Fussball regional

Die Vision des Luigi Ponte: Ist die 2. Liga interregional bald Geschichte?

Luigi Ponte will die 2. Liga interregional abschaffen.

Der designierte Präsident des Aargauischen Fussballverbandes will die 2. Liga interregional streichen – sein Vorhaben wird unterstützt.

Gibt es eine Person, welche die Szene rund um den Aargauer Amateurfussball besser kennt als Luigi Ponte? Gibt es eine Person, die den Amateurfussball besser führen und repräsentieren kann als Luigi Ponte? Gibt es eine Person, die im Amateurfussball besser vernetzt ist als Luigi Ponte? Gibt es eine Person, die bekannter, populärer und beliebter ist als Luigi Ponte?

Wohl nicht! Luigi Ponte ist ein Vollblutfussballer, ein Vollblutschiedsrichter. Auf und neben dem Spielfeld! Er ist voller Tatendrang. Sein Fleiss und sein Ehrgeiz kennen keine Grenzen. Und er hat jede Menge Ideen. Wird er am Freitag, 9. August, anlässlich der Delegiertenversammlung in Turgi erwartungsgemäss zum Präsidenten des Aargauischen Fussballverbandes (AFV) gewählt, plant der 66-Jährige eine Revolution.

Revolution mit grossen Auswirkungen

Eine Revolution, die gesamtschweizerisch grosse Auswirkungen auf den Amateurfussball hätte. Im Klartext: Ponte will die 2. Liga interregional streichen, die regionale 2. Liga aufstocken und damit den Breitenfussball in den Regionen stärken.

«Für mich ist das keine Revolution, sondern eine Vision», sagt Ponte. «Eine Vision, die auf das Wohl des Amateurfussballs in den 13 regionalen Verbänden der Schweiz ausgerichtet ist. Eine Vision, die ein Bekenntnis zu diesen Regionen ist. Starke Regionen sind für den Breitenfussball von grosser Bedeutung. Das Zuschauerinteresse in der 2. Liga interregional ist geringer als in der regionalen 2. Liga. Der Grund liegt auf der Hand:

Es gibt weniger Derbys. Mehr Derbys, mehr Fans! Und», fügt Ponte hinzu, «Anlass zu Kritik geben auch die stundenlangen Busfahrten zu den Auswärtsspielen und die daraus resultierenden hohen Reisekosten.» Apropos Kosten – interessant und pikant zugleich: In der regionalen 2. Liga kassiert ein Schiedsrichter-Trio für die Leitung eines Spiels 360 Franken. In der 2. Liga interregional sind es 660 Franken. 300 Franken Unterschied pro Spiel? Krass!

Kritik von regionalen Klubs an der 2. Liga interregional

Ponte will also die 2. Liga interregional abschaffen. Bei seinem Vorhaben ist er alles andere als ein Einzelkämpfer. Er wird von führenden Funktionären vieler Amateurvereine unterstützt. Kölliken-Sportchef Beat Müller beispielsweise sagt: «Wären wir Zweitliga-Meister geworden, hätten wir auf den Aufstieg verzichtet. Der ganze Aufwand mit Reisekosten und Verstärkung des Kaders ist einfach zu gross.» Othmarsingen-Präsident Beat Dünki doppelt nach und sagt:

«Ich bin für die Abschaffung der 2. Liga interregional. Sie ist einerseits zu wenig attraktiv und schwächt anderseits die regionale 2. Liga.» Für Lenzburg-Trainer Emilio Munera sind alleine schon die hohen Kosten für das Schiedsrichter-Trio ein Grund für die Streichung der 2. Liga interregional: «Der Unterschied in den beiden Ligen von 300 Franken pro Spiel ist happig und gibt mir zu denken.»

Und wie soll der Spielplan der regionalen 2. Liga nach der Streichung der 2. Liga interregional aussehen? Wie soll das Ganze funktionieren? «Es ist ganz einfach», sagt Ponte. «Nehmen wir den Aargau als Beispiel. Nach der Streichung der 2. Liga interregional gäbe es in der regionalen 2. Liga zwei Zehnergruppen.

Konferenz am 28. September

Es gibt eine Vorrunde mit 18 Spielen für jede Mannschaft. Danach spielen die jeweils besten fünf Teams um den Aufstieg, die Mannschaften von Rang 6 bis 10 müssen in die Abstiegsrunde. In der Entscheidung gibt es nur noch 9 Spiele pro Team.» Das heisst: Die 2.-Liga-Teams würden pro Saison 27 Spiele bestreiten. Momentan sind es 26 Partien.

Mal schauen, was aus Pontes Vision wird: Am 28. September treffen sich die 13 Schweizer Regionalpräsidenten in Luzern zu einer Konferenz der Amateurliga. Ponte wird den Antrag stellen, die 2. Liga interregional zu streichen. Um mit seinem Antrag durchzukommen, muss er mindestens 7 von 13 Präsidenten auf seine Seite bringen. Schafft er das, kommt der Ball ins Rollen: Dann ist der Verbandsrat des Schweizerischen Fussballverbandes am Zug. Wer weiss? Vielleicht ist die 2. Liga interregional nach der umstrittenen Einführung in der Saison 1999/2000 schon bald Geschichte.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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