Analyse zur Krise des FC Luzern
Fabio Celestini spielt nach der Nati-Pause um seinen Job

Fabio Celestini hat beim FC Luzern einen schweren Stand: Der Trainer hat von Sportchef Remo Meyer nach der 0:1-Heimniederlage gegen Sion die Rückendeckung verloren. Unzufrieden ist man beim FCL nicht nur mit der Punkteausbeute, sondern auch mit der Leistung.

Daniel Wyrsch
Daniel Wyrsch 4 Kommentare
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Angezählter FCL-Trainer Fabio Celestini: In den verbleibenden fünf Vorrundenspielen muss er den Turnaround schaffen.

Angezählter FCL-Trainer Fabio Celestini: In den verbleibenden fünf Vorrundenspielen muss er den Turnaround schaffen.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 26. September 2021)

Die Zeichen stehen beim FC Luzern auf Sturm: Sportchef Remo Meyer spricht im Interview mit unserer Zeitung Klartext: «Die Lage ist sehr prekär!» Die Klubleitung sei sehr enttäuscht über die schwache Punkteausbeute und Leistung des Teams.

Ein Blick auf die Statistik zeigt ein besorgniserregendes Bild: Nur ein Sieg und zehn Punkte in 13 Spielen. Der FCL steckt im Abstiegssumpf. Obwohl die Mannschaft im Oktober fünf Pflichtspiele unbesiegt blieb, gegen St. Gallen der einzige Sieg errungen und der Einzug in den Cup-Viertelfinal geschafft wurde, hielt die leichte Aufwärtstendenz nicht an.

Konnte in der vorletzten Partie beim Schlusslicht in Lausanne eine Niederlage abgewendet werden, folgte am vergangenen Samstag im Heimspiel gegen Tabellennachbar Sion die grosse Ernüchterung: Der FCL war bemüht, doch in diesem Sechs-Punkte-Match gelang dem Team von Fabio Celestini aus raren Chancen kein Treffer. Erstmals nach 19 Partien blieb Luzern ohne Tor. Stattdessen nutzten die Walliser einen Moment der Unaufmerksamkeit zum 1:0-Siegtor.

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Aber auch ein Remis hätte die Klubführung nicht zufrieden gestellt. Die spielerische Kost der Luzerner war zu bescheiden. Das langsame, uninspirierte Angriffsspiel gegen die diszipliniert verteidigenden Sittener konnte niemand begeistern. Meyer sagte, er erwarte dominantere Auftritte.

Dem Sportchef ist auch aufgefallen, dass von der Offensivkraft der Vorsaison nicht viel übrig geblieben ist. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass der begnadete Mittelfeldspieler Louis Schaub seit dieser Saison nicht mehr zur Verfügung steht, da der FCL-Topskorer (acht Tore, zehn Assists) des letzten Jahres im Sommer zum 1. FC Köln zurückkehrte.

Die neue Nummer 10, Samuele Campo, kam von Darmstadt aus der 2. Bundesliga praktisch ohne Spielpraxis nach Luzern. Kaum hier, verletzte sich der Ex-Basler. Nach total acht Ligaspielen mit zwei Assists erlitt Campo vor zehn Tagen eine Meniskusverletzung. Erst im Januar zur Vorbereitung auf die Rückrunde wird er im Teamtraining zurückerwartet.

Mit Ausnahme der Position des Spielmachers, wo Schaub viel mehr bewegte als bislang Campo, kann Celestini in der laufenden Saison jedoch mit einer qualitativ ähnlich aufgestellten Mannschaft arbeiten.

Der Klub ist dem Cupsiegertrainer im Sommer entgegengekommen, hat neben seinem Wunschspieler Campo die erfahrenen Ex-Bundesliga-Profis Christian Gentner und Holger Badstuber verpflichtet. Celestini stand 100 Prozent hinter diesen Transfers. Für den zum FC Zürich abgewanderten Genesio Colatrella konnte er als Assistenzcoach seinen Freund Lorenzo Guerrero holen. Dazu stiess mit Konditionstrainer Gabriele Bagattini ein zweiter Vertrauter des Coaches zum FCL-Staff.

Für das Fanionteam wurde im Sommer ein neuer Naturrasenteppich auf dem Trainingsplatz ausgerollt. Der Verein hat also einiges investiert, um Celestini bei seiner Arbeit mit der Mannschaft zu unterstützen.

Das Ziel aller war, den Schub aus dem Cup-Sieg mit in die neue Saison zu nehmen. Doch bereits nach der 3:4-Heimniederlage im Startspiel gegen YB verpuffte die Euphorie.

Dazu beigetragen hatte, dass Celestini im Sommer beim Meister in Bern gerne die Nachfolge von Gerardo Seoane angetreten hätte. Das wollte YB nicht. Dasselbe war ihm ein Jahr vorher in Basel widerfahren, als der FCB einen Nachfolger für Marcel Koller gesucht hatte. Kürzlich hatte sich Celestini in einer Westschweizer Zeitung geäussert, nie Trainer beim FCB oder YB werden zu können. Dabei ist er vertraglich bis Mitte 2023 dem FCL verpflichtet – und hat hier viel zu tun: Nach der Nati-Pause werden die letzten fünf Vorrundenspiele gegen Lugano, Basel, Zürich, GC und Servette entscheidend sein. Keine Frage: Celestini spielt dabei um seinen Job. Jetzt gilt es definitiv, die Kräfte zu bündeln, um den Turnaround zu schaffen.

4 Kommentare
Daniel Scherer

Er ist so was von unloyal, flirtet immer wieder mit anderen Clubs, das hat die Mannschaft registriert. Sie gehen nicht mehr durchs Feuer für ihn. Fragwürdig sind für mich die Verpflichtungen. Domgjoni spielt nie, eher der zuvor immer wieder kritisierte Grether. Sagt alles über die Qualität des Spielers? Campo, ohne Kampf und Leidenschaft. Und dann frage ich mich, weshalb Gentner und Badstuber verpflichtet worden sind. Null Mehrwert für Luzern. 

René Bättig

Sieht denn von den Verantwortlichen keiner, dass der FCL keine Mannschaft, kein Team ist? Leider hat der Sportausschuss miserabel sowie konzeptlos (Altstars, Ersatzspieler etc.) eingekauft und dafür funktionierende, gute Spieler, wie Schaub, Knezevic etc. abgegeben. Dann kommt dazu, dass Celestini ein Trainer ist, der noch NIE langfristig Erfolg hatte und überall entlassen wurde! Beim FCL stimmt es in keiner Linie und ausser Burch, Schulz, Nidaye, Ugrinic und ab und an Schürpf hat in diesem Team kaum einer überdurchschnittliche Qualität. Wenn man nicht absteigen will, MUSS man sofort handeln. Holt endlich Bruno Berner als neuen Übungsleiter und mistet umgehend diesen Kader aus! Ansonsten dürfte es böse enden.

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