Balsthal

Zu teuer und praxisfern: Balsthals Samariter treten aus dem Samariterbund aus

Die Jugendabteilung spielt beim Sanitätsverein Balsthal, dem vormaligen Samariterverein, eine bedeutende Rolle. (Symbolbild)

Die Jugendabteilung spielt beim Sanitätsverein Balsthal, dem vormaligen Samariterverein, eine bedeutende Rolle. (Symbolbild)

Die Balsthaler Samariter treten aus dem Samariterbund aus und nennen sich neu Sanitätsverein Balsthal.

Mit seinen 51 Mitgliedern und einer engagierten Jugendgruppe sind die Balsthaler Samariter einer der grösseren Vereine dieser Art im Kanton Solothurn. Kein Fest und keine grössere Veranstaltung im Dorf sind ohne die Gesundheitsdienstleistungen der Vereinsmitglieder denkbar. «Dank unserer konsequenten Jugendarbeit ist unser Verein auch nicht überaltert», sagt Markus Schindelholz, der Präsident des Vereins. Doch was vereinsintern hervorragend funktioniert, nämlich das Kurswesen, die Weiterbildung und der Zusammenhalt, funktioniert auf Verbandsebene überhaupt nicht mehr, kritisiert er.

Zu teuer und erst noch zu praxisfern

«Die Arbeit des Schweizerische Samariterbundes SSB mit Sitz in Olten gefällt uns seit ein paar Jahren gar nicht mehr. Die Kurse und deren Plattform sind enorm teuer, zielen völlig an der Praxis einer Vereinstätigkeit vorbei.» Der SSB ist in der Tat finanziell angeschlagen und benötigt daher Geld, welches von den Mitgliedsvereinen erbracht werden soll. «Unser Verein musste jährlich über 4500 Franken an den Verband leisten, eine Summe, für die wir immer weniger einfordern konnten», sagt Schindelholz. Im Gegenteil: Die Leistungen des Verbandes seien für die Vereine von Jahr zu Jahr schlechter geworden. Zudem sei die IT-Plattform sehr aufwendig und mühsam. Eine Besserung all der Kritikpunkte sei leider nicht in Sicht.

Was also tun? Leer schlucken, weiter mithelfen beim Stopfen des Finanzlochs und auf Besserung hoffen? Zusammen mit anderen, ebenfalls unzufriedenen Vereinen einen neuen Verband gründen? Oder einen neuen Verband oder Kurs-Partner suchen und damit selbstständig werden und beim SSB und dem Kantonalverband austreten? In der Diskussion unter den Mitgliedern zeigte sich, dass mit einem Austritt aus dem Verband keine Aktivitäten des Vereins, die den eigentlichen Zweck betreffen, tangiert würden. «Wir werden weiterhin unsere Übungen absolvieren, weiter unsere Sanitätsdienste leisten, weiterhin der Bevölkerung Kurse anbieten können und vielleicht gar das Blutspenden wieder einführen können», so Schindelholz. Auch die Aktivitäten der Jugendgruppe und die der eigenen Seniorengruppe sind davon nicht betroffen.

Austrittsschreiben verschickt – Kurswesen anderswo einkaufen

So waren sich die Balsthaler einig, dem SSB ein Austrittsschreiben zu schicken, sich umzubenennen und das Kurswesen bei einem anderen Anbieter einzukaufen. «Es gibt verschiedene Sanitätskurs-Anbieter auf dem Markt», erklärt Schindelholz. Man habe mit diesen das Gespräch gesucht und sei fündig geworden. «Es wurde beschlossen, den Samariterverein Balsthal-Klus in Sanitätsverein Balsthal umzubenennen.» Der Zweck und der grösste Teil der Statuten kann beibehalten werden.

Ausbildungs- und Weiterbildungskurse für Instruktoren werden künftig bei der Organisation «Sanität24» eingekauft. Dort werden auch Didaktik- und Methodikkurse gebucht. Die Jugendgruppe des Vereins wird zudem von «Sanität24» finanziell unterstützt, dazu kommen weitere Angebote des Anbieters, die genutzt werden können. Wichtig ist dem Präsidenten: «Bei diesem Sanitätsdienstleister agieren wir weiterhin selbstständig, die Sanitätsdienste für Anlässe jeglicher Art machen wir alleine. Wir werden jedoch nach wie vor durch unseren langjährigen Vereinsarzt Claudio Cahenzli unterstützt und auch kontrolliert.»

Ebenso wichtig sei nun, dass man das Logo und den Namen des «Samariterbundes» nicht mehr führen dürfe, dieser auch nicht mehr auf Material, Kleidung und allen Medien sichtbar sei. Es besteht auch keine Versicherungsdeckung mehr von Seiten SSB. Und wichtig: Mit dem Austritt aus dem Schweizerischen Samariterverband ist auch ein Austritt aus dem Kantonalverband verbunden. Das alles bedingte eine Revision der Statuten, welche an der ausserordentlichen Generalversammlung einstimmig genehmigt wurde und auf den 1. Januar 2020 in Kraft getreten sind. «Es wurde Zeit zu handeln», sagt der Vereinspräsident weiter und ist sicher, dass sich dies auch andere Samaritervereine überlegen.

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