Reaktionen
«Der beste Präsident, den der FC Aarau je hatte»: So würdigen Fans, Spieler und Medien Ernst Lämmli

Der Tod von Ernst Lämmli hat weit über den FC Aarau hinaus grosse Betroffenheit ausgelöst: In den sozialen Medien drücken zahlreiche Menschen ihr Mitgefühl aus und ehren den Holziker für dessen Wirken als Fussballfunktionär.

Sebastian Wendel
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Gemischte Gefühle am Wochenende bei den Anhängern des FC Aarau: Da ist die Freude über den spektakulären 5:2-Auswärtssieg gegen Stade Lausanne-Ouchy, verbunden mit dem punktemässigen Sprung auf die Tabellenspitze. Dennoch dürfte die Trauer dominieren - die Trauer über den Tod von Ehrenpräsident Ernst Lämmli, der das wohl bedeutendste Kluboberhaupt der Klubgeschichte war. Von 1989 bis 2000 führte er den FC Aarau durch finanziell schwierige Zeiten und feierte mit dem Meistertitel und Europacup-Qualifikationen grosse Erfolge mit dem «kleinen» FCA. Entsprechend riesig die Anteilnahme nach dem Tod der Klublegende.

«Eine Ikone der FCA-Familie - und ein Visionär. Danke für alles», schreibt etwa Facebook-User Reto Baumann unter den Post des FC Aarau - und tangiert damit auch die Pläne für ein neues Stadion, die Lämmli in den 90er-Jahren anstiess. «Hätte man ihn ernster genommen, wir hätten schon längst ein neues Stadion», meint Roman Lehmann.

Rund 100 Personen sprechen auf Facebook ihr Beileid aus - ein Vielfaches mehr als die Reaktionen auf aktuelle Siege oder Niederlagen. Vor allem die menschlichen Vorzüge Lämmlis werden von den Fans hervorgehoben - stellvertretend dafür der Beitrag von Urs Widmer: «Solche Präsidenten werden heute im Fussball an allen Ecken und Enden vermisst. RIP.»

Auch Spieler der Meistermannschaft von 1993 melden sich zu Wort. Rechtsverteidiger David Bader schreibt im Namen der damaligen Akteure:

«Tief betroffen hat auch die Meistermannschaft samt Staff die traurige Nachricht hinnehmen müssen. Es bleiben uns viele schöne und unvergessliche Erinnerungen, für die wir Ernst immer dankbar sein werden. Unsere Gedanken sind bei der Familie, der wir unser tiefstes Beileid aussprechen. In Verbundenheit die Meistermannschaft samt Staff»

Salvatore Romano, ebenfalls einer der Meisterhelden 1993, zeigt sich betroffen vom Tod Lämmlis und ehrt den ehemaligen Präsidenten mit den Worten:

«Ruhe in Frieden Präsi! Mein Beileid der Familie der beste und grösste PRÄSIDENT»

Sogar der Franzose Olivier Baudry, der gegen Ende von Lämmlis Präsidentschaft zum FC Aarau stiess und ihn nur kurz kennenlernte, meldet sich aus seiner Heimat, um den Angehörigen zu kondolieren. Symptomatisch für den bleibenden Eindruck, den Lämmli bei «seinen» Spielern hinterliess: Einige von ihnen standen bis zuletzt in engem Kontakt mit Lämmli.

Auf den Instagram-Eintrag des FC Aarau reagiert hat Goalielegende Ivan Benito, der in den 90er-Jahren unter Lämmli den Sprung aus dem Nachwuchs ins Tor der Profimannschaft schaffte:

«Ruhe in Frieden - danke für ALLES… Vor allem deine Menschlichkeit und der überragende Humor wird mir für immer in Erinnerung bleiben…»

Auch Gökhan Inler, der Lämmli nicht mehr beim FC Aarau, dafür im Kreis der Schweizer Nationalmannschaft kennen- und schätzen lernte, drückt sein Mitgefühl aus.

Die Medien haben landesweit über Lämmlis Tod berichtet: Schliesslich hinterliess der Holziker nicht nur im Aarauer Brügglifeld, sondern auch auf der grossen Bühne tiefe Spuren. Lämmli war von 2001 bis 2009 Delegierter der Schweizer Nationalmannschaft und als solcher eine prägende Figur. Er hatte die Installation von Köbi Kuhn sowie von Ottmar Hitzfeld als Trainer zu verantworten und übte sein Amt mit grosser Präsenz aus. Der langjährige «Blick»-Sportchef Felix Bingesser schreibt einen persönlichen Essay über die etlichen Begegnungen mit Lämmli und nennt diesen «Schlitzohr hinter Schnauz und Stumpen».