Die Umstellung für die zahlreichen in Europa unter Vertrag stehenden Spieler auf die afrikanischen Fussball-Gepflogenheiten ist jeweils nicht ganz einfach. Die Elfenbeinküste wartet trotz eines seit Jahren bestehenden Starensembles seit 1992 auf den zweiten Titelgewinn beim Afrika-Cup. Auch andere traditionell starke afrikanische Nationalteams wie Ghana oder Algerien blieben in den letzten Jahren bei ihrem Kontinentalwettbewerb glücklos. Titelverteidiger Nigeria scheiterte diesmal schon in der Qualifikation.

Es gilt beim Afrika-Cup auch mit Überraschungen neben dem Feld fertig zu werden. Diese sind beim Turnier in Äquatorialguinea nicht weniger als sonst. Igor Nganga (Aarau) und Chris Malonga (Lausanne-Sport) etwa bezogen mit der kongolesischen Delegation ein Hotel, das nicht genug Platz bot. Erst Mitte November wurde das zentralafrikanische Land mit rund 600'000 Einwohnern zum Gastgeber bestimmt, nachdem Marokko aus Angst vor Ebola einen Rückzieher gemacht hat.

Lebensmittel aus der Heimat

Äquatorialguinea war 2012 Co-Gastgeber des Afrika-Cups, musste damals aber nur zwei Stadien stellen. Diesmal sind es vier. Neben den Arenen in der Metropole Bata (35'700 Plätze) und der Hauptstadt Malabo (15'250) wird auch in Mongomi (10'000) und Ebebiyin (5000) gespielt. In der heimischen Meisterschaft kommen in der Regel nicht mehr als einige hundert Zuschauer in die Stadien. Wie gut sich das erdölreiche Land, das aber eine hohe Armutsquote aufweist, auf die Austragung hat vorbereiten können, wird sich in den kommenden gut drei Wochen zeigen. Die tunesische Nationalmannschaft mit Chikhaoui und Chermiti hat für alle Fälle Lebensmittel aus der Heimat einfliegen lassen.

Tunesien gehört zum engeren Favoritenkreis. Die Qualifikation haben die Nordafrikaner ohne Probleme überstanden. Nun soll die aktuelle Equipe die Enttäuschungen der letzten Jahre vergessen machen. "Wir haben ein Team, das kämpft. Es sind Krieger", sagt Trainer Georges Leekens über seine Spieler. Der Belgier ist der zehnte tunesische Nationaltrainer, seit Roger Lemerre das Land 2004 zum bislang einzigen Titel geführt hat.

Gewichtige Rücktritte

Häufige Trainerwechsel sind bei den afrikanischen Nationalteams eher die Regel als die Ausnahme. Auch die Elfenbeinküste mit Serey Die und Kamerun mit Etoundi haben im letzten Jahrzehnt im Durchschnitt ihren Trainer fast einmal im Jahr gewechselt. Die Elfenbeinküste zählt diesmal auf den Franzosen Hervé Renard, der 2012 Sambia sensationell zum Titel geführt hat - nach einem Finalerfolg gegen die Elfenbeinküste. Bei Kamerun hat der Deutsche Volker Finke trotz einer völlig missglückten WM weiterhin das Sagen. Sowohl Kamerun als auch die Elfenbeinküste müssen auf ihre Topstürmer verzichten. Samuel Eto'o und Didier Drogba sind aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.

Als Hauptanwärter auf den Titel gilt Algerien, das derzeit in der Weltrangliste am besten klassierte afrikanische Team (18. Platz). Die Maghrebiner wollen trotz des Trainerwechsels (Christian Gourcuff ersetzte Vahid Halilhodzic) an die guten Leistungen bei der WM anknüpfen. Mit Yacine Brahimi (FC Porto), Sofiane Feghouli (Valencia) und Islam Slimani (Sporting Lissabon) besitzt Algerien ein beeindruckendes Offensiv-Trio.