Im Keramikmuseum Matzendorf gibt es ab heute Samstag, 18. Mai bis am 1. September 2019 die einmalige Gelegenheit, den gesamten keramischen Nachlass von Benno Geiger zu bestaunen. Geiger war von 1934-1948 Leiter der kunstkeramischen Abteilung der Tonwarenfabrik Aedermannsdorf.

Benno Geiger wurde 1903 als Sohn eines Bildhauers in Engelberg geboren. Seine Kindheit erlebte er in Lugano, wo er auch die Kunstgewerbeschule besuchte. Danach absolvierte er eine Töpferlehre bei H. Meister in Stettenbach/ZH. 1925 besuchte er die Wiener Kunstgewerbeschule.

Sein Lehrer war Michael Powolny, einer der Gründer der Wiener Sezession. 1928 trat Geiger in die weltbekannte «Wiener Manufaktur Friedrich Goldscheider» ein, für die er zahlreiche Modelle schuf und wo er zum Abteilungsleiter aufstieg. Danach ging es für einen Studienaufenthalt nach Paris. 1934 kehrte er in die Schweiz zurück.

Ankunft in Aedermannsdorf

In diesem Jahr konnte der damalige Aedermannsdörfer Fabrikbesitzer, Alfred von der Mühll, Benno Geiger als Leiter der kunstkeramischen Abteilung gewinnen. Im August 1934 begann Geiger mit seiner Tätigkeit und wohnte in den ersten Monaten im Gasthof Sternen im Matzendorf. Die Wohnverhältnisse waren alles andere als komfortabel. Sein Zimmer konnte er nicht heizen und im Oktober musste er den Gasthof mit 400 einquartierten Soldaten teilen. Wenig schmeichelhaft war Benno Geigers Urteil über seinen Wohnort. Er schreibt in einem Brief an seine Freundin und spätere Ehefrau Eva: «Die Gegend wird Dir nicht gefallen. Sie ist vom geselligen Standpunkt aus ganz unmöglich.»

Mit seiner Anstellung war ein künstlerischer Aufschwung in der Aedermannsdörfer Fabrik verbunden. Benno Geiger war sehr produktiv und machte sich im Herbst mit «250 bis 300 Stück» per Auto auf, um seine Ware direkt an Kunden zu verkaufen, «die reine Hausiererei», schrieb er in einem Brief. Er musste zur Kenntnis nehmen, dass «die Wienerei und überhaupt das Bunte hier einfach nicht gefressen wird.» Und er folgerte daraus, dass er stilistisch «umsatteln muss.» Als er mit seinem Chef von der Mühll Mitte Oktober Basel besuchte, stellte er auch dort fest, dass «alles Goldscheidrige abgelehnt wird», aber das «ruhige Zeug» gekauft wird. So bilanzierte er frustriert: «Es ist hier so eine verdammte altertümliche Bauernmalerei wieder Mode geworden. Das kommt wahrscheinlich aus Deutschland – zurück zum Biedermeier.» Erst als Benno Geiger die Stelle in Aedermannsdorf antrat, konnte er die schon länger geplanten Heiratspläne wieder konkretisieren. Die Hochzeit fand am 11. September 1935 in Neutitschein, Tschechien statt, von wo seine Ehefrau Eva Kovacs, die er in Wien kennenlernte, stammte. Das Paar lebte bis im Januar 1939 in Matzendorf.

Wegzug aus dem Thal

Am 15. Juni 1936 wurde Sohn Martin in Sorengo bei Lugano geboren, weil hier wahrscheinlich die restliche Geiger-Familie lebte. Im Januar 1939 zog die Familie nach Basel, von Herbst 1940 bis Ende September 1941 kam sie wieder ins Thal, nach Balsthal zurück, ehe sie dauerhaft nach in Bern umzog.

Bereits 1939 bewarb sich Geiger als Nachfolger des verstorbenen Leiters der keramischen Fachschule in Bern. Die Gründe dafür waren finanzieller Natur, denn die rund 400 Franken aus Aedermannsdorf reichten für die junge Familie nicht zum Leben. Geiger schreibt: «Da es sich um eine Lebensstellung mit Pension und aufsteigendem Gehalt bis 9600 Franken handelt, lockt dieser Posten nicht nur mich, sondern auch meine Familie.» Die Fachschule existierte seit 1905. Doch der Berner Regierungsrat besetzte 1939 den Posten nicht wieder und stellte den Schulbetrieb ein. Dagegen regte sich Widerstand, weshalb 1941 beschlossen wurde, die Schule – die einzige ihrer Art in der Deutschschweiz – wieder zu eröffnen. Benno Geiger wurde zusammen mit Werner Burri per 15. April 1941 zum Schulleiter gewählt.

Die neue Stelle bedeutete eine grosse berufliche Veränderung für Benno Geiger, aber keinen völligen Abschied von der Fabrik in Aedermannsdorf. Seine Tätigkeit im Thal musste aber stark reduziert werden und er arbeitete nur noch einen Tag pro Woche in der Fabrik. Ende 1947 reduzierte von der Mühll Geigers Beschäftigung auf eine 10-Prozent-Stelle (1 Tag alle zwei Wochen). Mitte 1948 kündigte Benno Geiger die Zusammenarbeit mit Aedermannsdorf ganz. Es schien jedoch trotzdem eine weitere Zusammenarbeit gegeben zu haben. Das geht aus regelmässigen Vermerken in den Glasurheften von Benno Geiger hervor. Bis 1960 notierte er darin immer wieder Arbeiten für die Tonwarenfabrik.

Geigers Kunst

Geiger hatte immer wieder musische und religiöse Inhalte auf seinen Objekten versinnbildlicht. Musizierende Figuren sowie biblische Geschichten gehörten für ihn zu «den schönen Dingen». Er sah sich selbst als «echten Keramiker», dem es nicht nur auf die Form, auch nicht nur auf die Farbe oder Härte des Scherbens ankommt, sondern dem die Synthese all dieser Eigenschaften wichtig war. Den idealen Keramiker beschrieb er selbst so: «Er kann zeichnen und malen, kann drehen und modellieren, er ist Techniker und Chemiker und nicht zuletzt auch Philosoph, dem die Vereinigung der vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft zu einem Kunstwerk Religion wird.»

1953 war Benno Geiger Gründungsmitglied der Académie internationale de céramique und 1959 der Association des céramistes suisses. Er schrieb Fachbücher und zahlreiche Fachartikel zum Thema Keramik. 1979 verstarb Benno Geiger im Alter von 76 Jahren.
Heute Samstag, 18. Mai 2019 eröffnet um 17 Uhr wird die Geiger-Ausstellung im Keramikmuseum Matzendorf eröffnet. Mit dabei werden dessen Enkel Benjamin und Sebastian Geiger sein. Sie werden an der Vernissage Anekdoten aus dem Leben ihres berühmten Grossvaters erzählen. Dazu singt Ruedi Stuber eigens für die Ausstellung komponierte Chansons.

Quellen: Schnyder, R. «Vier Berner Keramiker»; Geiger, B. «Benno Geiger». Öffnungszeiten und Infos: www.matzendorfer-keramik.ch