Vor einem Jahr fasste Tobias Künzi einen gewagten Entschluss. Nach dem Abschluss der Sportkanti in Aarau setzte er voll auf die Karte Spitzensport. Ausbezahlt hat sich der Entscheid schon in diesem Februar, als der 21-Jährige die Schweizer Meisterschaft im Einzel für sich entschied und im Doppel die Bronzemedaille holte.

Nun steht heute das Highlight in der noch jungen Karriere des Badminton-Profis bevor. An der Seite des Freiburgers Oliver Schaller startet er an der Heim-WM in Basel im Doppel. Und das, obwohl sich Künzi eigentlich aufs Einzel spezialisiert hat. Wie kam es dazu?

Die Schweiz verfügt als Gastgeberland der WM in jeder Disziplin über je einen Quotenstartplatz, der auch via Wild Card vergeben werden kann, wenn der Spieler nicht auf dem geforderten Weltranglistenplatz steht. Da im Einzel mit dem Baselbieter Christian Kirchmayr ein anderer Schweizer zum Einsatz kommt, entschied der Verband, den Aargauer im Doppel starten zu lassen.

Für Künzi kam dieser Entscheid überraschend: «Ich habe damit gerechnet, dass es im Einzel wahrscheinlich nicht reichen wird. Die Option mit dem Startplatz im Doppel hatte ich gar nicht auf der Rechnung.»

Die erste Runde überstehen

Den WM-Einsatz in Basel hat sich der Aargauer durch starke Leistungen auf internationaler Ebene verdient, unter anderem mit dem erstmaligen Halbfinalvorstoss am Hellas International in Griechenland. Für Künzi, der sich in der Weltrangliste kontinuierlich nach vorne arbeitet (aktuell ist er auf Position 191 klassiert), war dies der bisher grösste Erfolg in der Elitekategorie.

Nun folgt mit der Heim-WM gleich das nächste Highlight. «Dass meine erste WM gleich im eigenen Land stattfindet, macht das Ganze schon sehr speziell», sagt Künzi. Der Gedanke, beim Einmarsch in die St. Jakobshalle diverse bekannte Gesichter zu erblicken, erhöht die Vorfreude beim gebürtigen Untersiggenthaler zusätzlich.

Dass das Duo die erste Schweizer Medaille an einer WM überhaupt gewinnt, ist indes nicht realistisch. Zu stark ist die Konkurrenz aus Asien. «Es hängt viel von der Auslosung ab, es gibt durchaus Gegner, die in unserer Reichweite liegen.»

Das Wunschszenario des Aargauers: «Ein Sieg in der ersten Runde, um dann in der zweiten Runde auf einen absoluten Top-Gegner zu treffen.» Das Los meinte es so lala mit den Schweizern: In der ersten Runde trifft das Duo auf ein an Nummer 32 klassiertes indisches Doppel. «Favorit sind wir nicht. Aber wir sind nicht chancenlos.»

Das grosse Ziel bleibt Olympia 2024

Die Saisonvorbereitung, die Künzi Anfang Juli in Angriff genommen hat, stellte er wegen der WM jedoch nicht komplett um. Zwar steigerte er die Trainingsumfänge im Doppel, ist jedoch bedacht, das Einzel dabei nicht zu vernachlässigen. «Der Fokus liegt nach wie vor auf dem Einzel, denn kurz nach der Weltmeisterschaft geht die Saison bereits wieder los.»

Das langfristige Ziel bleibt weiterhin die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Beibehalten wird vorläufig auch sein Status als Profi. Künzi sagt: «Dank der guten Qualität im Training und der vollen Konzentration auf den Sport habe ich im vergangenen Jahr noch einmal einen grossen Schritt nach vorne machen können. Es war definitiv die richtige Entscheidung.»