Hinter Randy Vock liegen emotionale Stunden, als er am Flughafen Bukarest auf den Heimflug nach Zürich wartet. Am Vortag hat er sich einen Lebenstraum erfüllt und EM-Bronze im Freistilringen gewonnen. Es ist die erste Schweizer EM-Medaille seit 2007, als Reto Bucher Silber im Greco gewann. Im Freistil warteten die Schweizer Ringer vor Vocks Exploit sogar seit 1946, als Fritz Stöckli Silber holte, auf eine EM-Medaille. Wie einst Reto Bucher gehört auch Randy Vock zur Ringerstaffel Freiamt. Ihr Anteil am Erfolg sei riesig, sagt Vock.

Können Sie schon realisieren, dass Sie einen fast historischen Erfolg feierten.

Randy Vock: Nicht wirklich. Mein Umfeld hat mich zwar darauf hingewiesen, aber wirklich angekommen ist es noch nicht. Dieser Erfolg ist einfach unglaublich.

Haben Sie mit einem solchen Erfolg gerechnet?

Ich habe gewusst, dass viel möglich ist, wenn ich einmal längere Zeit ohne Verletzungen bleibe.

Das war zuvor selten der Fall?

Seit einem Dreivierteljahr bin ich nun verletzungsfrei. Zuvor konnte ich seit 2007 kaum einmal sechs Wochen am Stück trainieren. Muskuläre Probleme, ein Bänderriss und ein Bruch der Rippen haben mich immer wieder zurückgeworfen.

Was haben Sie verändert?

Meine Trainer Reto Gisler und Michel Fink haben mich ermutigt, weniger zu tun, um mich komplett zu erholen. Es war ein Schritt zurück, um zwei nach vorne zu machen.

Sie schrieben auf Ihrer Homepage, Ringen sei mehr als ein Sport. Es sei ein Lebensstil. Wie meinen Sie das?

Ich bin 150 Tage im Jahr im Ausland. Oft in Ländern, in denen die Lebensqualität tief ist. Wir verzichten auf sehr vieles, um unseren Sport zu leben. Wenn es nicht läuft, sind es manchmal schwierige Zeiten so weit weg von zu Hause. So weit weg vom gemachten Nest.

Nun haben Sie sich selbst für alle Strapazen belohnt. Was ging Ihnen durch den Kopf, als die Bronze-Medaille feststand.

Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Mir sind noch einmal alle schwierigen Momente auf dem Weg hierhin eingefallen. Und ich spürte: Das Leiden und der Verzicht haben sich gelohnt.

Ringen ist eine olympische Disziplin. Tokio 2020 ist also Ihr Traum?

Meine Gewichtsklasse (bis 61 kg; die Red.) ist leider nicht olympisch. Ich müsste ab- (für Kategorie bis 57 kg; die Red.) oder zunehmen (bis 65 kg; die Red.). Mein Körper passt aber ideal in meine Klasse. Für Olympia müsste ich also hungern oder dann gegen schwere Gegner, die rein körperlich überlegen sind, bestehen. Der Traum lebt zwar weiter. Aber einfach wird es für mich nicht.