Trainingslager

Warum die Fussballer des FC Koblenz trotz Corona-Krise in der Südtürkei waren

Trainer Cimran Kurtisi (h.l.) und seine Spieler posieren im Trainingslager in der Türkei.

Trainer Cimran Kurtisi (h.l.) und seine Spieler posieren im Trainingslager in der Türkei.

Trainer Cimran Kurtisi und sein Team sind zurück aus dem Trainingslager in der Südtürkei. Doch warum reisten sie überhaupt mitten in der Corona-Krise? Weil weder die Schweizer Botschaft noch das Reisebüro davon abrieten.

«Ich bin ein bisschen müde von dieser intensiven Woche», sagt Cimran Kurtisi. «Aber wir sind am Samstag alle sicher und gesund nach Hause gekommen.» Kurtisi ist Trainer des Aargauer Fussball-Drittligisten FC Koblenz und war in der vergangenen Woche mit seinem Team trotz Corona-Krise im Trainingslager in der Südtürkei. Doch wie kam es dazu?

Als der Fussballverband bekannt gab, dass der Spielbetrieb bis mindestens Ende April ausgesetzt wird, waren die Flüge und der Aufenthalt im Hotel bereits gebucht und bezahlt. Sofort setzte sich der Verein mit dem Reisebüro in Verbindung. Zudem wurde die Schweizer Botschaft in der Türkei kontaktiert. «Wir haben alles gründlich abklären lassen», sagt Kurtisi. Das Team wäre nicht gereist, wenn das Reisebüro oder die Botschaft empfohlen hätten, es nicht zu tun.

Nicht das einzige Team aus der Schweiz

Doch das taten sie nicht. Und so ist das Team am Samstag vor einer Woche in das Flugzeug gestiegen. Nur vier Spieler und Kurtisis Trainerkollege Rosario Vaccario haben vorsichtshalber auf die Reise in die Südtürkei verzichtet.

Die Türkei war bis zum Tag der Abreise praktisch gar nicht vom Corona-Virus betroffen. Wohl deshalb waren die Koblenzer nicht die einzige Mannschaft im Hotel. Ein Team aus dem Kanton Bern logierte ebenso dort, wie auch mehrere russische Mannschaften.

Während des Aufenthalts hat aber auch das Hotel Massnahmen gegen das Virus er­griffen. Das Desinfizieren der Hände wurde zur Gewohnheit, beim Essen hielten die Spieler jeweils einen Abstand von zwei Metern zueinander ein. Zudem musste die Mannschaft auf einen Ausflug verzichten. Lagerkoller kam trotzdem nicht auf, die Hotelanlage in Lara war sehr weitläufig. «Und wir haben uns noch besser kennen gelernt und sind als Mannschaft zusammengewachsen», sagt Trainer Kurtisi, der das Trainingslager in sehr positiver Erinnerung behalten wird.

Kurtisi hofft nun auf die Fort­setzung der Meisterschaft. Das ist verständlich, seine Mannschaft spielt bis dato eine starke Saison, liegt in ihrer Gruppe auf dem sechsten Tabellenrang – punktgleich mit dem Zweit­klassierten. Zudem steht das Team auch im Viertelfinal des Aargauer Cup, wo Koblenz mit Schönenwerd-Niedergösgen sogar schon einen Zweitligisten ausgeschaltet hat.

Homeoffice statt Mannschaftstraining

Am Samstag kehrte das Team ohne Probleme nach Zürich zurück. Dass sich die Situation rund um das Corona-Virus in der Schweiz während der vergangenen Woche verschärft ­hatte, realisierten die Koblenzer am Flughafen. «Es war speziell, wie sehr darauf geachtet wurde, dass wir den Sicherheitsabstand einhalten und wie schnell wir aus dem Flughafengebäude raus waren», sagt Kurtisi. Und was, wenn die Saison nun doch abgebrochen und vielleicht gar nicht gewertet wird wie im Eishockey oder im Handball?

Daran mag Kurtisi noch nicht denken: «Ich glaube bis zum letzten Tag daran, dass wir den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Und sollte es soweit kommen, wollen wir auch irgendwie vorbereitet sein.» Er sei sich aber durchaus bewusst, dass sich die Lage täglich ändern kann und dass man das Virus ernst nehmen müsse. «Eine gewisse Unsicherheit besteht natürlich immer. Wir nehmen das Ganze nicht auf die leichte Schulter. Jetzt ist ­natürlich auch Selbstdisziplin gefragt.» Vorderhand trainieren die Spieler individuell zu Hause. Mannschaftstrainings sind nicht erlaubt.

Die wohl grösste Umstellung erleben die Koblenzer aber erst heute zum ersten Mal. Mehrere Spieler des Teams – und auch Trainer Kurtisi – werden in den nächsten Wochen im Home­office arbeiten, andere auf der Baustelle mit Sicherheitsabstand. Als sie vor mehr als einer Woche ins Flugzeug gestiegen sind, war das noch anderes.

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