Der SC Langenthal sicherte sich am Dienstag mit einem dramatischen 5:4-Sieg gegen die Rapperswil-Jona Lakers den NLB-Titel. Bereits heute Abend beginnt für die Oberaargauer in der Ligaqualifikation die Mission Aufstieg gegen den HC Ambri-Piotta. 2012 war die Liga-Qualifikation, auch gegen Ambri, bloss eine Ehrenrunde. Ambri gewann die Serie 4:1. Weil Langenthal keine Aufstiegsambitionen hatte.

Geschäftsführer Gian Kämpf sagt, warum es damals, im Frühjahr 2012, unmöglich war, mit aller Konsequenz die Promotion anzustreben. «Für den Aufstieg waren wir nicht bereit. Hätten wir aber im Falle eines Aufstiegs verzichtet, wären wir nach den damaligen Reglementen in die vierte Liga relegiert worden, Ambri wäre trotzdem abgestiegen und ein anderer Klub – wohl Lausanne – wäre am grünen Tisch aufgestiegen. Wir wären dann mit einem Wiedererwägungsgesuch wohl auch wieder in die NLB aufgenommen worden.»

Eine neue Ausgangslage

Nun ist vieles anders. Die Reglemente sind überarbeitet und geändert worden. Gian Kämpf sagt: «Würden wir jetzt auf den Aufstieg verzichten, müssten wir das nach dem letzten Spiel der Liga-Qualifikation bis um Mitternacht der Liga mitteilen. Wir würden dann für drei Jahre für die Liga-Qualifikation gesperrt.» Der SC Langenthal kann es inzwischen wagen, in der Liga-Qualifikation voll auf Sieg und Aufstieg zu spielen. Intern haben die Langenthaler nämlich das Projekt NLA durchgerechnet. Die NLA ist machbar.

Geht noch mehr für den SC Langenthal und Captain Stefan Tschannen?

Geht noch mehr für den SC Langenthal und Captain Stefan Tschannen?

Die 40 wohlbestallten Kernaktionäre des Unternehmens haben grundsätzlich die Finanzierung eines NLA-Abenteuers zugesichert. Gian Kämpf sagt, notwendig seien für eine Saison betriebsfremde Zuschüsse in der Höhe von rund zwei Millionen Franken. Was eine Aufstockung des Budgets von etwas mehr als fünf Millionen (inkl. Nachwuchs) auf rund sieben Millionen bedeuten würde.

Das Risiko eines Aufstieges ist also gering: Wenn alle die Nerven behalten, steht der Klub im schlimmsten Fall in einem Jahr wieder am gleichen Ort wie jetzt: in der Liga-Qualifikation. Die zwei Millionen wären gut investiertes Geld – die erstmalige Präsenz einer Mannschaft aus Langenthal in der höchsten Fussball- oder Eishockeyliga wäre allerbeste Standort-Werbung und ein aufregendes Abenteuer.

Von der Liga hat der SC Langenthal bereits eine provisorische Bewilligung für den Spielbetrieb in der NLA mit Auflagen – das ist ja die Voraussetzung, um überhaupt die Liga-Qualifikation spielen zu dürfen. Voraussichtlich am Freitag wird der Klub im Rahmen einer Medienorientierung seine Haltung zum Aufstieg erklären.

Politisch ist also Langenthals NLB-Titelgewinn keine gute Nachricht für Ambri. Weil Langenthal nicht einfach «Nein» zum Aufstieg sagt. Entscheidend ist deshalb die Frage, ob Ambri gegen dieses Langenthal sportlich in Not geraten wird.

Was Ambri Hoffnung macht: Bereits 48 Stunden nach dem Erreichen des Saisonziels (NLB-Titel) müssen die Langenthaler die Batterien fürs erste Spiel am Donnerstag in Ambri wieder nachgeladen haben. Das ist, weil die Finalserie über sieben Partien gegangen ist, beinahe unmöglich.

Denn anders als Langnau vor zwei Jahren ist der NLB-Titel nicht nur eine «Zwischenstation» auf dem Weg zurück in die NLA. Der Titel war das Saisonziel und entsprechend ist gefeiert worden. Langenthal ist nicht auf einer «Aufstiegsmission», wie das die letzten Aufsteiger Biel, Lausanne und Langnau waren. Langenthal kann es sich leisten, den Aufstieg zu verpassen.

Ambris Existenzkampf

Bei Ambri geht es hingegen um die Existenz. Die Entschlossenheit wird also grösser sein als bei Langenthal. Diese Entschlossenheit dürfte den Nachteil, ein Verliererteam zu sein, weitgehend kompensieren. Damit dürfte die psychologische Ausgangslage ungefähr ausgeglichen sein.

Was für Ambri sportlich Anlass zur Sorge gibt: Langenthal hat zwar nur einen ausländischen Spieler zur Verfügung (Topskorer Jeff Campbell ist verletzt) – aber inzwischen ersetzt der zähe Center Dario Kummer den Kanadier recht gut. Langenthal ist von Jason O’Leary exzellent gecoacht, defensiv gut organisiert und zelebriert ein einfaches, geradliniges, wuchtiges Powerhockey, das auch Ambris Abwehr aus den Angeln zu heben vermag.

Es gibt nur ein grosses sportliches Fragezeichen: Wie gut ist Torhüter Marco Mathis (28)? Der ehemalige Davoser Junior steht in seiner zweiten Saison als Nummer 1. In diesem siebten Finalspiel war er mit einer Fangquote von 87,5 Prozent höchstens NLB-Durchschnitt. Mit Marco Mathis in diesem siebten Finalspiels kann Langenthal Ambri nicht beunruhigen. Um es salopp zu sagen: Langenthals Lottergoalie ist Ambris grösste und letzte Hoffnung.
Aber was, wenn Marco Mathis ab Donnerstag wieder sein bestes Hockey spielt?