Es waren schwierige Momente für Raeto Raffainer. Der Nationalmannschafts-Direktor von Swiss Ice Hockey sass im kleinen Presse-Konferenzraum der Steel-Arena in Kosice neben Nationaltrainer Patrick Fischer. Dieser versuchte gerade, seine Gedanken nach der unglaublich bitteren 2:3-Niederlage nach Verlängerung im WM-Viertelfinal gegen Kanada zu ordnen und in Worte zu fassen.

Als Fischer seine Ausführungen beendet hatte, war die Reihe an Raffainer. «Das trifft mich jetzt etwas unvorbereitet», sagte der 37-Jährige, griff nach einer Wasserflasche und bemühte sich, seine Emotionen in Zaum zu halten. Für ihn war das ein besonders berührender Moment. Nicht nur wegen der niederschmetternden Niederlage mit dem inzwischen schon berühmten Gegentor, 0,4 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit.

Mit Tränen in den Augen

Sondern auch deshalb, weil mit dem kanadischen Siegtreffer in der Verlängerung faktisch seine Amtszeit als sportlicher Leiter des schweizerischen Eishockeyverbandes zu Ende gegangen war. Raffainer wird bekanntlich Sportchef beim HC Davos und seine neue Aufgabe beim Rekordmeister baldmöglichst antreten.

Nun sass er also da, und sagte mit Tränen in den Augen: «Ich bin einer, der in solchen Situationen nah am Wasser gebaut ist. Ich war überzeugt, dass wir die Kanadier schlagen würden. Die Stimmung rund um die Mannschaft war ähnlich wie vor einem Jahr in Herning, als wir im Viertelfinal die Finnen besiegten. Fast hat es wieder gereicht.» Tat es aber nicht. Und deshalb liess Raffainer nochmals in aller Kürze den Prozess Revue passieren, der am 2. Dezember 2015 begonnen hatte.

Prozess ist nicht abgeschlossen

An jenem Tag wurden Patrick Fischer als Nationaltrainer und er selber als Nationalmannschaftsdirektor vorgestellt. Die Skepsis gegenüber der unerfahrenen Crew war damals gross. Auch diese Zeitung hatte die neue sportliche Führung infrage gestellt.
Umso erstaunlicher ist, was Raeto Raffainer zusammen mit seinem Staff in seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit auf die Beine gestellt hat.

«Wir haben dagegengehalten, als es gestürmt hat rund um die Mannschaft und rund um den Coaching-Staff. Diese Herausforderungen haben uns als Gruppe und mich als Person stärker gemacht», blickte er zurück und fügte an: «Ich bin unglaublich stolz auf das, was wir erreicht haben und noch erreichen werden. Denn der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Ich hoffe, dass er auch nach meiner Zeit so weitergeführt wird», sagte der zukünftige HCD-Sportchef kurz nach dem WM-Aus.

Die Personalie Fischer

Dabei dachte Raeto Raffainer vor allem an eine Personalie: den Nationaltrainer. Der Vertrag mit Patrick Fischer läuft in einem Jahr, nach der Heim-WM in der Schweiz, aus. Er wünscht sich natürlich, dass sein Nachfolger Lars Weibel den eingeschlagenen Weg weiter beschreitet und die Causa Fischer mit der notwendigen Dringlichkeit behandelt. «Ich hoffe, dass man mit dem aktuellen Coaching-Staff weiterfährt. Auch nach der Heim-WM. Diese Kontinuität ist unglaublich wertvoll.»

Die Lücke, die Raeto Raffainer im Verband hinterlässt, ist gross. Der Bündner hat sich innert kürzester Frist zu einem profilierten Strategen entwickelt, der das Schweizer Eishockey auf ein neues Niveau gehievt hat. Die Nationalmannschaft begeistert die Massen und ist sportlich gleichermassen attraktiv wie erfolgreich. Daran ändern auch die vier Zehntelsekunden gegen Kanada nichts.