Es geschah beim Bööggverbrennen an der diesjährigen Fasnacht in Balsthal. Der Böögg hatte diesmal gemäss Motto «Es isch wurscht» die Form einer Wurst. Zuoberst angeklebt – und schliesslich in Flammen aufgegangen – waren Porträtfotos, so gross, dass die abgebildeten Personen deutlich erkennbar waren: Judith Hafner, Präsidentin des Gewerbevereins, Fabian Müller, Kantons- und Gemeinderat, Andreas Schaad, Gemeinderat, und Anton Wüthrich, Bauverwalter.

«Nicht einfach hinnehmen»

Der Balsthaler Marcel Bläsi hat erst im Nachhinein davon erfahren und findet, auch wenn die Fasnacht längst vorbei ist, so müsse die Sache auf den Tisch. «Wer in der Öffentlichkeit steht, muss sich Kritik gefallen lassen, an der Fasnacht darf es auch etwas mehr sein», sagt er. «Die Fasnacht darf aber nicht zum Ausleben von Ressentiments verkommen.»

Wenn jemand in Wort und Bild, etwa in einer Schnitzelbank oder als Sujet, auf die Schippe genommen wird, so kann man nichts dagegen haben. «Aber wenn etwas verbrannt wird, wie in diesem Fall Fotos von Personen, so bedeutet das, etwas zu vernichten, und das geht eindeutig zu weit.» Er wehre sich gegen den Gedanken, «dass es tatsächlich Mitglieder unserer Dorfgemeinschaft gibt, die zu solchem Handeln fähig sind.» Aber der Fall zeige halt eine allgemeine Tendenz auf, einfach alles zu erlauben. «Und das», so betont Bläsi, «sollte man nicht hinnehmen, sondern sich dagegen wehren.»

Niemand hat reklamiert

Bläsi findet, «falls das Fasnachtskomitee dieses Vorgehen deckt, kommt dies einer Boykotterklärung zum Verständnis der Fasnacht gleich». Offenbar deckt das Fasnachtskomitee (Fako) das Vorgehen nicht – besser gesagt: nicht mehr. Es sei zwar nicht das erste Mal, dass etwas verbrannt wird, das eindeutig einer Person zugewiesen werden kann, erklärt Sascha Spring, seit drei Jahren Präsident der Fako. «Aber bis jetzt hat sich niemand beschwert, darum war es bis jetzt auch kein Thema.»

Immerhin sei auf den Fotos zum Beispiel auch Judith Hafner dabei, die im Fako mitmacht. Bauverwalter Anton Wüthrich hat nicht einmal etwas von der Verbrennung gewusst. Er nimmts gelassen: «Wenn sie es lustig finden, so sollen sie es tun», sagt er, schiebt aber nach: «Besser wäre, es mir direkt zu sagen, wenn jemand mit meiner Arbeit nicht einverstanden ist.»

Thema kommt auf den Tisch

Dem Fako-Präsidenten Sascha Spring selber ist offenbar nicht mehr ganz wohl, nachdem er mit den Reklamationen konfrontiert worden ist. Dieser Tage haben sich die Fako und an der Fasnacht beteiligte Gruppen zu einer Sitzung getroffen. Da wurde unter anderem darüber diskutiert, wie weit man im Zusammenhang mit Personen gehen will. Oder darf. «Wir wollen daran festhalten, dass der Böögg politisch geprägt sein soll», berichtet Sascha Spring. Allgemein sehe man jedoch ein, dass das Verbrennen von Porträts heikel sei, «besonders wenn man sie so gut erkennen kann.»

An der Sitzung zu Gast war Max Rütti, dem das Verbrennen der Fotos ebenfalls sauer aufgestossen war. Seiner Meinung nach wären – wenn schon – Darstellungen in Form einer Karikatur weniger störend. Diese Anregung, sagt Sascha Spring, sei in der Runde gut aufgenommen worden. Marcel Bläsi dürfte dies recht sein, er betont: «Besser kein Bööggverbrennen, als mit einer solch unerträglichen Begleiterscheinung.»