Solothurn

Schon wieder krachte ein Risikobaum aufs Dach – was passiert mit den anderen?

Nur mit viel Glück gab es am 3. Januar bei Sturm Burglind in Solothurn keine Verletzten oder gar Tote. Dafür viel Hin und Her. An der Bergstrasse hadern Hausbesitzer mit Amtsstellen, die vor Sturmrisiken gewarnt waren.

Draussen rüttelt der Wind an den Plastikplanen, welche die Löcher und Risse im Dachgiebel notdürftig abschirmen. Das Rauschen der Bäume ist bis in die Küche zu hören. «Da stehen noch drei Kandidaten», verweist Hans Sperisen auf die Föhren und Tannen im Königshofpark, die gleich neben seinem Haus an der Bergstrasse stehen. «Friederike» ist ein Säuseln gegen Sturm «Burglind», der am 3. Januar eine alte Tanne im Königshof-Park entwurzelt hatte. Diese durchschlug das Dach und verfehlte um Haaresbreite eine Mieterin, die im Obergeschoss am Tisch sass. «Sie ist traumatisiert.» Und ausgezogen, wie ihre Vermieterin Elsbeth Hammer-Müller bestätigt. 

Schon 2014 hatte der grosse Ast einer Nachbarstanne ihr Hausdach durchschlagen. «Wie Speerspitzen», so die Hausbesitzerin. Dies veranlasste Nachbar Sperisen und sie noch 2014 zu einem Schreiben an die Solothurnische Gebäudeversicherung SGV. Ihre Forderung: Die Hochrisiko-Bäume nebenan seien zu fällen. Denn: «Es ist nur eine Frage der Zeit, dass es zu einem weiteren Schadenfall kommen wird. Dies insbesondere weil die Bäume alt sind und die Stürme tendenziell immer stärker werden. Aus unserer Sicht ist es nicht nur wegen der anzunehmenden hohen Versicherungsleistungen, sondern insbesondere wegen der Gefährdung der Bewohner der oberen Stockwerke der beiden erwähnten Liegenschaften notwendig, die Bäume so rasch wie möglich zu fällen.»

Wer den Schaden hat ...

Nun, nach einem Briefwechsel mit der Versicherung (vgl. Kasten unten), blieben die Bäume stehen. Doch sorgte jetzt «Burglind» für enormen Schaden und – Umtriebe. Am Haus Hammer-Müller sind es rund 200'000 Franken, für die zwar die Gebäudeversicherung aufkomme, «aber wir müssen noch Vergleichsofferten einholen.»

In seiner Hostet beziffert Hans Sperisen den Gesamtschaden auch an Obstbäumen auf rund 10'000 Franken. Er habe Kontakt mit der Haftpflichtversicherung des Nachbarn aufgenommen, doch diese habe vorerst eine Schadenregelung abgelehnt. «Vielleicht sind sie aber angesichts unseres Briefs von 2014 kulant», hofft Sperisen. Auch mit der Denkmalpflege standen die Geschädigten in Kontakt, weil die Nachbarn sich auf den Ensembleschutz des Königshofs berufen.

Die Amtsstelle teilte den beiden Liegenschaftenbesitzern dazu noch mit: «Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse hat die Eigentümerschaft (des Königshofs) Kontakt mit uns aufgenommen für eine Besprechung der Problematik. Da die Besprechung noch nicht stattgefunden hat, können auch noch keine Aussagen über mögliche Massnahmen gemacht werden.»

Schadensbilanz nach "Burglind"

Schadensbilanz nach "Burglind"

Der starke Sturm Burglind wütete in vielen Solothurner Wäldern. Dabei entwurzelte er eine Vielzahl an Bäumen.

Ein Restrisiko besteht immer

Den Geschädigten ist klar: Die Rechtslage hilft ihnen nicht weiter. Hans Sperisen versucht es mit einem Vorschlag: «Die Gebäudeversicherung könnte doch das Fällen der Bäume bezahlen.» Denn oft seien die Kosten der Faktor, warum Risikobäume stehen blieben. Beide räumen jedoch ein, dass die Königshof-Besitzer zum Park schauen. «Im Sommer kraxelte noch ein Spezialist in der Tanne herum», weiss Elsbeth Müller-Hammer. Er hatte offenbar den nun entwurzelten Baum untersucht.

Der Königshof ist im Besitz von Felicitas und Alexander Frei, die allerdings nicht im ehemaligen Patrizierhof, sondern im fernen Engelberg ihren Wohnsitz haben. Da es sich um einen laufenden Versicherungsfall handle, möchte sie sich nicht näher zum Fall äussern, erklärt Felicitas Frei auf unsere Anfrage. Nur: «Wir sind unseren Verpflichtungen stets nachgekommen und haben uns an die Auflagen gehalten.»

Diese betreffen auch den Baumbestand im Königshof, an dessen Unterhaltsarbeiten sich regelmässig der Kanton beteilige. Der 130-jährigen Wettertanne, die aufs Nachbargrundstück gestürzt war, sei von Fachleuten eine Bruchsicherheit von 220 Prozent bescheinigt wurden. Die Tanne war auch nicht gebrochen, sondern entwurzelt worden. «Ein Restrisiko besteht immer», so die Königshof-Eigentümerin. «Zum Glück wurden keine Personen oder Tiere verletzt.»

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