Datenleck

Anti-Doping-Agentur gehackt: Waren US-Tennis-Girls für Olympia gedopt?

Serena Williams

Serena Williams

Hacker sind in die Datenbank der Welt-Anti-Doping-Agentur eingedrungen und haben angeblich die Akten von amerikanischen Sportstars veröffentlicht.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) ist Opfer eines Hacker-Angriffs geworden. Wie die Organisation gestern bestätigte, drangen russische Cyber-Spione in die Datenbank ein und veröffentlichten daraufhin vertrauliche Unterlagen von Athleten.

Der Angriff auf die Wada-Datenbank war vom russischen Hacker-Verbund «Tsar Team», auch bekannt unter dem Namen «Fancy Bears», durchgeführt worden. Die Gruppe hatte im Internet Informationen über vier amerikanische Olympia-Teilnehmer veröffentlicht. So wurden Dokumente publiziert, die belegen sollen, dass die Tennis-Stars Venusund Serena Williams positiv auf mehrere verbotene Substanzen getestet worden seien. Auch Kunstturnerin Simone Biles, die an den Olympischen Spielen in Rio viermal Gold gewann, soll positiv getestet worden sein. Die Sportlerinnen würden leistungssteigernde – und eigentlich verbotene – Mittel einnehmen, für die sie sich Ausnahmegenehmigungen verschafft hätten.

«Nach eingehendem Studium der gehackten Wada-Datenbank haben wir herausgefunden, dass Dutzende von amerikanischen Athleten positiv getestet wurden», schreibt die Gruppe auf ihrer Website. «Olympiasiegerinnen von Rio haben regelmässig illegale Substanzen genommen – mit einer Genehmigung für therapeutische Zwecke. Mit anderen Worten: Sie haben die Lizenz zum Dopen erhalten. Das ist ein Beweis dafür, dass die Wada und die medizinische Abteilung des Internationalen Olympischen Komitees IOC korrupt und betrügerisch sind.»

Ob es sich um echte oder gefälschte Dokumente handelt, ist bislang unklar. «Die Wada verurteilt die Cyber-Attacken, die die Organisation und das weltweite Anti-Doping-System untergraben sollen», erklärte Wada-Generaldirektor Olivier Niggli. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bestätigte den Hacker-Angriff ebenfalls, verwies jedoch darauf, dass keine der Genannten die Doping-Regularien verletzt habe. «Das IOC kann bestätigen, dass die genannten Athleten bei den Olympischen Spielen in Rio kein Dopingvergehen begangen haben», hiess es in einer gestern veröffentlichen Stellungnahme.

Im Falle von Biles werden von den Hackern Substanzen aufgelistet, die für die Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms ADHS eingesetzt werden. Bei Serena Williams wird Prednisolon aufgeführt, ein entzündungshemmendes Cortison-Präparat, das als Schmerzmittel eingesetzt wird, aber gemäss Experten auch positive Effekte auf den Stoffwechsel hat.

Geheimdienst involviert?

Der deutsche Dopingexperte Perikles Simon kritisierte die Praxis der Ausnahmebewilligungen. Im «Tagesspiegel» sagt er: «Wenn ein Hochleistungsathlet liest, was er alles nehmen darf, wenn er einen Arzt findet, der ihm die Ausnahmegenehmigung erteilt, dann ist es für mich logisch und konsequent, dass er das versucht.» Das Regelwerk öffne die Tür für Missbrauch. «Doch dem Athleten ist kein Vorwurf zu machen. Der Fisch stinkt hier vom Kopf, und zwar gewaltig.»

Über die Hacker-Gruppe ist wenig bekannt. De «Guardian» mutmasste im August, dass die Hacker Verbindungen zum russischen Geheimdienst hätten. Die Internetseite ist aber in Frankreich registriert. Das Kollektiv kündigte derweil an, in den nächsten Tagen weitere Dokumente zu veröffentlichen. (sid/nch)

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