Badminton
Historisches Europa und zwei Traumfinale am Swiss Open

An der 30. Ausgabe des Swiss Open sind die Europäerinnen und Europäer so erfolgreich wie noch nie in diesem Jahrtausend. Während bei den Herren Viktor Axelsen zum zweiten Mal gewinnen will, kommt es bei den Frauen zum Traumfinale.

Simon Leser
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Viktor Axelsen greift in Basel nach seinem zweiten Titel.

Viktor Axelsen greift in Basel nach seinem zweiten Titel.

Marco Kunz

Plötzlich war Viktor Axelsen von der Rolle. Den ersten Satz hatte die dänische Weltnummer 2 gegen Srikanth Kidambi - immerhin der elftbeste Badmintonspieler der Welt - noch souverän mit 21:13 gewonnen. Sein indischer Widersacher brauchte ganze sieben Ballwechsel, um erstmals überhaupt einen Punktgewinn zu verbuchen. Und auch nach dem Seitenwechsel sah es lange nach einem Kantersieg von Axelsen aus, der deutlich mit 12:3 vorne lag. Gegen die kraftvollen Angriffsbälle und die agile Verteidigungsarbeit stand Kidambi auf verlorenem Posten. Bis zu diesem 12:3. Dann setzte der Inder zu einer fulminanten Aufholjagd an, die in einem 19:19 endete. Dem vorher so souveränen Axelsen unterliefen plötzlich unerklärliche Fehler - etwa, als er einen zu lang geratenen Ball ins Aus fliegen lassen wollte, dieser ihn aber an der Schulter berührte. Doch die entscheidenden Missgeschicke unterliefen nicht ihm, sondern Kidambi. Zuerst setzte er beim Stand von 19:19 einen Angriffsball neben die Linie, dann dahinter. Der beeindruckenden Aufholjagd fehlte die Krönung. Eine Tatsache, die den Favoriten Axelsen derart erleichterte, dass er mit seinem Jubelschrei die leere St. Jakobshalle füllte. «Es war nicht das schönste Spiel bisher. Ich bin froh, dennoch gewonnen zu haben», sagte der Däne nach dem Spiel.

Viktor Axelsen trifft am Sonntag im Finale des Swiss Open auf den erst 19-jährigen Kunlavut Vitidsarn. Die Nummer 8 des Turniers aus Thailand gewann sein Halbfinalspiel gegen die Nummer der 2 der Setzliste, Lee Zii Jia, überraschend deutlich mit 21:18 und 21:10. Sowohl Vitidsarn als auch Axelsen haben im Verlauf der Turnierwoche noch keinen Satz abgegeben. Gewinnt der Däne, triumphiert erst zum zweiten Mal in diesem Jahrtausend ein Europäer in Basel. 2014 gelang dieses Meisterstück Axelsen schon einmal.

Bei den Frauen kommt es derweil zum von Turnierpräsident Christian Wackernagel erhofften Traumfinale zwischen Carolina Marin (Spanien) und Pusarla Sindhu (Indien). Erstere ist amtierende Olympiasiegerin, Letztere kürte sich 2019 in Basel zur amtierenden Weltmeisterin. Wie die beiden Finalisten im Herrentableau gab auch Sindhu noch keinen Satz ab. Die Nummer 7 der Welt bekundete im Halbfinal gegen Mia Blichfeldt (Dänemark) nur im ersten Satz Mühe Mühe. Mehr zu kämpfen hatte hingegen Marin. Die Nummer 3 der Welt, die in Basel erstmals am Start ist, vergab gegen Pornpawee Chochuwong (Thailand) im zweiten Satz zwei Matchbälle und lieferte sich im Entscheidungssatz einen wahren Krimi. Die Olympiasiegerin von 2016 verwandelte schliesslich ihren fünften Matchball. Marin fällt in Basel neben ihrer explosiven Spielweise vor allem mit ihren lautstarken Anfeuerungsrufen nach den Punktgewinnen auf. Ein Finalsieg wäre der erste europäische Damenerfolg in Basel seit 2006.

Auch in der Doppelkonkurrenz bieten europäische Paare den sonst so dominanten Asiaten die Stirn. Wie in den beiden Einzelkonkurrenzen kommt es im Frauendoppel zum Aufeinandertreffen zwischen Asien und Europa. Im Herrendoppel und in der Mixed-Kategorie gibt es gar ein rein europäisches Duell. Von den zehn Finalistinnen und Finalisten kommen somit deren sieben aus Europa. Es ist in einer Sportart, die regelmässig von asiatischen Akteuren dominiert wird, ein rares Ereignis. In Basel gab es letztmals vor 25 Jahren so viele europäische Finalistinnen und Finalisten wie bei der diesjährigen 30-jährigen Jubiläumsausgabe.

Die Resultate vom Samstag

Herreneinzel: Viktor Axelsen [DEN/1] - Srikanth Kidambi [IND/4] 21:13, 21:19; Kunlavut Vitidsarn [THA/8] - Lee Zii Jia [MAL/2] 21:18, 21:10. 

Fraueneinzel: Pusarla V. Sindhu [IND/2] - Mia Blichfeldt [DAN/4] 22:20, 21:10; Carolina Marin [ESP/1] - Pornpawee Chochuwong [THA/3] 21:15, 20:22, 21:19.

Herrendoppel: Mark Lamsfuss/Marvin Seidel [GER] - Arron Chia/Wooi Yik Soh [MAL/1] 21:13, 13:21, 21:16; Kim Astrup/Anders Skaarup Rasmussen [DEN/6] - Satwiksairaj Rankireddy/Chirag Shetty [IND/2] 21:10, 21:17.


Frauendoppel: Gabriela Stoeva/Stefani Stoeva [BUL/3] - Jongkolphan Kititharakul/Rawinda Prajongjai [THA/1] 21:16 21:14; Thinaah Muralitharan/Pearly Tan [MAL] - Chow Mei Kuan/Lee Meng Yean [MAL/2] 10:21, 21:14, 21:16.

Mixed: Thom Gicquel/Delphine Delrue [FRA/6] - Lai Pei Jing/Tan Kian Meng [MAL/5) 21:19, 21:10; Mathias Christiansen/Alexandra Bøje [DEN] - Marcus Ellis/Lauren Smith [ENG/3] 21:16, 23:21.