Zofingen

Oftringer Giovanni Arcadio ist Weltmeister im Natural Bodybuilding

Diese beiden Trophäen schleppte Giovanni Arcadio ins Physical-Fitness. (gam/zvg)

Diese beiden Trophäen schleppte Giovanni Arcadio ins Physical-Fitness. (gam/zvg)

Für einmal ist Giovanni Arcadio nicht im Physical-Fitness in Zofingen, um zu trainieren. Bis zu fünfmal pro Woche kommt er normalerweise her, um seine Muskeln zu stählen. Doch jetzt bringt er seine schweren Pokale vorbei.

Seit Samstag ist Giovanni Arcadio Masters-Weltmeister im Natural Bodybuilding. «Ein wahnsinniges Gefühl», sagt er, seine Augen funkeln dabei genauso wie die goldenen Statuen, die die zwei Trophäen schmücken, mit denen er eben erst aus den USA heimgekehrt ist. «Ich bin kein emotionaler Mensch», betont der 50-Jährige, «aber bei der Siegerehrung hatte ich feuchte Augen.»

Immer wieder seien die Sekunden, in denen er mit seinem letzten Konkurrenten in Pose auf der Bühne stand, präsent. «In meinem Kopf lief ein Film ab, ich dachte an alle, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Ich sah meine Familie, meinen Arbeitgeber, meinen Coach, meine Betreuer im Nationalteam.» Auf einmal dröhnten die Worte des Moderators an sein Ohr: «And the Winner is ...». Als Giovanni Arcadios Name ertönt, hopste dieser wie ein kleiner Junge herum. «Ich fühlte Freude und Genugtuung.»

Giovanni Arcadio hatte nicht mit einer Teilnahme an der WM in Atlantic City gerechnet, obwohl er seit langem intensiv trainiert. Seit 25 Jahren ist er fasziniert vom Natural Bodybuilding, bei dem sich die Athleten gegen illegale Substanzen aussprechen, vor nationalen Titelkämpfen gar einen Lügendetektortest absolvieren. «Ich mag es, meinen Körper zu formen», sagt Arcadio. Die Schweizer Meisterschaften 2012 hatte er selber als Abschied vom Wettkampf- sport geplant - und wurde nach einer umstrittenen Entscheidung Zweiter. «Wieder einmal», sagt der Oftringer, dessen Palmares unzählige zweite Plätze aufweist. Statt in die Umkleidekabine schickte ihn die SM-Jury aber noch mal auf die Bühne und bot ihm wie dem Schweizer Meister ein WM-Ticket an.

Gesucht: Pass und «Lockerheit»

Nach kurzer Diskussion mit der Familie nahm Giovanni Arcadio das Abenteuer USA in Angriff, organisierte in Windeseile einen biometrischen Pass, nahm Ferien und flog mit dem Nationalteam für vier Tage in die Staaten. «Zum ersten Mal überhaupt», verrät der 1,65-Meter-Mann und fügt überwältigt an, «da logiert der ‹kleine Giovanni‹ aus der Schweiz im Luxusschuppen und steht auf der Bühne des Trump Plaza, wow.» Er schwärmt davon, wie das frenetische Publikum reagierte, als er seinen eingeschmierten Körper, bis in die letzte Muskelfaser gespannt, präsentierte. Giovanni Arcadio steigerte sich an der WM im Vergleich zu SM. «Er legte seinen damals etwas verbissenen Gesichtsausdruck ab», weiss sein langjähriger Coach Hans Meyer. «Vielleicht, weil ich trotz aller Anstrengung den Event total genoss», sagt Giovanni Arcadio, der die Jury als Gesamtpaket überzeugte und als Lohn nebst den zwei Pokalen «viele unbezahlbare Erfahrungen» heimnahm.

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