Schon zum zweiten Mal seit Anfang Jahr hat der Bund per 1.März die Tarife für die Entschädigung für die Einspeisung von Solarstrom aus neuen Anlagen gesenkt. Begründet werden die wiederholten Senkungen mit der Verbilligung von Solarpanels. Für kleine angebaute Anlagen auf Hausdächern beträgt die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) nunmehr noch 39,9 Rp./kWh. Zum Vergleich: gleiche Anlagen, die vor 2010 in Betrieb genommen wurden, erhalten noch 75 Rp./kWh KEV. Ende 2010 lag der durchschnittliche Vergütungssatz über alle Solaranlagen gesehen immer noch bei 68,1 Rp. pro Kilowattstunde.

Doch das ist Theorie. Im Dezember waren über 15000 Anlagen beim Bund zum Bezug von Subventionen angemeldet. Ende Februar waren es laut Auskunft von Marianne Zünd, Kommunikationschefin im Bundesamt für Energie, immer noch 12504 Anlagen.

Wenn auch die Pendenzen jetzt abgearbeitet werden, so warten doch viele Betreiber auf die angekündigten Entschädigungen. Elektrizitätswerke haben jetzt begonnen, in die Lücke zu springen. Seit Februar offeriert der Oberaargauer Stromvertreiber Onyx seinen Rücklieferkunden Vergütung des «ökologischen Mehrwerts». Bedingung ist, dass die Anlage auf der KEV-Warteliste ist. «Das Onyx-Modell stützt sich auf dasjenige unserer Mutterfirma BKW, ist aber einfacher», erklärt Onyx-Marketingchef Thomas Dietschi. Zusätzlich zu den 15 Rp./kWh für den Strom vergütet Onyx generell 15,5 Rp. für den ökologischen Mehrwert. BKW-Kunden müssen anhand eines Formulars und der laut Anlagespezifikationen zu erwartenden KEV-Vergütung diesen Mehrwert individuell berechnen. Beide Modelle haben zum Ziel, dass am Ende 80 Prozent des KEV-Ansatzes für Solarstrom während der Wartefrist vergütet wird.

30 neu gemeldete Anlagen

Die erneute Senkung der KEV per 1.März habe auf das Modell der Onyx keine Auswirkungen. «Wir bleiben bis auf weiteres bei den im Februar beschlossenen 30,5 Rp.», versichert Dietschi. Seit Start des Modells seien 30 Anlagen neu gemeldet worden, mehr als 1pro Tag. Vorher hat Onyx 15 Rp. für den Strom vergütet.

Keine Praxisänderung ist bei der Solothurner Stromlieferantin AEK vorgesehen. Ulrich Münch, Bereichsleiter Strom, begründet dies damit, dass die AEK bereits seit mehreren Jahren für Solarstrom 25 Rp./kWh vergüte (12 Rp. für den Strom und 13 Rp. für ökologischen Mehrwert). «Im Kanton Solothurn werden viele Anlagen vom Kanton gefördert, im Gegenzug erhält der Kanton von den Anlagenbetreibern den ökologischen Mehrwert des Solarstroms. Dieser ist damit abgegolten. Er kann nicht zweimal verkauft werden», so Münch.

«Das ist richtig», bestätigt Urs Stuber, Leiter der kantonalen Energiefachstelle. Allerdings sei es den Stromunternehmen unbenommen, freiwillig mehr für die Solarstromförderung zu tun. «Als Unternehmen mit öffentlichem Versorgungsauftrag müssen wir für alle Kunden möglichst günstigen Strom bereitstellen. Wir können nicht einzelne Kunden bevorzugen», betont hingegen Münch. Bei der Regio-Energie Solothurn sind die Rückspeisetarife mit 15 Rp. (inkl. ökologischer Mehrwert) noch tiefer.

Förderprojekt für Investitionen

25,3 Rp. pro kWh vergütet die Elektra Fraubrunnen ihren Solarstromlieferanten, die bei KEV angemeldet sind. Im Rahmen der Energieregion Bern-Solothurn existiert zudem ein Förderprojekt für Investitionen. Es wird gespeist aus 15 Prozent der Konzessionseinnahmen, welche die 20 Standortgemeinden, die in der Energieregion mitmachen, in einen Fördertopf umleiten. Pro realisierte Anlage (Strom oder Warmwasser) zahlt die Energieregion einen Förderbeitrag von 1000 Fr. Laut Jörg Rothenbühler, Geschäftsleiter der Energieregion, wurden 2011 38 Anlagen gemeldet, wovon bisher 16 realisiert sind (die Energieregion wurde Mitte 2011 gegründet). 2012 wurden bisher 6 Anlagen angemeldet.

Vereinzelte Förderkonzepte auf Anlagenbasis existieren auch auf Gemeindeebene. Eine nationale Vorreiterrolle nimmt die Gemeinde Hessigkofen im Bucheggberg ein. Vor drei Jahren hat die Gemeinde beschlossen, aus dem Geld des Elektra-Verkaufs einen Solarförderfonds mit 100000 Fr. einzurichten. Hessigkofen wurde 2010 mit einem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet. Von den 80 Häusern im Dorf sind 46 mit Solaranlagen (für Strom, Warmwasser oder beides) ausgerüstet. Und laut Gemeindepräsident Thomas Steiner ist damit noch längst nicht Ende der Fahnenstange. «In den nächsten Tagen nehmen wir eine Strassenbeleuchtung mit LED-Technologie in Betrieb», erklärt Steiner. Die Leuchtdioden, die zunehmend Lichtstärker werden, verbrauchen nur einen Bruchteil der Energie von Glühlampen. Der Solarfonds der Gemeinde ist noch nicht aufgebraucht und wird weiter geäufnet, mittels Stromverkäufen aus der gemeindeeigenen 10-kW-Solaranlage auf dem Dach des Feuerwehrmagazins. Ab Mai werde die Anlage KEV-Vergütung erhalten, was gegenüber der eher bescheidenen Vergütung der GEBNet von 10,9 Rp./kWh eine markante Verbesserung bedeuten wird.

Im Zentrum des Interesses die Strassenbeleuchtungstechnik

Das Solardorf Hessigkofen wurde im Februar von der Sendung «Schweiz aktuell» auf SF1 porträtiert. «Der Fernsehbeitrag hat eine Lawine von Reaktionen ausgelöst», erklärt Thomas Steiner weiter. Viele Gemeinden, aber auch Privatpersonen hätten angerufen. Im Zentrum des Interesses war die neue Strassenbeleuchtungstechnik.

Auch die Gemeinde Selzach fördert schon seit zwei Jahren Solarprojekte auf ihrem Gemeindegebiet. «Wenn eine Anlage vom Bund oder vom Kanton Beiträge erhält, stocken wir diese um 50 Prozent auf», erklärt Gemeindeschreiber Christoph Brotschi. Auch hier kommen die Konzessionsgebühren zum Einsatz, welche die Gemeinde von der AEK erhält – immerhin 100000 Fr. pro Jahr. Die Mittel seien jeweils ausgeschöpft worden, erklärt Brotschi. Letztes Jahr wurden etwa 25 Anlagen aus dem Fonds gefördert. Leer ausgegangen sei noch niemand, erklärt Brotschi. Aufgrund des Baubooms von Solaranlagen musste aber eine Plafonierung der Beiträge bei 15000 Fr. eingeführt werden.

Die Solarförderung auf Gemeindestufe ist noch immer sehr punktuell und offenbar auch umstritten: Letzte Woche hat beispielsweise der Gemeinderat Solothurn eine Motion der Grünen für einen Städtischen Solarförderfonds aus Regio-Energie-Konzessionsgebühren abgelehnt.