Es ist nichts zu spüren vom oft beschworenen verflixten siebten Jahr. Das junge Team steht an der Tabellenspitze, hat alle Möglichkeiten, den direkten Aufstieg in die NLA zu realisieren. In der Krise ist die Beziehung Cordas - TVE keineswegs.

Im Gegenteil: Nach dem gesundheitlichen Zusammenbruch des 52-jährigen Österreichers Ende April dieses Jahres während einer Meisterschaftspartie ist man noch näher zusammengerückt. «Mir persönlich fällt dieser Entscheid doppelt schwer. Mit Zoltan verliere ich nicht nur einen hervorragenden Trainer, sondern auch einen guten Freund», sagt Geschäftsführer Christian Villiger. «Es war auf jeden Fall ein sehr schwieriger Entscheid.»

Kein Grund zur Kritik

Wieso verhält man sich denn überhaupt antizyklisch und reicht die Scheidung zu einem Zeitpunkt ein, wo von einer Ehekrise weit und breit nichts zu spüren ist? Auch diese Antwort fällt Villiger nicht leicht: «Vielleicht ist es besser, man kann so etwas entscheiden, ohne dass es in der Not geboren ist. Aber ich hätte effektiv Mühe, Kritikpunkte zu finden. Zoltan hat bei uns fantastische Arbeit geleistet. Aber sieben Jahre sind eine lange Zeit. Wir waren der Meinung, dass der Zeitpunkt gekommen ist, neue Impulse zu setzen.» Kein Faktor bei diesem Entscheid seien die gesundheitlichen Probleme von Cordas im Frühjahr gewesen.

Damit beide Seiten genügend Zeit haben, sich neu zu orientieren und die Zukunft zu planen, entschied sich die Klubführung, den Entscheid zu einem derart frühen Zeitpunkt zu fällen. Gemäss Villiger prüft der TVE derzeit, ob man Cordas ein Angebot für eine andere Funktion unterbreiten will.

«Schliesslich gehört er irgendwie zu Endingen und ich weiss nicht, wie es sein wird, wenn er einmal nicht mehr hier ist», sagt der Geschäftsführer und gibt gleichzeitig ein Empfehlungsschreiben für einen potenziellen neuen Arbeitgeber ab: «Zoltan muss für jeden Klub, der mit einer jungen, wilden Truppe vorankommen will, ein Kandidat sein. Er hat extreme Qualitäten, wenn es darum geht, Talente zwischen 16 und 22 Jahre zu fördern. Da kenne ich keinen Besseren.»

Wenn man ihn nicht schon sieben Jahre lang erlebt hätte, müsste die Surbtaler Talentschmiede gemäss Anforderungsprofil des neuen Trainers eigentlich zuerst wieder beim Namen Cordas landen. Endingen werde auch in Zukunft ein Ausbildungsverein sein, der seinen Platz irgendwo zwischen den beiden obersten Ligen hat, meint Villiger.

Deshalb suche man einen Trainer, der «junge Spieler führen kann und sie punkto taktischer wie technischer Fähigkeiten weiterbringt». Ideen, wer das sein könnte, seien zwar vorhanden, der Zeitpunkt für Namen aber viel zu früh. Eine Gruppe unter Führung von Villiger und Handball-Legende Werner Locher wird sich auf die Suche nach der möglichst optimalen Lösung machen.

Cordas und die Mission

Doch wie steht Zoltan Cordas selber zu dieser Scheidung? «Für mich ist es keine Überraschung und auch nichts Gravierendes, schliesslich bin ich schon seit sieben Jahren hier. Das ist doch immerhin Vereinsrekord. Und wenn es nach mir wieder jemanden geben wird, der sieben Jahre schaffen sollte, dann zahle ich ihm ein Bier.»

Er hoffe, dass er die Erwartungen in dieser Zeit erfüllt habe, sagt der charismatische Handball-Lehrer und stellt nüchtern fest: «Meine Mission hier ist zu Ende». Er werde sich nun genügend Zeit nehmen, um eine neue Herausforderung zu finden. Es gebe aber keinen Grund für einen Schnellschuss.

Man merkt dem 52-jährigen Linzer an, dass er weniger über seine persönliche Zukunft sprechen, sondern sich auf die abschliessenden Monate mit dem NLB-Team konzentrieren will. Denn eigentlich irrt Zoltan Cordas. Seine Mission in Endingen ist noch nicht zu Ende. Der Aufstieg in die Nationalliga A ist die letzte grosse Herausforderung in seinem aktuellen Job. Cordas wird wie immer alles dafür geben. Denn wieso soll man sich nicht auch zu einer Scheidung beschenken?