Kein Platz im Gefängnis

Raser von Schönenwerd: Nach rechtskräftigem Urteil noch immer auf freiem Fuss

Das ist das Fahrzeug, das den Unfall verursacht hat, kam erst rund 50 Meter nach der Kollisionsstelle voellig demoliert auf einer Strasseninsel zum Stillstand.

Das ist das Fahrzeug, das den Unfall verursacht hat, kam erst rund 50 Meter nach der Kollisionsstelle voellig demoliert auf einer Strasseninsel zum Stillstand.

Die Raser von Schönenwerd sind auch fünf Jahre nach dem Raser-Unfall und wenige Monate nach der Bestätigung des Urteils durch das Bundesgericht auf freiem Fuss. Brigitte Wittwer, die Mutter der beim Unfall getöteten Lorena, kann das nicht verstehen.

Es dürfte das schweizweit bekannteste Urteil gegen einen Raser sein: Zu sechs Jahren hat das Solothurner Obergericht 2012 einen heute 23-jährigen Griechen verurteilt, der im November 2008 mit 100 Stundenkilometern in Richtung Schönenwerd blochte und einen Unfall verursachte, bei dem die 21-jährige Lorena ihr Leben verlor.

Doch der Raser hat noch keinen Tag seiner Strafe abgesessen, berichtete der «Blick» am Donnerstag - und dies, obwohl das Bundesgericht bereits vor vier Monaten das Urteil bestätigt hat. Auch die beiden anderen Raser, mit denen sich der Verurteilte an jenem Abend duellierte, sassen noch keinen Tag ihrer 12 Monate Haft ab.

Die drei Raser von Schönenwerd sind immer noch auf freiem Fuss

Der Bericht von TeleM1

«Das wird absolut nicht ernst genommen», sagt Brigitte Wittwer, die Mutter der getöteten Lorena, gegenüber «TeleM1». Die drei müssten schon ins Gefängnis. Sie ärgert sich auch darüber, dass die ihr Autobillet retour bekommen haben. «Das ist für mich nicht nachvollziehbar.»

Keine Sicherheitshaft

Paul Loosli vom Amt für Justizvollzug begründet dies im «Blick» damit, dass das Gericht nach dem Urteilsspruch keine Sicherheitshaft angeordnet habe. Die Vollzugsmodalitäten für den Strafantritt seien noch nicht geklärt. Die Strassenopferstiftung Roadcross spricht von einem Skandal.

Laut Dagobert Cahannes, Pressesprecher Kanton Solothurn, gebe es derzeit keinen Platz in Gefängnissen. «Wenn wir keinen Platz haben, können wir nicht einfach einen anderen herauslassen und sagen, dass der weniger gefährlich ist», sagt Cahannes im «TeleM1». Mitte Oktober soll es aber einen freien Gefängnisplatz für einen der Raser geben.

Brigitte Wittwer kann einfach nicht verstehen, weshalb das so lange dauert. Es gehe um Menschenleben. Und die Gefahr bestehe weiter. «Man signalisiert den Rasern: Bitte macht das nicht mehr, ihr müsst ja nichts befürchten.» (szr/ldu)

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