Kestenholz
Analyse abgeschlossen: Das Trinkwasser vom Weiherrain ist gut

Nach Wolfwil und Fulenbach untersucht auch Kestenholz sein Trinkwasser auf den neu klassifizierten Giftstoff.

Yann Schlegel
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Kestenholz trinkt «sauberes» Wasser. Archiv

Kestenholz trinkt «sauberes» Wasser. Archiv

HR.Aeschbacher

Chlorothalonil. Anfang Juli noch hatten höchstens Chemiker dieses Wort in ihrem Wortschatz geläufig. Seit das Schweizer Fernsehen Mitte Juli berichtete, dass in der Schweiz viele Grundwasserquellen mit den Rückständen des Pestizids verschmutzt sind, ist das komplizierte Wort in aller Munde. Der Kanton Solothurn machte publik, in welchen Gemeinden das Trinkwasser überhöhte Rückstände der Chlorothalonil-Sulfonsäure ausweisen könnte.

In der Bevölkerung löste dies grosse Verunsicherung aus. Der Kanton entwarnte zwar – aber ein mulmiges Gefühl blieb zurück. Erst im Frühjahr hatten die europäischen und daraufhin auch die schweizerischen Lebensmittelsicherheitsbehörden diesen Giftstoff auf die Liste der möglicherweise gesundheitsschädigenden Rückstände gesetzt. Zuvor war das Trinkwasser nie auf die Chlorothalonil-Sulfonsäure überprüft worden. Bei seiner Veröffentlichung der betroffenen Gemeinden orientierte der Kanton Solothurn gemäss bestehenden Wasserverbünden. Die Angaben waren daher unpräzise, da innerhalb dieser verschiedene Quellen zur Trinkwasserversorgung dienen.

Der neue Giftstoff

Chlorothalonil ist ein Wirkstoff, der in Pflanzenschutzmittel seit den 1970er Jahren gegen Pilzbefall als Fungizid zugelassen ist. Es wird im Getreide-, Gemüse-, Wein- und Zierpflanzenbau eingesetzt. Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat im März 2019 in ihrer neuen Risikobewertung festgehalten, dass für Abbauprodukte von Chlorothalonil Hinweise für eine Gesundheitsgefährdung bestehen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) kam zur gleichen Schlussfolgerung wie die EFSA und hat einen Grenzwert festgelegt. (mgt)

Mehrere Gemeinden innerhalb des Wasserverbundes Gäu haben deshalb Nachuntersuchungen durchgeführt. Fulenbach und Wolfwil gaben als erste Entwarnung. Nun hat auch die Gemeinde Kestenholz ihr Trinkwasser überprüfen lassen und die Verwaltung gibt Entwarnung. Die Gemeinde bestätigt dies in einem Flugblatt, das sie im ganzen Dorf verteilt.

«Im Bericht der ‹Tagesschau› wurde der Eindruck vermittelt, dass auch das Trinkwasser der Gemeinde Kestenholz von der Problematik Chlorothalonil betroffen ist, da sie dem Zweckverband Regionale Wasserversorgung Gäu angehört», schreibt die Verwaltung darin. Die Gemeinde Kestenholz beziehe nur in Ausnahmefällen und Notsituationen Trinkwasser aus dem Gäu.

Die Chemiker massen im Gäu einzig beim Grundwasser-Pumpwerk Neufeld in Neuendorf Werte, welche den festgelegten Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschreiten. Weiter schreibt die Verwaltung im Flugblatt: «Im Normalbetrieb bezieht die Gemeinde Kestenholz ihr Wasser vom gemeindeeigenen Grundwasserpumpwerk Weiherrain.» Auf den Bericht der «Tagesschau» hin hat die Gemeinde eine Trinkwasser-Untersuchung in Auftrag gegeben. Nun liegt die Analyse vor. «Der Grenzwert wird eingehalten. Der Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter im Trinkwasser der Gemeinde Kestenholz wird nicht überschritten. Das Trinkwasser kann bedenkenlos getrunken werden», steht in der Analyse zu lesen.

Das Grundwasserpumpwerk Weiherrain und das «Chöpfli»

«An der sehr stark beteiligten Gemeindeversammlung wurde einstimmig beschlossen, es sei die projektierte Wasserversorgung von Huggenbühl & Müller in Zürich anzunehmen», steht in der illustrierten schweizerischen Handwerker-Zeitung von 1904. Weiter steht: «Das Wasser wird mit Pumpwerk vom Weiherrain auf das sog. Köpfli gehoben.» Somit seien auch sämtliche Häuserbesitzer auf dem Rain mit Wasser versorgt. Erst 1998 sanierte die Gemeinde das einst rund 66'000 Franken teure Reservoir Chöpfli umfassend. Diese Zeitung berichtete damals über den Spatenstich der rund 1,2 Millionen teuren Arbeiten. Das Foto zeigte, wie 3. Klässler den Spatenstich zelebrierten. 1997 wurde das Pumpenhaus Weiherrain saniert. (yas)

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