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Wer Vereinsbons ersteigert, tut wenig Gutes: Warum Trittbrettfahrer von der Migros-Aktion profitieren

Gut gemeint ist in diesem Fall nicht gut gemacht: Wer auf Auktionsplattformen Vereinsbons ersteigert, unterstützt damit die Verkäufer. Eine Direktspende an den Verein würde mehr bringen. Migros verurteilt die Versteigerungen, Ricardo verteidigt sie.

Martin Probst
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Eine gute Aktion, die weniger gute Folgen hat.

Eine gute Aktion, die weniger gute Folgen hat.

zvg

Die Angebote sind zahlreich, das Interesse ist gross. Auf Auktionsplattformen und in Kleinanzeigen werden derzeit immer wieder Vereinsbons der Migros ange­boten. Der Grossverteiler verspricht, den Amateursport mit drei Millionen Franken zu unterstützen.

Pro 20 Franken Einkauf gibt es einen Bon, der einem Verein zugewiesen werden kann. Die Anzahl erhaltener Vereinsbons entscheidet dann, wie gross der Anteil am gesamten Verteiltopf ist.

So weit, so gut. Die Aktion stösst bei den Vereinen auf sehr grosses Interesse – und beschert dem Lebensmittelkonzern viel Aufmerksamkeit und Werbung. Kurz: Die Marketingaktion ist ein voller Erfolg.

Mehr Vereine, weniger Geld

Mit jedem zusätzlichen Verein, der mitmacht, wird allerdings der Betrag, der pro Bon verteilt wird, geringer. Dies, weil jeder Verein einen Teilnahmebonus von 100 Franken erhält. In der Kategorie für Vereine mit bis zu 100 Mitgliedern sind bereits über 4500 Klubs dabei. Womit von der Million, die für diese Kategorie vorgesehen ist, mehr als 450000 Franken weg sind. Das restliche Geld wird per Bons verteilt.

Hochrechnungen zeigen, dass es pro Bon weniger als 20 Rappen sein werden, die an die Vereine gehen. Und hier entsteht das Problem: Auf der Auktionsplattform Ricardo sind die Menschen bereit, bis zu einem Franken pro Bon zu bezahlen. Somit gehen mehr als Dreiviertel der gut gemeinten Spende statt an den Verein an einen Zwischenhändler.

Beispiel: Kauft jemand auf Ricardo für 100 Franken 100 Bons, erhält der Verein am Ende vielleicht 20 Franken. Hätte der Bieter die 100 Franken direkt an den Verein gespendet, wäre alles angekommen. Gut gemeint ist in diesem Fall also nicht gut gemacht.

Das ist auch Fabian Senn aufgefallen. Der Präsident der Hornussergesellschaft Rothrist-Olten hat auf dem Facebook-Profil des Vereins dazu auf­gerufen, bitte keine Bons zu ersteigern. Senn sagt:

«Es kann nicht sein, dass jemand von einer eigentlich guten Sache profitiert.»

Und damit den Vereinen Geld wegnimmt, das eigentlich eine Spende hätte sein können.

Erlaubt oder nicht? Ein Thema, zwei Meinungen

Der Migros sind die Auktionen und Kleinanzeigen bekannt. Auf Anfrage heisst es, dass dies gemäss Teilnahmebedingungen nicht erlaubt sei und Ricardo kontaktiert wurde. Die Auktionsplattform bestätigt, den Hinweis erhalten zu haben, schreibt aber: «Der Weiterverkauf der Vereinsbons ist grundsätzlich zulässig. Es muss jedoch sichergestellt werden, dass die Codes auf den Bons nicht sichtbar sind». Ansonsten würden die Angebote gelöscht.

So oder so: Am sinnvollsten ist es, direkt an die Vereine zu spenden. Die Hornussergesellschaft Rothrist-Olten sammelt zwar ebenfalls Bons, um eine Brücke zwischen Klubhaus und Platz zu sanieren. Reichen wird der Beitrag, den sie erhalten werden und schätzen, aber niemals. Dafür gibt es pro Bon am Ende zu wenig.