und Dienstag in der Rythalle Solothurn mit einem ungewöhnlichen Konzert für ungewöhnliche Instrumente. Am Konzert wird auch ein ganz neues Werk gespielt.

Andreas Toggweiler
Merken
Drucken
Teilen
Spielt Avantgarde-Musik des 20. Jahrhunderts: Die Formation «Schicht-Werk» anlässlich ihres Berner Auftritts im März. zvg

Spielt Avantgarde-Musik des 20. Jahrhunderts: Die Formation «Schicht-Werk» anlässlich ihres Berner Auftritts im März. zvg

Nebst Originalkompositionen für «mechanisches Klavier» geben sich 4 Pianisten, 12 Schlagzeuger, 8 Computer, 100 Metronome, eine Alarmsirene und ein Flugzeugpropeller ein Stelldichein.

Wie das tönt? Bombastisch-geräuschvoll, fast überwältigend, auf Dauer auch etwas ermüdend, wie der Musikkritiker der Zeitung «Der Bund» nach einem Auftritt in Bern Ende März festhielt. Die Interaktion von Mensch und Maschine, die akustische Kulisse der Schwerindustrie, von Bahnhöfen, von Fliessbandfertigung, bildete die Inspiration für Avantgarde-Komponisten anfangs des 20. Jahrhunderts, welche versuchten die rhythmische Klangwelt der Maschinen und Apparate mit Instrumenten zum Ausdruck zu bringen. Ein Klavier wird so beispielsweise zum Perkussionsinstrument.

Im Zentrum des Konzerts steht die Aufführung des «Ballet mécanique» von George Antheil (1924). Ein dazu gehöriger, dadaistischer Stummfilm wird in der Pause gezeigt. Laut Karin Jampen, der Künstlerischen Leiterin der Konzerte, wird Antheils Werk erstmals in der Schweiz in voller Instrumentierung gespielt. Auch die 100 Metronome, die ein Stück von György Ligeti «spielen», kommen zu einem Live-Einsatz.

Im ersten Teil werden Original-Kompositionen für mechanisches Klavier (Phonola) gespielt. Der von einer gestanzten Papierrolle gesteuerte Apparat übernimmt dabei die Rolle des Pianisten. Dieser betreibt über ein Fusspedal nur noch den Antrieb der Apparatur, die Tonfolgen erzeugen kann, die menschliche Hände naturgemäss nicht spielen können.

Am Konzert wird auch ein ganz neues Werk gespielt. Eine Auftragskomposition von Daniel Weissberg thematisiert das «Klanggeschehen» in einer Fabrik von heute, wo Roboter und Computer am Drücker sind. Es wird auf der Konzerttournee Uraufgeführt.

Die Berner Pianistin Karin Jempen ist freischaffende Musikerin und lehrt am Konservatorium Bern. Produktionsleiter Adrian Schild (Bern) spielt als Schlagzeuger ebenfalls mit. Als Dirigent fungiert der Basler Thomas Herzog. Er muss sich allerdings an die durch das Phonola oder den Computer vorgegebenen Tempi halten, darf aber dafür schauen, dass die Fabriksirene oder der Flugzeugpropeller ihren Einsatz nicht verpassen...

Reithalle Solothurn, Montag und Dienstag 23. /24. April, 19.30 Uhr. Abendkasse, Ticketreservierung: solothurn@schichten.ch; weitere Aufführungen am 27. und 28. April im Museum Tinguely in Basel.