Challenge League
Weshalb der Auswärtssieg in Winterthur der Wendepunkt für den FC Aarau sein könnte

Bis zur Halbzeitpause prägten Ciarrocchi und Radice mit je einem Treffer das Spiel gegen ihren jeweiligen Ex-Verein. Der FC Aarau vermochte in der zweiten Halbzeit einen Gang hochzuschalten und wurde mit Wüthrichs Siegestreffer und dem Anschluss an die Tabellenspitze belohnt.

Dean Fuss (Text) und Patrick Haller (Liveticker)
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Impressionen des Spiels FC Winterthur - FC Aarau

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Plötzlich wird es noch einmal hektisch auf der Winterthurer Schützenwiese. Das Heimteam lehnt sich ein letztes Mal gegen die sich anbahnende 1:2-Niederlage gegen den FC Aarau auf. Und tatsächlich: Der Ball kommt gefährlich in den Sechzehner der Gäste. Marco Trachsel kommt zum Abschluss, doch FCA-Verteidigungsminister Stéphane Besle wirft sich heroisch in den Schuss. Trachsels Nachschuss pariert FCA-Torhüter Lorenzo Bucchi mit den Fäusten, bevor er den Ball definitiv behändigt. Die Szene ist ausgestanden. Der erste Saisonsieg mit dem bald darauffolgenden Schlusspfiff für die Aarauer im Trockenen.

«Jungs, heute müsst ihr Männer sein!» Unter diesem Motto hatte Trainer Marco Schällibaum sein Team auf den Rasen geschickt, wie er nach der Partie zu Protokoll gab. Und seine Spieler standen ihren Mann. Sie liessen sich zwar kurzzeitig etwas davon irritieren, dass Luca Radice – ausgerechnet er, der bis Ende der vergangenen Saison während zweieinhalb Jahren beim FCA gespielt hatte – die Partie nur drei Minuten nach Alessandro Ciarrocchis (17.) herrlich herauskombiniertem Führungstreffer wieder ausglich.

Aber sie liessen sich davon nicht aus der Bahn werfen. Nach verhaltener erster Halbzeit übernahm der FCA nach der Pause das Spieldiktat und ging dementsprechend verdient erneut in Führung. Sébastien Wüthrich vollendete einen Angriff nach einem klugen Querpass von Zoran Josipovic in den Rücken der Winterthurer Abwehr in der 50. Minute souverän. Was danach folgte, war vielleicht kein Augenschmaus – aber auf jeden Fall ein kämpferisch sehr starker Auftritt.

So sah es auch Trainer Schällibaum: «Das war eine starke Leistung meines Teams. Und: Schlussendlich hatten wir die nötige Entschlossenheit. Darauf können wir auf jeden Fall aufbauen», sagte er. Der Sieg dürfte für den weiteren Verlauf der Saison nicht ganz unwichtig sein. Oder vielmehr die Art und Weise, wie sich die Aarauer diesen Sieg zum Ende verdienten: nicht mit Firlefanz und spielerischen Glanzpunkten, sondern vielmehr mit Willen und Kraft.

Da war doch mal was ...

Erinnerungen werden wach. Erinnerungen an einen Februartag zu Beginn des Jahres. Damals war der FCA im Tessin beim FC Chiasso zu Gast. Es war die zweite Partie der Rückrunde der vergangenen Saison. Der FCA war mit einem 1:1 zu Hause gegen Biel – das später aufgrund des Bieler Lizenzentzugs annulliert worden war – gestartet und hatte Chiasso in einem kampfbetonten Spiel mit viel Esprit, aber wenig Eleganz 2:1 besiegt. Was danach folgte, ist bekannt. Der FCA arbeitete sich vom letzten Platz in der Tabelle bis auf den vierten Schlussrang vor. Das Spiel in Chiasso wurde in der Retrospektive zum Wendepunkt der Saison 2015/16.

Die Ausgangslage vor der gestrigen Partie vor 3000 Zuschauern und auch deren Ausgang hätten kaum ähnlicher sein können. Dementsprechend würde es nicht überraschen, sollte der 2:1-Sieg in Winterthur in der Nachbetrachtung in ein paar Monaten als Wendepunkt für die laufende Saison ausgemacht werden. «Es war eine schwierige Partie. Das haben wir so erwartet. Der Sieg ist enorm wichtig und gibt uns Kraft für die kommenden Aufgaben», sagte Siegtorschütze Wüthrich.

Für den 26-jährigen Neuzuzug war es die Tor-Premiere in einem Pflichtspiel für den FCA. Dasselbe gilt für Ciarrocchi. Doch wollten beide in bekannter Fussballer-Manier ihren eigenen Anteil am Sieg nicht überbewerten. «Es ist natürlich schön, dass ich getroffen habe. Am Ende werde ich als Stürmer daran gemessen», sagte der 28-jährige Ciarrocchi. «Aber es ist das Verdienst eines jeden einzelnen in unserem Team, dass wir diese wichtigen drei Punkte einfahren konnten.»

Schlussendlich ist in der Tat nicht von Bedeutung, wer den FCA zu Punkten schiesst. Weil der FC Zürich den Sieg in Wil (1:1) spät noch aus der Hand gab, bewegen sich Wüthrich und Co. aktuell auf Augenhöhe mit dem meistgenannten Aufstiegskandidaten.

Winterthur - Aarau 1:2 (1:1)

Schützenwiese. – 3000 Zuschauer. – SR Fähndrich. – Tore: 17. Ciarrocchi 0:1. 20. Radice 1:1. 50. Wüthrich 1:2.

Winterthur: Von Ballmoos; Di Gregorio, Russo, Katz, Schättin (63. M. Sutter); N. Sutter, Kamber; Dessarzin (88. Trachsel), Silvio, Radice; Sliskovic (71. Nsiala).

Aarau: Bucchi; Peralta, Besle, Thaler, Thrier; Burki, Ciarrocchi, Wüthrich (80. Hammerich), Perrier, Josipovic; Rossini (88. Martignoni).

Bemerkungen: Winterthur ohne Minder (gesperrt), Lijubicic, D’Angelo, Krasniqi, Roth, Schmid (alle verletzt), Avanzini (krank). Aarau ohne Jäckle, Tréand (beide gesperrt), Romano, Garat und Markaj (alle verletzt). – Verwarnungen: 16. Perrier (Foul). 18. Thaler (Foul). 53. Kamber (Foul). 77. Radice (Reklamieren). 86. N. Sutter (Foul). 92. Besle (Foul)

Spiel verpasst? Den Spielverlauf gibt es in unserem Liveticker zum Nachlesen:

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