Ciril Grossklaus
Judoka geht wegen Olympia das Geld aus: "Offen gesagt: Ich bin bald Pleite"

Der Brugger Judoka Ciril Grossklaus nimmt einen letzten Anlauf Richtung Olympia: Es ist für ihn nicht nur ein Kampf um die Qualifikation für Tokio, sondern auch ein Kampf abseits der Matte. Die coronabedingte Verschiebung des Grossanlasses um ein Jahr, stellt Grossklaus vor finanzielle Herausforderungen.

Marcel Kuchta
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Gegen den Ukrainer Quedjau Nhabali setzte sich Ciril Grossklaus (r.) in der zweiten Runde durch.

Gegen den Ukrainer Quedjau Nhabali setzte sich Ciril Grossklaus (r.) in der zweiten Runde durch.

Lozano/SJV

Endlich wieder ein internationaler Wettkampf! Ziemlich genau acht Monate waren vergangen, seit Ciril Grossklaus sich das letzte Mal im Ausland mit seiner Judo-Konkurrenz hatte messen dürfen. Ende Februar in Düsseldorf war das. Danach stand die Sportwelt bekanntlich still. Auch bei den Judokas. Inklusive Olympische Spiele wurden alle Events abgesagt. Bis Ende Oktober wieder ein Turnier im Rahmen der IJF-Welttournee über die Bühne gehen konnte.

In Budapest war auch Grossklaus am Start und zeigte – unter aussergewöhnlichen Umständen – eine starke Leistung. Zwei Covid-Tests vor der Anreise und zwei unmittelbar vor dem Wettkampf gehörten unter anderem zu den rigorosen Corona-Schutzmassnahmen. Das hinderte Ciril Grossklaus nicht daran, zwei Kämpfe zu seinen Gunsten zu entscheiden, ehe er im Achtelfinal an der Weltnummer 1, den Spanier Nikoloz Sherazadishvili, scheiterte.

Stand jetzt für Olympia Qualifiziert

Für seinen Effort wurde der Brugger insofern belohnt, als dass er – Stand jetzt – einen der Quotenplätze belegt, die für eine Olympia-Qualifikation reichen würden. Aber eben: das ist nur eine Momentaufnahme. Der Weg nach Tokio ist für Ciril Grossklaus noch ein weiter. Aber der Start in die internationale Saison, welche in zwei Wochen mit der Europameisterschaft in Prag fortgesetzt wird, macht dem 29-Jährigen Mut: «Ich habe mich schon vor dem Turnier in Budapest sehr gut gefühlt.» Sein Gefühl täuschte ihn nicht.

Sportlich gesehen ist das Ziel des Routiniers mit den Olympischen Spielen im kommenden Jahr klar. Aber es drohen ihm nicht nur harte Kämpfe auf der Matte, sondern auch daneben. Der Blick ins Portemonnaie sorgt bei Ciril Grossklaus für Kopfschmerzen. «Offen gesagt, bin ich bald pleite. Das Geld genügt knapp bis Neujahr», beschreibt er seine prekäre finanzielle Situation ohne Umschweife. Das Problem: Die Vereinbarungen mit den Sponsoren und Gönnern waren auf den üblichen Olympia-Zyklus von vier Jahren terminiert. Da sich Tokio nun um ein Jahr verzögert hat, hat sich eine monetäre Lücke aufgemacht, die gestopft werden muss. Grossklaus überlegte im Sommer intensiv, ob und wie es weitergehen kann: «Für mich ist klar, dass ich auch den Schlussspurt als Profisportler bestreiten will und muss – alles andere wäre unseriös. Das bedeutet aber auch, dass es zusätzlicher finanzieller Unterstützung bedarf.»

Im kommenden Sommer ist Schluss

Die ersten Feedbacks der Sponsoren seien durchaus positiv, bemerkt der Aargauer Spitzenjudoka, der seinen Sport – trotz der vielen Entbehrungen, die er in seinem selbst gewählten Profidasein auf sich nimmt – immer noch mit Feuer und Leidenschaft betreibt. Bis im kommenden Sommer wird er das sicher noch tun. Und dann, wenn alles nach Plan läuft, seine internationale Karriere mit einer Olympia-Teilnahme abschliessen. Grossklaus hat sich «nach reiflicher Überlegung» dagegen entschieden, nochmal einen Olympia-Zyklus in Angriff zu nehmen. «Egal wie meine zweite Olympia-Kampagne endet, danach ist meine internationale Karriere vorbei.» Für die Zeit danach hat er eine Anstellung als Trainer ins Auge gefasst.