Solothurn

«Die lokale Ebene macht mir am meisten Spass» – Daniel Urech ist der erste grüne Ratspräsident

Daniel Urech im Garten des Klosters Dornach. Der Schwarzbube wird Kantonsratspräsident.

Daniel Urech im Garten des Klosters Dornach. Der Schwarzbube wird Kantonsratspräsident.

Der Dornacher Daniel Urech ist im Jahr 2020 höchster Solothurner. Es ist der Höhepunkt eines stetigen Schaffers.

Euphorisch wirkt Daniel Urech zwei Tage vor seiner Wahl zum neuen Solothurner Kantonsratspräsidenten nicht. Aufgeräumt, erwartungsfroh und voller Respekt vor der Aufgabe zeigt er sich. Im nächsten Jahr leitet der 36-Jährige die Parlamentssitzungen und vertritt den Kanton an unzähligen Anlässen. Mit einem öffentlichen Empfang auf dem Platz des Schlachtdenkmals wird er am Mittwoch in seiner Wohngemeinde Dornach geehrt.

Wenn der Schwarzbube wenige Stunden zuvor im Rathaus in Solothurn gewählt wird, erlebt der Kanton Solothurn eine Premiere: Urech ist der erste grüne Parlamentarier, der dem Kantonsrat vorstehen wird. «Es ist gerecht, wenn die Grüne Partei auch Verantwortung wahrnimmt», sagt der neue höchste Solothurner. Gleichzeitig schränkt er ein, dass die Parteipolitik in seinem Amt keine Rolle spielen dürfe. Er freue sich sehr darauf, die Vielfalt des Kantons Solothurn kennenzulernen. Im Ratsbetrieb habe er nicht vor, die Kantonsrätinnen und Kantonsräte bei jeder Gelegenheit zurechtzuweisen. «Ich finde es wichtig, dass man im Parlament frei reden kann.»

Trotz jungen Alters eine beachtliche Karriere

Mit der Wahl zum Kantonsratspräsidenten krönt Daniel Urech sein bisheriges politisches Schaffen. Seine Karriere ist gekennzeichnet von einer grossen Akribie und Konstanz. Trotz seines noch immer jungen Alters kann er bereits auf viele Jahre in der Politik zurückblicken. Dem Solothurner Parlament gehört er seit dem Jahr 2011 an, dem Dornacher Gemeinderat seit 2005. Seither hat er diese Ämter inne und verspürt noch längst keine Abnutzungserscheinungen, wie er sagt. Es sei befriedigend für ihn, sich für den Erhalt der Demokratie einzusetzen. Die Lust an diesem Engagement sei ihm noch nicht vergangen.
«Mit 18 Jahren wurde ich Mitglied des Wahlbüros und begann, mich intensiv für Politik zu interessieren.»

Bald darauf stieg er in den Gemeinderat ein. «Die lokale Ebene macht mir am meisten Spass», erzählt Urech. Man sei nahe an der Bevölkerung und erhalte oft Rückmeldungen. Es käme häufig vor, dass er von Dornacherinnen und Dornachern angesprochen werde. Die Herausforderungen des Hauptorts des Schwarzbubenlands sind zahlreich: Die Umnutzung des Weidenareals, die Erneuerung der Schulinfrastruktur und die immer wieder verschobene Sanierung der Dornacher Gemeindeverwaltung.

Höhere Mehrwertabgabe, längerer Vaterschaftsurlaub

Im Solothurner Kantonsrat beschäftigt sich Urech hingegen meist mit übergeordneten Themen. Erfolge feiern konnte er mit einem Vorstoss zur Mehrwertabgabe. Aufgrund seines Auftrags ist es Gemeinden möglich geworden, einen grösseren Anteil des Planungsmehrwerts abzuschöpfen. Eine angepasste Version eines anderen Vorstosses sorgte dafür, dass im Kanton Solothurn der Umfang des Vaterschaftsurlaubs überprüft wird. Schon vor fünf Jahren wandte er sich an die Solothurner Regierung und wollte Fragen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Kanton beantwortet haben.

Seit acht Jahren gehört der Schwarzbube im Kantonsrat der Justizkommission an. Hier kann er seine Fachkenntnisse einbringen: Nach dem zweisprachigen Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Fribourg arbeitete er während einigen Jahren als juristischer Mitarbeiter der Stadt Bern. Seit Anfang 2017 ist er in Dornach als selbstständiger Anwalt und Notar tätig. In der 6000-Einwohner-Gemeinde lebt er zusammen mit seiner Frau.

Eine Einladung ins Schwarzbubenland

Die Arbeit, die Urech im Solothurner Kantonsrat betreibt, ist weiter weg von den Einwohnern des Dorneck-Thiersteins. «Da mache ich mir keine Illusionen. Kantonale Projekte haben bei uns oft nur wenig Widerhall, da vor allem interessiert, was in der Region Basel passiert.» Sein Mandat als einer von 13 Kantonsratsmitgliedern aus dem Schwarzbubenland nutzt Urech dazu, sich für die Amtei einzusetzen. Zuletzt fragte er nach, wie die Sicherheit für Velofahrer auf der Gempenstrasse erhöht werden könnte.

Im Sommer wird er den Kantonsrat zu einem Ausflug ins Schwarzbubenland einladen. Bei der Zusammenarbeit zwischen dem Kanton Solothurn und beiden Basel im Bildungsbereich sieht er Verbesserungspotenzial. Damit spricht er den Besuch von Solothurner Schülerinnen und Schülern an Baselbieter Sekundarschulen an, der in Frage gestellt ist.

Daniel Urech ist seit dem Präsidialjahr von Christian Imark vor acht Jahren der erste Kantonsratspräsident aus dem Dorneck-Thierstein. Hat er ähnliche Ambitionen wie der heutige SVP-Nationalrat aus Fehren? «Jetzt freue ich mich erst einmal auf das nächste Jahr. Dann schauen wir weiter.»

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