53. Solothurner Filmtage

Schweizer Fernsehfilmpreis: Eine Preisverleihung mit vielen Emotionen und Hormonen

Am Sonntagabend nahmen Stephanie Japp, Anna Schinz und Karim Barras in der Solothurner Reithalle den Schweizer Fernsehfilmpreis 2018 entgegen. Marcus Signer wurde als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet, konnte den Preis jedoch nicht persönlich entgegennehmen.

Mit gut 15-minütiger Verspätung startete am Sonnag die Preisverleihung der diesjährigen Schweizer Fernsehfilmpreise. Bis das Publikum in der Solothurner Reithalle Platz genommen hatte, dauerte es seine Zeit, und der Speaker mahnte immer wieder zur pünktlichen Besetzung der Sitzreihen.

Nun denn, der Verleihungsreigen konnte beginnen und Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer betrat die Bühne. Sie stellte den Schweizer Fernsehfilmpreis und die diesjährige Jury kurz vor: «In der dreiköpfigen Jury nahmen Charlotte Heinimann, Schauspielerin, Benjamin Mangin, Filmproduzent, und ich selbst Einsitz.» Dann übergab sie das Mikrofon an Moderatorin Charlotte Heinimann. «Der Schweizer Fernsehfilm lebt», meinte diese in ihrer Vorrede. «Im vergangenen Jahr sind sechs Serien und elf Fernsehfilme entstanden, das entspricht 36 Stunden Film.» So seien in der Schweiz dieses Jahr mehr Filme produziert worden als noch vor Jahren. «Das ist eine schöne Entwicklung, bedeutet dies doch auch mehr Arbeit für die Schauspielerinnen und Schauspieler.» Und Heinimann weiter: «Sorgen wir also mit unserer Stimme am 4. März dafür, dass dies auch so bleibt.»

Es folgte im Programm – zum Amusement des Publikums – einer der neuen No-Billag-Spots, die soeben auf die Solothurner Filmtage hin produziert worden waren.

Emotionale Anna Schinz

Heinimann verkündete danach die Preisträger der beiden Nebenrollenkategorien: Anna Schinz und Karim Barras. Schinz wurde der Preis für ihre Rolle im Fernsehfilm «Private Banking» zugesprochen. Geboren 1987 studierte die Zürcherin an der Zürcher Hochschule der Künste Schauspiel und hatte bereits damals Auftritte am Schauspielhaus und am Theater am Neumarkt. Sie war im «Heidi» und im «Gotthard» bereis zu sehen, ebenfalls in der Serie «Wilder».

Stephanie Japp (r) spielt in "Private Banking" die Hauptrolle einer Bankerin und Anna Schinz (l) eine Nebenrolle als Compliance-Officer.

Stephanie Japp (r) spielt in "Private Banking" die Hauptrolle einer Bankerin und Anna Schinz (l) eine Nebenrolle als Compliance-Officer.

Anna Schinz konnte bereits einige Auszeichnungen und Preise entgegennehmen; nichtsdestotrotz war die jetzt jüngste Auszeichnung für sie am Sonntagabend eine sehr emotionale Sache. «Mit vielen Emotionen und Hormonen» nehme sie diesen Preis entgegen, sagte die sichtlich Schwangere in ihren Dankesworten. Sie danke natürlich der Jury für diese Anerkennung, insbesondere aber auch ihrer Casting-Agentin Ruth Hirschfeld, in deren Büro sie bereits als 13-Jährige verkündet habe, sie wolle Schauspielerin werden. Bewegt erwähnte sie auch ihre Familienangehörigen, insbesondere ihren Vater, der die Fertigstellung von «Private Banking» leider nicht mehr habe miterleben können.

Etwas nüchterner fiel die Dankesrede des Genfer Schauspielers Karim Barras aus, der den Preis für seine Darstellung eines ehemaligen Alkoholikers und verlassenen Ehemannes in der Serie «Quartier des banques» erhielt. Er bedankte sich vor allem bei der Jury und dem Regisseur Fulvio Bernasconi.

Stephanie Japp, alleine

Dann ging es an die Preisvergabe für die beste weibliche und männliche Hauptrolle in einem Schweizer Fernsehfilm. Da kam wieder «Private Banking» von Regisseurin Bettina Oberli zum Handkuss. Und zwar ging der Preis an Stephanie Japp, die darin in der Rolle einer emanzipierten Bankerin zu sehen ist, «die kraftvoll deren ganze Ambivalenz zeigt», wie es in der Jury-Begründung heisst.

Japp (45), die seit vielen Jahren in Schweizer Fernseh- und Spielfilmproduktionen auftritt, dankte insbesondere dafür, dass sie als 45-jährige Frau auch als solche für diese Rolle besetzt wurde.

Marcus Signer krank

Leider konnt der Preis für den besten männlichen Hauptdarsteller nicht persönlich an Marcus Signer übergeben werden. Er musste sich wegen Krankheit ganz kurzfristig für die Preisverleihung entschuldigen. Ihm wurde der Preis für die Darstellung des Ermittlers Manfred Kägi im Sechsteiler «Wilder» zugesprochen. «Er verkörpert darin einen geheimnisvollen Mann, dem man dennoch in die Seele blicken kann», so las Heinimann aus dem Jurybericht.

Marcus Signer wurde für seine Rolle in «Wilder» ausgezeichnet.

Marcus Signer wurde für seine Rolle in «Wilder» ausgezeichnet.

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