Super League

Angstgegner mit Aggressionspotenzial: Fliegen zwischen dem FCB und Servette erneut die Fetzen?

Die Duelle zwischen Servette und dem FCB waren zuletzt überdurchschnittlich brisant.

Die Duelle zwischen Servette und dem FCB waren zuletzt überdurchschnittlich brisant.

Die Duelle zwischen Basel und Servette sind seit dem Aufstieg der Genfer jeweils besonders emotional. Es gibt überdurchschnittliche viele Platzverweise, sehenswerte Tore und Diskussionen um Schiedsrichterleistungen. Am Samstag kommt es erneut zum Aufeinandertreffen der beiden Traditionsvereine. Mal sehen, wer diesmal wutschnaubend das Spielfeld verlässt.

Wenn Servette auf den FC Basel trifft, sind Emotionen garantiert. Zumindest seit dem Wiederaufstieg der Genfer im Sommer 2019. Fünfmal gab es seitdem das Duell Rotblau gegen Granatrot und jedes Mal schäumte am Ende zumindest eines der beiden Teams.

Im August 2019 waren es die Genfer, die nach der 1:3-Niederlage im Joggeli die Welt nicht mehr verstanden. «Taulant Xhaka hätte direkt Rot sehen müssen», sagte Servette-Trainer Alain Geiger, nicht ganz zu Unrecht. Denn die Faust des Basler Mittelfeldterriers hatte zuvor erst mit der Wange von Sébastien Wüthrich und dann mit der Brust von Timothé Cognat feindschaftlichen Kontakt aufgenommen.

Taulant Xhaka nimmt sich Sébastien Wüthrich ordentlich zur Brust.

Taulant Xhaka nimmt sich Sébastien Wüthrich ordentlich zur Brust.

Drei Monate später war es vor allem Valentin Stocker, der lamentierte. Der FCB-Captain hatte direkt nach Schlusspfiff den französischen Austauschschiedsrichter Karim Abed geschubst und folgerichtig die rote Karte gesehen. Der FCB hatte das Spiel in Genf mit 0:2 verloren und der Schuldige war mit dem Schiedsrichter schnell gefunden. Schon in der Pause ärgerten sich die Basler Spieler über dessen – Zitat Jonas Omlin – «arrogantes Auftreten». Nach Schlusspfiff diskutierte Stocker mit den anwesenden Journalisten mehr als 15 Minuten über Sinn und Unsinn des Austauschprogramms für Schiedsrichter. «Ich verstehe nicht, warum ein Franzose in der Schweiz und dann auch noch in Genf pfeift», sagte Stocker. Am Ende bekam er vier Spielsperren aufgebrummt.

Valentin Stocker versteht nach dieser roten Karte die Welt nicht mehr.

Valentin Stocker versteht nach dieser roten Karte die Welt nicht mehr.

Beim nächsten Aufeinandertreffen im Februar 2020 in Basel war es nicht der Schiedsrichter, sondern das eigene Unvermögen, das die FCB-Verantwortlichen wütend machte. Trotz einer 2:0-Führung war es Basel am Ende nicht gelungen, das Spiel zu gewinnen. Weil Miroslav Stevanovic den Ball in der 87. Minute sehenswert zum 2:2 in den Winkel schlenzte, jubelten am Ende nur die Genfer über den Punkt. Nach Abpfiff übte Stocker öffentlich Kritik an der Vereinsführung. Auf die Frage, wo denn die Probleme aktuell lägen, antwortete er: «Man muss andere Sachen hinterfragen. Das sind aber andere Leute, die man fragen muss. Ich bin die falsche Person.»

Beim letzten Aufeinandertreffen in Basel zogen dunkle Wolken über dem FCB auf. Denn das Heimteam verspielte ein 2:0.

Beim letzten Aufeinandertreffen in Basel zogen dunkle Wolken über dem FCB auf. Denn das Heimteam verspielte ein 2:0.

Auch der Corona-Unterbruch hat die Gemüter nicht abgekühlt. Wenn Servette auf Basel trifft, brennen immer irgendeinem die Sicherungen durch. Im Juli 2020 ist das beim 2:2 in Genf Arthur Cabral. Erst motzt er, dann foult er und wieder beendet der FCB das Spiel nicht zu elft.

Der Trainerwechsel hat keinen Einfluss auf den Trubel

Das hat sich auch in dieser Saison nicht verändert. Im September fliegt Jasper van der Werff wegen einer Notbremse vom Platz. Doch das kann Ciriaco Sforza in seinem ersten Auswärtsspiel als FCB-Cheftrainer noch verkraften. Was ihn auf die Palme bringt, ist die Handspielentscheidung gegen den eingewechselten Albian Hajdari. Dieser wird im Strafraum aus kurzer Distanz angeschossen. Doch für Schiedsrichter Luca Piccolo und dessen VAR Sascha Kever ist das ein Penalty. Der entscheidende Penalty zum 1:0 für Servette.

Schiedsrichter Luca Piccolo zieht den Unmut der Basler auf sich.

Schiedsrichter Luca Piccolo zieht den Unmut der Basler auf sich.

Normalerweise sind Pressekonferenzen nach dem Spiel kaum erwähnenswert. Die Trainer haben sich mittlerweile gesammelt, die Sätze bereits im TV-Interview und in der Mixed Zone formuliert. Die Emotionen sind unter Kontrolle. Doch nach diesem Spiel ist das anders, was vielleicht auch daran liegt, dass Sforza auf dem Weg zur PK noch kurz in der Kabine des Schiedsrichters vorbei geschaut hat. Was folgt, ist ein Monolog über Respekt, Regelkunde und Videoschiedsrichter.

Grosser Erfolgsdruck für beide Teams am Samstag

Wenn Basel auf Genf trifft, gibt es Turbulenzen und meist sind die Basler die Leidtragenden. Der FCB verlor im Duell mit den Romands zuletzt immer wieder Nerven und Punkte. Seit vier Spielen warten die Basler auf einen Sieg gegen Servette. Kein anderes Super-League-Team wurde so lange nicht mehr vom FCB besiegt. Vor dem Aufeinandertreffen am Samstag sind beide Teams unter Druck.

Basel kann sich auf der Suche nach der so sehr vermissten Konstanz eigentlich keine weiteren Punktverluste gegen Teams aus unteren Tabellenregionen erlauben und Servette will diese untere Tabellenregion gerne verlassen. Mit einem Sieg würden die Genfer den FCB sogar überholen. Geleitet wird das Spiel im Joggeli von Alessandro Dudic, als VAR amtet der Schweizer Champions-League-Schiedsrichter Sandro Schärer. Auch sie könnten wieder ungewollt im Fokus stehen. Denn beim Duell mit Angstgegner Servette herrscht beim FCB erhöhtes Aggressionspotenzial.

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