Die grosse Bühne ist er sich in diesem Herbst gewohnt. Loris Benito durfte mit den Young Boys in der Champions League quer durch Europa vorspielen. Manchester, Turin, Valencia – das waren und sind die Gegner. Der Erfolg ist zwar überschaubar, das Abenteuer Europa aller Voraussicht nach schon bald vorbei. Und trotzdem darf der Aargauer Fussballer nun sein nächstes Highlight erleben.

Benito ist zurück im Schweizer Nationalteam. Erstmals seit Sommer 2014 wurde er von Vladimir Petkovic wieder aufgeboten. Das hat Emotionen ausgelöst. Unmittelbar nach dem Spiel vom Wochenende in St. Gallen war Benito den Tränen nahe. «Ich musste lange kämpfen und habe gelernt, den Mut nicht zu verlieren.»

Immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen

Der 26-Jährige wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Mal Probleme an der Ferse. Mal das Kreuzband gerissen. Dann den Fuss gebrochen. Oder Probleme mit dem Oberschenkel. «In solchen Zeiten verbringt man viel Zeit mit sich selber. Und lernt einiges.»

Loris Benito (l.) lancierte seine Profi-Karriere beim FC Aarau.

Loris Benito (l.) lancierte seine Profi-Karriere beim FC Aarau.

Seit gut einem Jahr spielt Benito indes verletzungsfrei durch. Er hat seinen Teil dazu beigetragen, dass YB erstmals seit 1986 wieder Meister wurde. Und wird jetzt mit dem Aufgebot in die Nati belohnt. Trainer Petkovic sagt: «Er hat sich gut entwickelt, hat gute, aber auch schwierige Momente erlebt – nun konnte er mit YB einige tolle Erfolge feiern und hat sich die Berufung verdient.»

2014 hat es nicht gepasst

Sein letztes Aufgebot kam unmittelbar nach dem Wechsel vom FC Zürich zu Benfica Lissabon. Es war, als Petkovic das Nationalteam von Ottmar Hitzfeld übernahm. «Vielleicht war es rückblickend nicht der beste Zeitpunkt», blickt Benito zurück.

Er brauchte Zeit, um sich in Portugal zurechtzufinden. Es gelang nicht wunschgemäss. Auch darum kehrte er ein Jahr später in die Schweiz zu YB zurück.

Noch einmal ein Abenteuer?

Mittlerweile steht er schon in der vierten Saison für die Berner. Im kommenden Sommer läuft sein Vertrag aus. Gut möglich, dass Benito noch einmal eine Herausforderung annimmt im Ausland. Reizen würde es ihn zweifellos.

Ob Deutschland, Italien, England oder Spanien – er kann sich vieles vorstellen. «Der Stellenwert des Fussballs ist im Ausland schon höher. In manchen Ländern gibt es kaum ein Thema daneben. In der Schweiz habe ich manchmal das Gefühl, man muss sich schon fast rechtfertigen, wenn man mit Fussball Geld verdient. Und wenn es am Sonntag regnet, dann gibt es schon auch den einen oder anderen Zuschauer, der lieber zu Hause bleibt als ins Stadion geht.»

Benito geniesst es bei YB

Trotzdem: Einen Verbleib in der Schweiz schliesst Benito keinesfalls aus. «Manchmal sollte man auch einfach sagen: Es ist gut, wie es ist.» Zu sehr geniesst er die aktuelle Phase mit YB. «Man darf schon sagen, dass wir auf einer Erfolgswelle reiten – die Champions League jetzt einmal ausgenommen.»

Das süsse Gefühl des Siegens, wird er es auch mit dem Nationaltem kennenlernen dürfen? «Wenn ich die Chance erhalte, werde ich sie nutzen», sagt Benito. Vielleicht stehen sie gegen Katar (heute, 19:00 Uhr) oder Belgien (Sonntag, 20:45 Uhr) gar nicht schlecht.

Linksverteidiger Ricardo Rodriguez leidet an Adduktorenproblemen. Und François Moubandje, zuletzt erster Ersatz, setzte bis anhin so ziemlich jede Chance in den Sand.
Klar ist: Benito stellt sich in der Hierarchie hinten an. Aber er wird alles dafür tun, um Petkovic zu beweisen, zurecht beim Nationalteam zu sein. Die Bühne steht bereit.

Im Jahr 2013 sorgten Loris Benito und ein Marder für Schlagzeilen... 

Loris Benito wird von einem Marder gebissen